Halles fehlende Saale-Anbindung

Donnerstag, 06. November 2008, 10:31 Uhr

Halles fehlende Saale-Anbindung

FAZ 5.Nov. 2008

Zu „Tornitz -Es kommt kein Schiff geladen“ (FAZ vom 21. Oktober): Der 7,5 km lange Elbe – Saale - Kanal wurde von den Grünen gefordert, weil eine sechste Staustufe bei Kleinrosenburg das anliegende Naturschutzgebiet eventuell beeinträchtigt hätte. Vorgeschlagene Lösungen zur Vermeidung von Auswirkungen wurden vehement bekämpft.

Heute sind die Grünen erbitterte Gegner ihres eigenen Vorschlages. Zu der Problematik muss man wissen, dass in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit der Festlegung der Trasse des Mittellandkanals mit Querung der Elbe nördlich von Magdeburg ein Südflügel konzipiert wurde, welcher über Elbe, Saale und einen Kanal bis Leipzig führen sollte, um das mitteldeutsche Industriegebiet für das 1000 t – Schiff (Europaschiff 85 x 9,5 m) erreichbar zu machen.

Bis Halle waren sechs Schleusen in den Abmessungen von 103 m Länge, 20 m Breite/12 m Torweiten vorgesehen. Fünf Schleusen an seit Jahrhunderten bestehenden Staustufen für die Energiegewinnung (Mühlen und Papierwerke) und die Schifffahrt  sind in den 30er Jahren gebaut worden. Der 2. Weltkrieg führte zum Abbruch, eine der fünf Schleusen wurde erst von der Wasserstraßenverwaltung der DDR vollendet. Die 6. Staustufe (Wehr und Schleuse) im Abschnitt von Calbe bis zur Mündung in die Elbe wurde kriegsbedingt nicht angefangen.

  Im Bundesverkehrswegeplan von 1992 wurde der Ausbau der Saale bis zum Hafen Halle/Trotha als vordringlicher Bedarf festgeschrieben. Darauf vertrauend hat das Land Sachsen-Anhalt den Hafen Halle unter erheblichem Aufwand ausgebaut. Bedeutende Investoren haben mit Sicht auf die baldige Anbindung der Saale an das europäische Wasserstraßennetz im Raum Halle/Merseburg/Leipzig, aber auch in Bernburg Werke übernommen, modernisiert und neu errichtet. Tausende Arbeitsplätze entstanden, aber die Schifffahrt ist auf der Saale noch immer behindert. In der sehr engen und windungsreichen Eingangsstrecke von der Elbe her sind  nur 90, teilweise 80 cm Fahrrinnentiefe über Felsgrund vorhanden, selbst flachgehende Schubverbände können dann nicht verkehren.

Somit arbeitet der trimodale Hafen Halle derzeit nur mit Eisenbahn und LKW, wobei u.A. regelmäßige Container-Ganzzugverkehre nach Hamburg und Bremerhaven laufen. 

Die Elbe hat natürlich nicht 1,40 m Wasser im Durchschnitt. Vielmehr soll bis zu Jahr 2010 - wie vor dem Hochwasser 2002 - eine Mindestfahrrinnentiefe von 1,60 m garantiert werden, welche statistisch an 20 Tagen im Jahr unterschritten, an den übrigen Tagen erreicht oder überschritten wird. Das bedeutet, dass an der Hälfte der Tage sogar 2,50 m und mehr Fahrrinnentiefe vorhanden sein wird. Die lange Zeit der Wiederherstellung ist auch einem zweijährigen Baustopp der rot-grünen Regierung  zuzurechnen, aus der irrigen Meinung resultierend, das Elbehochwasser sei auf Ufersicherungs- und Buhnenbauten zurückzuführen.

  Der Seitenkanal soll den Schiffen die Weiterfahrt nach Halle mit den gesicherten Fahrwassertiefen zwischen Calbe und Halle ermöglichen. Um den Landverbrauch zu minimieren, wurde eine schmale, einschiffige Lösung gewählt. Dabei ist ein bestimmtes Verhältnis von wasserführendem Kanalquerschnitt zum Querschnitt des eingetauchten Schiffes erforderlich. Unterschreitungen führen zu Schäden an den Uferbefestigungen und der Kanalsole, gleichzeitig wird mehr Treibstoff benötigt. Deshalb ist die Wassertiefe von drei m gewählt worden. Schiffe können dann ein halbes Jahr mit der vollen Abladung auf der Elbe weiterfahren, in der übrigen Zeit mit reduzierter Abladetiefe deutlich besser als heute.

Da die Schifffahrt nach wie vor der umweltfreundlichste Verkehrsträger ist (nur elektro-getriebene Züge erzeugen weniger CO2 wird der Protest der Umweltverbände und der Grünen gegen die Schifffahrt immer unverständlicher. Der erwartete Anstieg der Transporte in Europa kann nur von allen Verkehrsträgern gemeinsam geschultert werden.

INGO KLINDER, MAGDEBURG

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