Heißer Disput um den Hafen

Donnerstag, 14. September 2006, 18:15 Uhr

Heißer Disput um den Hafen

Umweltschützer: Fördergelder verschwendet MZ von Michael Tempel

Halle/MZ. Mit einer Gruppe polnischer Verwaltungsmitarbeiter hat der World Wide Fund for Nature - WWF - den Hafen besucht. "Der Ausbau des Hafens ist eine Fehlinvestition. Das Schlimme ist, dass das niemand zugeben will und so weitere Fehlinvestitionen drohen", sagte der zur Besichtigung eingeladene Fluss-Experte der Umweltschutzorganisation BUND, Paul Dörfler.

EU, Bund und Land haben zu gleichen Teilen in den Hafen investiert. Aber die Saale ist nur sehr begrenzt schiffbar. Nach dem Willen der Landesregierung sowie von Fluss-Anrainern soll dieses Problem durch den Bau eines Seitenkanals nahe der Mündung in die Elbe beseitigt werden. "So werden aber auch nicht mehr Schiffe in Halle anlegen, weil sie über die Elbe müssen, und der Fluss verfügt ebenso nicht über genügend Tiefgang", meinte Dörfler.

Milliarden-Hilfe

Anlass für die Exkursion des WWF mit den Gästen aus Polen: Das noch junge EU-Land soll bis 2013 insgesamt 60 Milliarden Euro an Fördermitteln für die Modernisierung der Infrastruktur erhalten. Der WWF setzt sich dafür ein, dass Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit beim Einsatz der Mittel stärker berücksichtigt werden. "Wir wollen eine größere Nachhaltigkeit erreichen", sagte WWF-Aktivist Peter Torkler. Dafür sollen die Erfahrungen beim Einsatz von EU-Geldern in Ostdeutschland genutzt werden. Neben Exkursionen bietet der WWF auch Bücher und Tagungen an. Das Projekt wird vom Bundes-Umweltministerium unterstützt.

Terminlich verhindert

Verfechter einer intensiveren Fluss-Schifffahrt waren bei dem Besuch der Polen nicht anwesend - wie es hieß, aus Termingründen bzw. wegen fehlender Information.

Auf MZ-Nachfrage widersprachen Hafenchef Dirk Lindemann und Manfred Sprinzek vom Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt Dörflers Prognosen ganz entschieden. "Wir hoffen weiter auf den Saale-Kanal. Zudem wird an der Elbe zurzeit der Zustand vor dem Hochwasser 2002 wieder hergestellt", sagte Lindemann. Somit werde eine Mindesttiefe von 1,60 Meter gewährleistet, die für die Schifffahrt ausreiche. "Durch die EU-Erweiterung nimmt der Güterverkehr um 65 Prozent zu. Die Straßen würden hoffnungslos überlastet, wenn man nicht auf die Flüsse ausweichen würde" meinte Sprinzek.

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