Flammende Reden in Rothensee: Ist im Mai das Schiffshebewerk offen?

Dienstag, 20. März 2007, 18:53 Uhr

Flammende Reden in Rothensee: Ist im Mai das Schiffshebewerk offen?

Bundestagsausschuss und Staatssekretärin gestern am Schiffshebewerk / Neue Runde in Berlin vereinbart Von Karl-Heinz Kaiser, Volksstimme, 20.03.2007

Neue Hoffnung für das Schiffshebewerk ? Nach ihrem gestrigen Besuch zeigten sich die Mitglieder des Bundestagsausschusses für Verkehr angetan von dem technischen Meisterwerk. Stadtoberhaupt Lutz Trümper regte ein erneutes Treffen in Berlin an. Und fordert : Noch davor müsste über die begrenzte Wiedereröffnung des Schiffshebewerks entschieden werden. Im Mai 2007 nämlich wird die Schleuse Niegripp gesperrt, Rothensee ohne Hebewerk deshalb zum Nadelöhr.

Magdeburg. Gestern gegen 15 Uhr. Am Ende des Austauschs der Argumente in der Gaststätte neben dem stillgelegten Schiffshebewerk zeigte sich Annette Faße, Sprecherin der Delegation des einflussreichen Bundestagsverkehrsausschusses, beeindruckt von den Fakten und Argumenten. 2007 / 2008, wenn die Schleuse Niegripp und die Trogbrücke gesperrt sind, sollte das Hebewerk jeweils in der Saison wieder öffnen, erklärte sie auf Nachfrage der Volksstimme. Ähnlich äußerte sich auch ihr Kollege Patrick Döring ( FDP ) gegenüber der Volksstimme. " Selbst mit Blick auf die Kosten ist der saisonale Betrieb 2007 / 2008 machbar ", sagte Döring. Für die Berufsschifffahrt, so diese beiden Abgeordneten sowie ihr Kollege Bernd Heynemann ( CDU ), sei das allemal erforderlich, um extreme und unwirtschaftliche Wartezeiten zu vermeiden. Die Sportschifffahrt werde nicht ausgegrenzt.

Schon eine gute halbe Stunde zuvor hatten die Schlussbemerkungen von Annette Faße die auf dem Nullpunkt befindliche Stimmung im Saal wieder aufgebessert. Grund : Sie beleuchtete nicht allein die streng wirtschaftliche, sondern auch andere Seiten des Themas. Sie versicherte, sogar die Daten zu den Betriebkosten zu hinterfragen, bevor sich der Ausschuss positioniert. Die Region könne stolz sein auf das Technische Denkmal, für die Sportund Fahrgastschifffahrt sei es von Nutzen. Zugleich riet sie zum intensiveren gemeinsamen Handeln von Land, Stadt und Umland.

Begonnen hatte der Besuch des Bundestagsausschusses um 12 Uhr im Rathausfoyer mit einer faustdicken Überraschung. Das Bundesverkehrsministerium hatte sich in die auf Betreiben Magdeburgs anberaumte Stippvisite eingeklinkt und die Parlamentarische Staatssekretärin Karin Roth entsandt. Um Schaden zu verhüten ?

In ihren Ausführungen verließ Frau Roth zunächst nicht um Millimeter den bekannten Kurs des Ministeriums. Da das Schiffshebewerk verkehrlich nicht benötigt werde, könne das Ministerium aus finanziellen Gründen nicht von einer Stilllegung abrücken, erklärte sie. Zugeständnis : Das Schiffshebewerk aber werde, wenn es gewünscht wird, so hergerichtet, dass es touristisch genutzt werden könne, sagte sie.

Als stillgelegtes Vorzeigeobjekt. Das hatte Landesverkehrsminister Karl-Heinz Daehre ( CDU ) zu einer flammenden Rede herausgefordert. Er nannte eine Vielzahl Argumente u. a. zur Bypassfunktion des technischen Meisterwerks, hob seine weltweite Einmaligkeit hervor. Er stellte klar : Das Hebewerk solle als funktionierendes Industriedenkmal erhalten bleiben. Dafür trage der Bund Verantwortung. Er will sich dafür einsetzen, im Land 2008 einen Haushaltstitel für Industriedenkmale einzubringen.

Ihm zur Seite stand später auch der Landtagspräsident Dieter Steinecke ( CDU ), der die touristische Komponente betonte und auf die Investitionen zum Blauen Band verwies. Prof Dr. Karl-Heinz Paqué ( FDP ) als Vorsitzender des Fördervereins Technische Denkmale sprach von einem Meisterwerk von internationalem Rang, Landrat Lothar Finzelberg über den schweren Verlust für das Umland. Besonderen Eindruck hatte auch Hans Garz vom Förderverein hinterlassen, der vorrechnete, dass mit Weiterbetrieb des Schiffshebewerks rund eine Million Euro Kosten gespart werden können.

Ingo Klinder vom Bundesverband Binnenschifffahrt bat, zumindest während der Reparatur der Niegripper Schleuse und der Sperrung der Trogbrücke, die weitere Stilllegung auszusetzen. So könnte die Bundesregierung der boomenden Schifffahrt entgegenkommen, sagte er.

Peter Fechner verwies auf die enormen Standzeiten ( ca. anderthalb Stunden ) seiner Weißen Flotte ohne Hebewerk. Hans-Dieter Sundmann, Deutscher Motoryachtverband, sprach vom Ausgrenzen der Sportschifffahrt.

Am Schluss lockerte Staatssekretärin Roth doch ein wenig ihre im Rathausfoyer eingeschlagenen Pflöcke. Sie sagte, dass der Bund die für die Stilllegung erforderlichen Kosten für einen – ebenfalls möglichen – Weiterbetrieb durch Land und Stadt zur Verfügung stellen und dabei nicht kleinlich sein wolle.

Ob das so machbar ist, muss gleichfalls geklärt werden. Oberbürgermeister Lutz Trümper erinnerte am Schluss daran, dass die Frage nach einer vorübergehenden Öffnung des Schiffshebewerks ab Mai noch nicht beantwortet sei. Das müsse vor der nächsten Runde mit dem Bundestagsausschuss und mit dem Ministerium in Berlin geklärt werden, sagte er. Wann die stattfindet, ist noch unbekannt, der Ausgang ungewiss. Aber, so Trümper : " Ein Stück Hoffnung hat der Tag gegeben. "

 

 

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