Gütertransporte und Wasserbaumassnahmen an Elbe und Saale

Mittwoch, 18. März 2009, 19:50 Uhr

Gütertransporte und Wasserbaumassnahmen an Elbe und Saale

Interview mit Klaus Kautz, Leiter Wasser- und Schifffahrtsamt Dresden

Zur Zeit läuft wieder eine Kampagne der Schifffahrtsgegner von Elbe und Saale in den Medien. Die „Elbe-Saale-Nachrichten“ sprachen dazu mit Klaus Kautz, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Dresden über Gütertransporte, Wasserbaumaßnahmen und andere Themen.

Herr Kautz, in den regionalen Zeitungen in Sachsen-Anhalt sind in den letzten Tagen einige lange Leserbriefe abgedruckt, in denen Wirtschaft, Schifffahrt und Wasserbaumaßnahmen als sinnlos bezeichnet werden.

Kautz: Die Leserbriefe enthalten viele, anscheinend bewusst gewählte  Falschinformationen, unter anderem zum Güteraufkommen und zu wasser-baulichen Maßnahmen an der Elbe. In den Leserbriefen wird zum Beispiel behauptet und mit Bildunterschrift bestärkt, dass auf der Elbe im Jahre 2008 nur 0,7 Millionen Tonnen Güter transportiert worden wären. Dies seien “allgemein bekannte Zahlen”. Diese Behauptung ist falsch. Richtig ist, dass im Jahr 2008 auf gesamten Binnenelbe 9,625 Millionen Tonnen Güter transportiert wurden.

Wieviel Güter wurden auf der Elbe in Sachsen-Anhalt transportiert?

Kautz: Im vorigen Jahr hatten wir mit einer langanhaltenden Niedrigwasserperiode zu kämpfen. Aus diesem Grund wurden 2008 im Bereich der Stadtstrecke Magdeburg nur 718.008 Tonnen Güter transportiert.

Das ist sehr wenig.

Kautz: Das ist sicher eine geringe Menge gegenüber dem gewaltigen Potential, was die Elbe als einziger der Verkehrsträger noch besitzt. Aber diese Menge ist dem Extremereignis des langanhaltenden Niedrigwassers im Jahr 2008 geschuldet. Solche extremen Verhältnisse werden aber mit Sicherheit keine Normalität werden.

Also lohnt sich die Unterhaltung der Buhnen und Deckwerke?

Kautz: Ja natürlich, was für eine Frage! Diese Bauwerke gewährleisten bei normalen Abflussverhältnissen verlässliche Schifffahrtsbedingungen. Sie dienen aber nicht nur der Schifffahrt. Funktionsfähige Buhnen und Deckwerke sichern auch die Ufer- und Hochwasserschutzbauwerke und dienen dem Schutz der Menschen vor Hochwasser und Eis sowie dem Schutz der Bauwerke, wie z.B. Brücken und Versorgungsleitungen im Bereich der Elbe.

Was für Güter werden heute eigentlich auf der Elbe transportiert, sind das nur Massengüter?

Kautz: Nein, das Güteraufkommen auf der Elbe kann man nicht nur unter dem Aspekt des Transportes von Massengütern sehen. Transporte von zum Beispiel Düngemitteln, Metallen und Baustoffen sind wichtig, um unsere völlig überlasteten Straßen von LKW-Verkehren zu entlasten. Der Transport von Gütern auf der Elbe kann aber nicht mehr nur quantitativ betrachtet werden. Das wird der Produktpalette, der Wertschöpfung und der Standortbedeutung der Unternehmen, die das Binnenschiff nutzen, im gesamten Elbeeinzugsgebiet nicht gerecht.

Was für Güter werden sonst noch auf der Elbe transportiert, wie ist die Tendenz bei den Transportzahlen?

Kautz: Nicht nur beim Transport von Containern mit dem Binnenschiff ist in den letzten Jahren eine steigende Tendenz zu verzeichnen. Auf der Elbe werden auch hochwertige, sperrige und übergewichtige Güter transportiert, für die es auf Straße und Schiene keine oder nur eingeschränkte Transportmöglichkeiten gibt. Der Transport solcher Güter bestimmt mit zunehmender Tendenz neben den Massengütern und der Fahrgast-, Kreuz- und Sportschifffahrt die Bedeutung der Elbe als Verkehrsweg. Dazu gehören Transporte von Turbinen, Transformatoren, Generatoren, Kompressoren, Teilen für Windkraftanlagen und Schiffskörpern von Küstenmotorschiffen aus der Tschechischen Republik und Deutschland.

Was für Werte werden mit diesen Gütern transportiert, können Sie Beispiele nennen?

Kautz: Eine 300 t-Turbine hat zum Beispiel einen Warenwert von etwa 3,5 Millionen Euro. 2008 wurden allein über den Hafen Dresden 23 Turbinen als Projektladung per Binnenschiff transportiert, dazu 67 Transformatoren und viele andere Projektladungen. Im öffentlichen Binnenhafen Aken wurden 2008 insgesamt 485 Schiffe (davon 120 Schiffe Großraum- und Projektladung) be- bzw. entladen und dabei ca. 23.000 t Großraum- und Projektladung umgeschlagen. Das mag tonnenmäßig wenig klingen, entspricht aber einem Warenwert von ca. 215 Millionen Euro! Ein weiteres Beispiel: Ein Rumpf für ein Küstenmotorschiff hat einen Versicherungswert von durchschnittlich 1,8 Millionen Euro. 2007 wurden 12 und im Jahr 2008 schon 16 dieser Schiffsrümpfe auf der Elbe von Werften aus der Tschechischen Republik nach Hamburg überführt. Für 2009 liegen uns bis März bereits 18 Anmeldungen vor! Tonnengemäßig werden diese Transporte in der Statistik nicht mit erfasst. Voraussetzung zur Durchführung all dieser Transporte ist eine ordentliche Unterhaltung der Elbe.

Transport des Rumpfes des Küstenmotorschiffes „STANLEYSTAD“ von Decin nach Hamburg auf der Elbe in Dresden – 16 solcher Casco-Transporte aus Werften der Tschechischen Republik nach Hamburg wurden 2008 durchgeführt

Ein Vorwurf der Umweltaktivisten lautet, dass die Unterhaltung von Elbe und Saale eine Subvention und eine Bevorzugung des Verkehrsträgers Wasserstraße ist. Was halten Sie von dieser Aussage?

Kautz: Es wird immer wieder versucht den Eindruck zu erwecken, dass nur die Wasserstraße aus Steuermitteln finanziert wird. Dies ist falsch. In der Bundesverkehrswegeplanung werden alle Verkehrswege, auch Straße und Schiene, mit Steuermitteln unterhalten.

Was halten Sie zu den aktuellen Vorwürfen, dass die Instandsetzungs-maßnahmen der Uferschutzbauwerke versteckte Ausbaumaßnahmen seien?

Kautz: Falschaussagen werden durch ständige Wiederholung nicht wahrer. Richtig ist, dass an der Elbe nur Instandsetzungsmaßnahmen durchgeführt werden. Dies wurde erst Ende 2008 in zwei Verwaltungsgerichtsverfahren wiederum bestätigt. In diesen Verfahren wurden die Klagen des Bundes Um-welt und Naturschutz Deutschland (BUND) gegen Unterhaltungsarbeiten an der Elbe jeweils abgewiesen.

Herr Kautz, wie beachten Sie zukünftige Klimaveränderungen?

Kautz: Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung nimmt eventuelle Veränderun-gen der Abflussverhältnisse der Elbe durch mögliche Klimaveränderungen sehr ernst. Im Rahmen des Projektes KLIWAS werden im Auftrag der Bundesregierung durch den  Deutschem Wetterdienst, das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie, die Bundesanstalt für Gewässerkunde und die Bundesanstalt für Wasserbau die Klimafolgen in Bezug auf Wasserstrassen und Schifffahrt untersucht und Anpassungsstrategien entwickelt.

Die Umweltaktivisten behaupten in ihren jüngsten Angriffen, dass das Argument, das Binnenschiff ist das ökologisch günstigste Verkehrsmittel, ein Märchen sei. Was ist da dran?

Kautz: Diese Aussage ist falsch. Erst 2008 wurde im Bundesverkehrsministerium wieder ein aktueller Vergleich zum verkehrswirtschaftlichen und ökologischen Unterschied der Verkehrsträger Straße, Bahn, Wasserstraße durchgeführt. In allen Kriterien wie Energieverbrauch, Schadstoffemissionen, Verkehrssicherheit und Lärm wurde das Binnenschiff besser eingeschätzt als Güterbahn und LKW! Jeder interessierte Leser kann dieses Ergebnis für sich selber mit einfachen Mitteln bestätigen. Schauen Sie 10 Minuten dem Transport von Gütern mit einem Schiff auf der Elbe, bei der Durchfahrt eines Güterzuges an einer Bahntrasse und mit der Fahrt von LKW’s auf einer Autobahn zu. Sehen, Hören und Riechen Sie was bei diesen Transporten passiert und entscheiden Sie mit Ihren Sinnen.   

Wie schätzen Sie die Kampagne gegen die Wirtschaft, gegen die Schifffahrt und gegen die Instandsetzungsarbeiten an der Elbe und Saale  grundsätzlich ein?  

Kautz: Insgesamt zeigen die Aussagen der Schifffahrtsgegner wenig Sach- und Fachkenntnisse. Sie geben den Bürgerinnen und Bürgern an der Elbe und Saale kein realistisches Bild von diesen beiden Flüssen und Wasserstraßen. Wer der Elbe als internationale Wasserstraße die Möglichkeit als umweltfreundlicher Verkehrsweg abspricht, spricht auch hunderten Unternehmen an der Elbe das Recht auf Wettbewerbsnormalität durch eine funktionierende Infrastruktur ab. Dazu sollte man kluge und gewichtige Gründe haben, auch weil man damit über viele zehntausend Arbeitsplätze und das Wohl der Menschen und ihrer Familien in Deutschland und der Tschechischen Republik richtet. Die Elbe kann kein Öko-Hof sein, in dem einige wenige, rein ökologisch orientierte Menschen ihre alleinigen Interessen durchsetzen.

Wir danken Ihnen für das Gespräch.

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Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

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