Flaggschiff von Domo sehnt sich nach Hafen

Montag, 29. März 2004, 14:51 Uhr

Flaggschiff von Domo sehnt sich nach Hafen

Flaggschiff von Domo sehnt sich nach Hafen Belgischer Investor hat in Leuna 700 Arbeitsplätze gerettet

VON FRANK ZIMNOL, 28.03.04, Der belgische Teppich- und Fußbodenbelaghersteller Domo (Gent) hat in Leuna auf eindrucksvolle Weise Tritt gefasst. Mit seinen Tochtergesellschaften Domo Caproleuna und Domo Neuchem GmbH stieg der Standort innerhalb von nur zehn Jahren zum Flaggschiff der ganzen Gruppe auf.

"Mit 400 Millionen Euro Umsatz ist Leuna zur stärksten Bastion von Domo geworden"

sagte Geschäftsführer Norbert Leetsch im Gespräch mit der Mitteldeutschen Zeitung.

Norbert Leetsch steht in Leuna seit zehn Jahren in Diensten der belgischen Domo-Gruppe Foto: Domo

Die Belgier haben bisher rund 463 Millionen Euro aufgewendet, um den 1994 von der damaligen Treuhand übernommenen Leunaer Caprolactam-Bereich von Grund auf zu erneuern und auszubauen. Der Erfolg ließ nicht auf sich warten. Leetsch zufolge hat sich die Pro-Kopf-Leistung der damals wie heute rund 700 Mitarbeiter seit 1995 von 211 000 Euro auf nunmehr 564 000 Euro erhöht.

Domo setzt in Leuna übrigens eine lange industrielle Tradition fort. Die Produktion von Caprolactam gehörte seit jeher zu den Domänen des Chemiezentrums. Das Verfahren zur Herstellung des Polyamid-Grundstoffs war bereits in den 30er Jahren entwickelt worden. Jedoch weniger für zivile Zwecke, sondern eher mit Blick auf die Rüstung. Man wollte sich eine leistungsfähige Rohstoffbasis für die Produktion von Fallschirmseide schaffen. Heute wird Polyamid benötigt, um Spritzgussteile zu fertigen oder auch Folien und Textilien. Vor allem aber dient das Material als Ausgangsprodukt zum Spinnen von Teppichgarnen. Der Faden dafür wird von der Domo Neuchem aufgenommen.

"Ohne funktionierende Binnen-Wasserstraße ist unsere Zukunft gebremst."
Norbert Leetsch, Geschäftsführer

Allerdings tritt die Konjunktur in der deutschen wie europäischen Teppichbranche auf der Stelle, musste man bei Domo ernüchtert konstatieren. Leetsch sprach gar von einem "stagnierendem, eher schrumpfendem Markt". Das belgische Firmen-Duo hat das aber auf anderen Märkten mehr als kompensiert. Es ist zu einem der größten Exporteure Leunas aufgestiegen. Nicht weniger als 40 Prozent der Domo-Erzeugnisse, neben Teppichgarnen auch Lösungsmittel, Düngemittel sowie diverse Grundstoff-Chemikalien, werden an rund 1 500 Kunden in mehr als 60 Ländern verkauft, merkte Marketing-Spezialistin Annett Scholz an.

Auf weiteres Wachstum angesprochen, beklagte Leetsch die mangelnde Verfügbarkeit petrochemischer Ausgangsstoffe. Die nächstgelegenen Bezugsquellen von Benzol seien "mengenmäßig ausgereizt", erläuterte der studierte Verfahrenstechniker.

"Unser Manko ist, dass wir weder über eine Pipeline-Anbindung zum Beispiel nach Rotterdam verfügen noch über einen verkehrstauglichen Binnenhafen."

Benzol statt über die Schiene über den Wasserweg zu beschaffen, wäre nur halb so teuer, sagte Leetsch, der seit 1975 in Leuna ist.

Von daher würde es der Manager begrüßen, wenn der seit vielen Jahren diskutierte Ausbau von Saale und Elbe endlich in Fluss käme.

"Ohne funktionierende Binnen-Wasserstraße ist unsere Zukunft gebremst"

machte der Domo-Geschäftsführer klar.

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