Hafen Halle bald kein Hafen ohne Schiffe mehr?

Donnerstag, 23. Oktober 2008, 09:46 Uhr

Hafen Halle bald kein Hafen ohne Schiffe mehr?

Wochenspiegel Halle 22.10.08

Raumordnungsverfahren gab grünes Licht für Bau des Schleusenkanals Tornitz

Halle (sc). Für die Einen ist es unabdingbar für den wirtschaftlichen Aufschwung in unserer Region, für die anderen ist es nicht nur ökologisch arg bedenklich, sondern auch ökonomisch Unsinn: der Ausbau von Saale und Elbe, um die beiden Flüsse ganzjährig schiffbar zu machen. Aufgenommen wurde das Saale-Projekt 1992 aber trotzdem in den Bundesverkehrswegeplan. Das rief sofort die Naturschützer auf den Plan: Der BUND sprach sich damals gegen den Bau einer Saale-Staustufe aus und schlug einen Kanalbau vor, der 2003 eneut in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wurde. Seit 2006 ist das Vorhaben im Investitionsrahmenplan für den Ausbau der Bundeswasserstraßen bis zum Jahre 2010 verankert. Die erste Hürde scheint der geplante Schleusenkanal Tornitz jetzt genommen zu haben: In der vergangenen Woche schloss das Landesverwaltungsamt das Raumordnungsverfahren ab und gab seinerseits grünes Licht für das Vorhaben. Mit so gestärktem Rücken trafen sich am Freitag die Befürworter des Vorhabens in Halle bei der Industrie- und Handelskammer zu einer Fachtagung zum Thema „Transportlogistik - Herausforderung für Mitteldeutschland“. Landesbauminister Karl-Heinz Daehre erklärte, dass man jetzt die erste Hürde in Sachen Saale-Ausbau genommen und endlich eine Chance habe, in die Wasserstraßen des Landes zu investieren. Das nämlich sei - abgesehen von Unterhaltungsmaßnahmen an der Elbe - nach der Wende noch überhaupt nicht passiert, während man in den Ausbau von Straße und Schiene bereits Milliarden gesteckt habe. Den Saale-Ausbau-Gegnern schreibt er ins Stammbuch: „Niemand will die Elbe betonieren, sondern wir wollen die Schiffbarkeit der Saale herstellen.“ Die Wirtschaft scheint das auch zu wollen. Zum Beispiel das Schwenk Zementwerk und die Solvay-Sodawerke in Bernburg. Schwenk-Chef Johann Trenkwalder rechnete am Freitag vor, welchen Vorteil die ganzjährige Schiffbarkeit der Saale für seine Firma hätte. Kommt diese nicht, wäre man vom europäischen Wettbewerb abgehängt, denn in den Nachbarländern gäbe es einen Mehrbedarf an Zement, während er in Deutschland gesunken sei. Im Namen von Solvay sprang gar der stellvertretende Betriebsratschef pro Saaleausbau in die Bresche. 250 000 Tonnen könnte man im Jahr mit dem Schiff abtransportieren. Schließlich bestünde auch die Chance, den Hafen Halle endlich zu einem Hafen mit Schiffen zu machen. Geschäftsführer Dirk Lindemann weiß: „Die Firmen, die sich bei uns angesiedelt haben, brauchen den Schleusenkanal.“ Henrik Täger vom Wasserstraßenneubauamt in Magdeburg erklärte, dass nun die Vorbereitung der Planung ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen wird. In weiteren zwei Jahren könnte man das Planfeststellungsvefahren abschließen. In fünf Jahren könnte der Kanal stehen. Aber das hängt jetzt davon ab, wie die Bundesregierung weiter vorgeht.

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