Geht der Flusslandschaft in Anhalt das Wasser aus?

Mittwoch, 24. Juni 2009, 23:29 Uhr

Geht der Flusslandschaft in Anhalt das Wasser aus?

Elbvertiefung hat Folgen für die Auen und historischen Anlagen - Umweltbund sieht Welterbetitel bedroht

mz-web.de, 24.06.09, VON HEIDI THIEMANN

WÖRLITZ/MZ. "Niemand wird versuchen, das Welterbe mutwillig zu schädigen", sagt Peter Dornbusch, stellvertretender Leiter des Biosphärenreservates Mittelelbe. Ernst Paul Dörfler, Leiter des Elbeprojektes des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund), warnt dagegen vor einer "erheblichen Gefährdung" des Unesco-Welterbegebietes Dessau-Wörlitzer Gartenreich und des Unesco-Biosphärenreservates Mittelelbe. Denn genau dies stelle die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost (WSD Ost) selber fest in einem Dokument, das dem Bund vorliege. Ursache für die "erhebliche Gefährdung" sei die fortschreitende Flussvertiefung und die damit in Verbindung stehende schleichende Austrocknung aufgrund von Wassermangel, behauptet Dörfler.

Er bezieht sich auf das "Sohlstabilisierungskonzept für die Elbe zwischen Mühlberg und Saalemündung"; die Sohle ist der tiefste Grund des Flusses. Gemeinsam von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes mit den Ländern Sachsen und Sachsen-Anhalt erarbeitet, enthält es "Maßnahmen gegen die Sohlerosion", sagt Thomas Gabriel, Dezernent in der WSD Ost in Magdeburg. Unstrittig ist: Zum Schutz der Flussaue muss gehandelt werden. Die seit rund 150 Jahren zu verzeichnende Sohlerosion und das Absinken der Wasserstände führt langfristig zu einer Veränderung der ökologischen Situation: Verringerung der Artenvielfalt, Verlust an typischen Biotopen, Verlandung von Stillgewässern. Das soll verhindert werden. "Wir wollen den Zustand vor dem Elbehochwasser 2002 wiederherstellen", sagt Gabriel. Mit dem Konzept zur dynamischen Sohlstabilisierung, das u. a. die Zugabe von Geschiebe in den Fluss, die Anpassung von Buhnen und Leitwerken und den Anschluss von Altarmen vorsieht. Damit sollen Erosionstendenzen auf ein nahezu natürliches Mindestmaß reduziert werden. Gabriel verweist darauf, dass die Maßnahmen gemeinsam mit der Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe und dem sächsischen Umweltministerium erarbeitet wurden. Ökologisch bewertet wurden die Gegenmaßnahmen von der Bundesanstalt für Gewässerkunde.

Dörfler kritisiert das Ganze und und sieht im politischen Ziel, die Elbe bis 2010 nahezu ganzjährig schiffbar zu machen, eine Bedrohung der Schutzgebiete an der Elbe. Er orakelt, dass sich der Dresdner Welterbe-Streitfall an der Mittelelbe fortsetzen kann. Deshalb fordert er Bundesverkehrsminister Tiefensee auf, endlich zu handeln "ehe Schäden am Welterbe unumkehrbar geworden sind". Dezernent Gabriel sind keine Schäden bekannt. Und die Maßnahmen gegen die Erosion, betont er, "dienen nicht der Verbesserung der Schifffahrtverhältnisse".

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