Hafen Halle: Ferrari als Dienstfahrzeug

Dienstag, 09. Dezember 2008, 19:49 Uhr

Hafen Halle: Ferrari als Dienstfahrzeug

HALLEFORUM. de 9.12.2008

Im Hafen Halle wurden ein neuer Ferrari-Containerstapler sowie neue Stellflächen eingeweiht, Spatenstich für Großinvestition

(ens) Für viele klingt das wie die Erfüllung eines Traum: im Hafen in Halle (Saale) fährt man jetzt Ferrari. 340 PS hat das knallrote Gefährt unter der Haube. Doch zum Angeben auf der Autobahn ist das Mobil eher weniger geeignet und dürfte mit einer Länge von über 8 Meter sowie einer Breite von vier Metern auch so manchen Platz in der Garageneinfahrt sprengen. Stattdessen kommt der Reach-Stacker - ein extrem leistungsfähiger Gabelstapler der Firma CSV Ferrari - ausschließlich zum Containerver- und entladen von und auf LKW und Containerzüge sowie dem Umstapeln zum Einsatz. 40-Fuß-Container mit einem Gewicht bis zu 45 Tonnen - und damit 10 Tonnen mehr als der im Hafen bereits existierende Stapler - kann der 40 Tonnen schwere Riese transportieren. Die Stapelreichweite des gelenkigen Staplers liegt bei drei Reihen, so dass aufwendiges Umladen von davor stehenden Containern entfallen kann. Bis zu einer Höhe von sechs Standard-Containern und fünf High Cube-Containern kann der Reach-Stacker stapeln.

Nötig wurde die Anschaffung vor allem durch den ständig wachsenden Verkehr auf der Schiene, der Containerumschlag hat sich trotz fehlender Schiff seit 2004 auf 45.000 . Mehrere Containerzüge wöchentlich machen sich bereits von Halle aus auf den Weg zu den Überseehäfen Hamburg und Bremerhaven. Dagmar Szabados, Oberbürgermeisterin der Stadt Halle (Saale), Hafen-Chef Dirk Lindemann, Stadtwerke-Geschäftsführer Berthold Müller-Urlaub sowie Staatssekretär André Schröder haben den 475.000 Euro teuren Reach-Stacker mit einem Sektempfang und Banddurchschnitt am Montag offiziell seiner Bestimmung übergeben.

Und auch die Stellflächen im Terminal für den kombinierten Verkehr Straße-Schiene wurden um 12.000 Quadratmeter erweitert. Am Südkai sind so an den vorhandenen Gefahrgutflächen rund 1.250 m² neue Flächen bereitgestellt worden. Daneben entstand am westlichen Ende der Ladestraße eine 70 m breite und bis zu 90 m tiefe Fläche für Gefahrgüter mit besonders hohem Gefährdungspotential. Auch das KV-Terminal wurde um etwa 8.000 m² Fläche vergrößert. Auch 30 neue Plätze für Kühl-Container werden vorgehalten. 14 Flutlichtmasten sorgen für die ausreichende Beleuchtung.

Doch wichtig für die Entwicklung des Hafens sei auch die Schiffbarkeit der Saale. Das Raumordnungsverfahren für den Saale-Seitenkanal bei Tornitz sei abgeschlossen, “der Kanal ist grundsätzlich machbar. erklärte André Schröder, Staatssekretär im Verkehrsministerium. Das Land müsse diesen Prozess nun weiterhin Schröder hob die steigende Umschlagzahl der TEU hervor. Die anwesenden Gäste wusste damit natürlich etwas anzufangen. TEU - Twenty Feet Equivalent Unit - bezeichnet die Standardgröße der Container von 20 Fuß. Der Staatssekretär lieferte damit eine Steilvorlage für die weiteren Redner. Sowohl Oberbürgermeisterin Szabados als auch Stadtwerke-Geschäftsführer Müller-Urlaub wünschten dem Hafen “Teu, Teu, Teu”.

“Der Hafen war lange Zeit unser Sorgenkind”, sagte Szabados. Doch er habe sich, nicht zuletzt dank des Engagements von Hafen-Geschäftsführer Dirk Lindemann, gut entwickelt. “Lindemann ist ein Garant, dass sich der Hafen zum Standortvorteil entwickelt hat.” Sie sei überzeugt, dass Halle auch weiterhin im Logistiksegment erfolgreich ist, so das Stadtoberhaupt. “Halle spielt, wenn es um die Verbesserung der Logistik geht eine wichtige Rolle.” Müller-Urlaub ging kurz auf die Berichterstattung der Medien ein, die lange Zeit vergebliche Schiffe im Hafen suchten. “Wir können politisch Entscheidungen nicht beeinflussen”, verteidigt er den Ausbau des Hafens in den letzten Jahren. 31 Mio. Euro waren investiert worden, dies hatte der Landesrechnungshof vor zweieinhalb Jahren moniert und der Stadt Halle Steuergeldverschwendung vorgeworfen. Doch im Hafen hofft man weiterhin auf einen Ausbau der Saale. Bis dahin gilt für Müller-Urlaub: das beste aus der Situation machen.

Geschaffen wurden mit dem jetzigen Ausbau auch die Voraussetzungen für die Ansiedlung weiterer Firmen. Die waren bereits in der Vergangenheit im Bioenergie-Sektor vorgesehen, wegen der Steuererhöhung bei Biodiesel und dem damit einhergehenden Nachfragerückgang aber wieder abgeblasen worden. Am 2. Februar nächsten Jahres aber wird mit einem ersten Spatenstich eine Millionenschwere Neuansiedlung gefeiert. Ein Investor aus Österreich, er war am Montag zur Einweihung von Stapler und Stellfläche auch anwesend, will hier eine Fabrik zur Verwertung von Altreifen bauen. 50 Mio. Euro werden investiert. Fotos von der Einweihung und dem Hafengelände finden Sie im HalleForum.

Galerien

Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

Aktuelles

Neuigkeiten per RSS Button

Saaleinfo Newsletter

Redaktion © VHdS e.V.
Grafik, Layout © 2005-2018 atnexxt – Agentur für Design und E-Business, Webdesign in Halle (Saale)