Hüttensand als Probeladung

Donnerstag, 15. März 2007, 18:37 Uhr

Hüttensand als Probeladung

Schwenk Zement in Bernburg demonstriert Nutzung der Saale als Transportweg

MZ BEB Donnerstag, 15. März 2007, von Matthias Bartl

Nienburg/MZ.

Das MS „Poseidon“, tschechische Flagge am Heck, das mit leichter Verspätung am Kornhaus bei Nienburg festmacht, hat mal eben auf einen Ruck 800 Tonnen Hüttensand im Bauch. „32 Lkw“, wie Marian Haft schnell ausrechnet. Die Demonstration funktioniert: „Wir wollen zeigen, dass wir als Firma großes Interesse daran haben, die Saale für den Massengütertransport zu ertüchtigen“, sagt Haft. Der Herstellungsort Salzgitter liege direkt am Wasser, Schwenk in Bernburg ebenfalls. „Das ist so umweltverträglicher und auch ökonomischer“, weiß Haft.  

Marian Haft ist bei Schwenk für Rohstoffsicherung und Umweltfragen zuständig.

Der den Bogen der Möglichkeiten noch weiter spannt. Es gehe nicht nur um Hüttensand, sondern auch um andere Rohstoffe wie etwa Eisenoxid und um Endprodukte: Schwenk liefert in diesem Jahr 300 000 Tonnen Klinker bis nach Haldensleben. Dort werden die Steine aus dem Lkw aufs Schiff verladen und dann über den Mittellandkanal weiter 12 000 Lkw-Fahrten insparen.“

Wenn man denn die Saale als verlässlichen Partner hätte. Und die Elbe. Denn die Unwägbarkeiten, die mit dem Wasserstand in den Flüssen verbunden sind, stehen der Planungssicherheit kontraproduktiv gegenüber. Schwenk setzt auf den 7,5 Kilometer langen Kanal, der die Saale bei Calbe mit der Elbe verbinden soll und für den momentan die Vorbereitungen für das Raumordnungsverfahren laufen. Im Optimalfall könnten Schwenk und andere Saale-Anlieger noch vor  2015 auf diese Weise ans Europäische Wasserstraßennetz andocken.

Das Potenzial, von dem die Wirtschaft redet, sind vier Millionen Tonnen Güter pro Jahr, die dann auf der Saale transportiert werden könnten. Freilich: Die Saale ist nur das eine. Wie man auf der Elbe weiterkommt, ist unklar. Wenigstens am Magdeburger Domfelsen - Nadelöhr der Elbe-Binnenschifffahrt schlechthin - müsse noch etwas passieren, meint Haft. Mit Vorsicht in der Stimme. Denn natürlich weiß der Schwenk-Mann, dass Arbeiten an Saale und Elbe bei Umwelt-und Naturschützern, gelinde gesagt, stark umstritten sind. Auch deshalb hat man die demonstrative „Probeverladung“ am Kornhaus durchgeführt.

Kurz vor Mittag ist der Zeitverzug nicht mehr vermeidbar:„Das Schiff liegt noch bei Trabitz“, sagt Marian Haft. Die Strömung sei zu stark, nun müsse man sich mit einem „Vorspann“ behelfen. Haft, bei Schwenk Zement in Bernburg zuständig für Rohstoffsicherung und Umweltfragen, wirkt gelassen, trotz innerer Anspannung. Immerhin geht es um eine Premiere. Mehr noch: Um eine Demonstration. Per Binnenschiff statt wie üblich mit dem Lkw lässt sich Schwenk an diesem Mittwoch so genannten Hüttensand liefern. Was im Fachchinesisch als granulierte Hochofenschlacke firmiert, kommt aus Salzgitter, rollt normaler Weise auf der Straße bis ins Bernburger Werk. Da geht es um Größenordnungen. Schwenk, so Werkleiter Uwe Müller, benötigt in diesem Jahr rund 300 000 Tonnen des Granulats, das als Zumahlstoff für die Zementherstellung verarbeitet wird. Das entspricht etwa 1400 Lastkraftwagen. Angesichts der Klimadebatte und der Belastung der Autobahnen „ein Unding“.Kommentar

 

Galerien

Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

Aktuelles

Neuigkeiten per RSS Button

Saaleinfo Newsletter

Redaktion © VHdS e.V.
Grafik, Layout © 2005-2018 atnexxt – Agentur für Design und E-Business, Webdesign in Halle (Saale)