Hansestadt am Saaleufer

Dienstag, 11. März 2008, 07:56 Uhr

Hansestadt am Saaleufer

GESCHICHTE UND GEGENWART

MZ, 01.03.2008, VON IRIS STEIN

Seit mehr als 1 000 Jahren wird auf der Saale Schifffahrt betrieben. Die Stadt Halle gehörte sogar einmal zur Hanse. Salz und Holz brachten den Ausbau des Flusses einst voran.

Masten von Segelschiffen und im Hintergrund die Silhouette von Halle mit ihren bekannten Türmen - ist die Fantasie mit dem Maler Caspar David Friedrich durchgegangen oder hat es eine solche Ansicht tatsächlich einmal gegeben? Um es kurz zu machen: Friedrich hatte nicht zu viel Fantasie. Der Verlauf der Saale und ihrer Arme im Stadtgebiet und deren Nutzung als Wasserstraßen waren einst so, dass dieses Bild reale Verhältnisse widerspiegeln könnte. Lediglich mit der Zahl der Masten hat es der Maler vielleicht etwas zu gut gemeint.

Dass dieses Bild heute so unwahrscheinlich anmutet, liegt wohl daran, dass die Saale im Laufe der Zeit aus der Stadt herausgedrängt wurde - so jedenfalls sieht es der Geograf Bruno Tauché aus Halle, der sich seit Jahren um die städtebauliche Einbindung der Saale in die hallesche Stadtplanung bemüht und deshalb den Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt unterstützt. Gerbersaale und Mühlgraben, meint der Experte, ermöglichten es vor rund 200 Jahren, dass Caspar David Friedrich diesen Anblick so gesehen haben könnte, auch wenn das Bild nicht in Halle entstanden ist, sondern erst nach dem Aufenthalt des Malers in der Saalestadt. Heute fließe die Saale eher um Halle herum, so Tauché.

Die Schifffahrt auf der Saale ist jedoch noch sehr viel älter als von Friedrich auf seinem berühmten Bild dokumentiert, dafür hat der Schifffahrts-Verein zahlreiche Zeugnisse gefunden. Bereits aus dem Jahr 981 datiert die erste urkundliche Erwähnung. Seinerzeit wurde die Leiche des Erzbischofs Adalbert auf Saale und Elbe von Halle nach Magdeburg gebracht. Auch aus dem Jahr 1152 gibt es einen Beleg: Von diesem Jahr an wurde dem Kloster Neuwerk in Halle gestattet, Salz talwärts zu schiffen und auf dem Rückweg Holz mitzubringen. Und schon aus dem Jahr 1172 findet sich die erste Erwähnung einer Schleuse.

Doch Bruno Tauché kann mit noch mehr überraschenden Fakten aufwarten. Zum Beispiel damit, dass Halle einst sogar Hansestadt war, von 1281 bis 1479 nämlich. Oder dass es Regulierungsversuche bei Weißenfels und Naumburg schon in den Jahren 1791 bis 1799 gab, um die Saale besser schiffbar zu machen. Offensichtlich hingen die Salzproduktion in Halle und der Schiffsverkehr auf dem Fluss zusammen. Von Kammerschleusen wird berichtet, die zwischen 1559 und 1564 in Calbe, Bernburg und Alsleben entstanden, und die Verschiffung von Salz und Holz für zahlreiche Flussanlieger ermöglichten.

Doch im Laufe der Jahrhunderte gab es auch immer wieder Zeiten, in denen die Schifffahrt in den Hintergrund gedrängt wurde. Beispielsweise während des 30-jährigen Krieges von 1618 bis 1648 als sie völlig zum Erliegen kam. 1651 dann bemühte sich der Administrator Augustus von Sachsen-Weißenfels darum, die Schifffahrt wieder in Gang zu setzen, um Salz, Kalkstein, Kohle und Getreide zu transportieren. Im Krieg waren Schleusen verfallen und mussten wieder instand gesetzt werden. Folgerichtig gab es von 1694 bis 1698 einen massiven Ausbau des Schleusensystems. Vorhandene wurden modernisiert und vergrößert, neue kamen hinzu, so in Rothenburg, Wettin, Trotha und Gimritz.

Von da an ging es auch mit der Schifffahrt wieder aufwärts: Bis 1812 war die Saaleschifffahrt an die Rothenburger Bergwerksgesellschaft und andere Konsortien verpachtet. Transportiert wurden Salz, Kalkstein, Kohle, Holz und Mühlsteine.

Die Regulierung der Saale, bis heute ein heiß umstrittenes Thema, hat übrigens eine lange Geschichte. Schon von 1817 bis 1822 wurden entsprechende Ausbauten bis Weißenfels vorgenommen. Der preußische Staat beförderte das in den königlichen Salinen gewonnene Salz seinerzeit mit etwa 50 bis 60 eigenen Kontorkähnen. Das Frachtaufkommen war im 19. Jahrhundert so hoch, dass schließlich der Sophienhafen als erster Saalehafen in Halle im Jahr 1854 in Betrieb ging. Noch heute erinnert der Straßenname Hafenstraße in der Nähe des geschlossenen Karstadt-Kaufhauses an seinen Standort.

Seit 1910 gab es sogar eine ständige Eilverbindung auf den Wasserstraßen von Halle bis nach Berlin. 1929 eröffnete mit dem Hafen Halle-Trotha der größte Umschlagplatz an der Saale. Kurz darauf wurde sogar geplant, die Saale für 1000-Tonnen-Schiffe auszubauen, doch dazu kam es durch den Zweiten Weltkrieg nicht mehr.

Sollte der 1 000-jährigen Geschichte der Saaleschifffahrt noch einmal ein erfolgreiches Kapitel hinzugefügt werden, ist nach Meinung von Fachleuten ein Kanal von 7,5 Kilometern Länge erforderlich, der eine Verbindung zwischen Flusskilometer zwei und Flusskilometer 17,5 herstellt. Ein solcher Kanal ist eine Alternative zum Ausbau der Saale und lässt diese in ihren Mäandern weiter dahintreiben.

HISTORISCHES

Vereine unterstützen Schifffahrt

Von 1826 datiert der erste Beleg für einen Verein um die Schifffahrt. Zwölf Kaufleute schlossen sich in Halle zum "Comitee zur Beförderung der Halleschen Schifffahrt" zusammen, die die Stadt zu einem Umschlagplatz für den Güterverkehr machen wollten.

1894 kam es zur Gründung des "Vereins zur Hebung der wirtschaftlichen Lage der Schiffahrt". Er gilt als Keimzelle der heutigen Handelskammer Halle-Dessau.

Im März 1996 gründete sich der Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt, Vorsitzender Manfred Sprinzek, der sich die Wiederbelebung der Binnenschifffahrt zur Aufgabe gemacht hat. Die Mitglieder haben sich intensiv mit der Geschichte des Flusses und der Schifffahrt beschäftigt und dazu zahlreiche Zeugnisse zusammengetragen.
 
 
 
 


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Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

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