Informationsbesuch an der Saale

Sonntag, 15. Februar 2009, 16:51 Uhr

Informationsbesuch an der Saale

Saalebereisung MDir. Bernd Törkel mit Fachkompetenz aus Politik und Wirtschaft

Einem Informationsbesuch an der Saale machte der Abteilungsleiter Wasserstraßen, Schifffahrt im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung Herr MDir. Bernd Törkel am 9. und 10. Februar 2009.

Er informierte sich „vor Ort“ über das im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes 2003 befindliche Projekt  „Ausbau der Saale – Mündungsstrecke mit einem Schleusenkanal bei Tornitz ohne Wehr“. Das Landesverwaltungsamt in Halle hatte im Oktober 2008 nach sechsmonatiger Prüfung in einem Raumordnungsverfahren die Umsetzbarkeit des Projekts bestätigt.

Am Gespräch im landesbedeutsamen Halle (Saale) zu dessen Rolle innerhalb des von der Stadt- und Landesverwaltung vorangetriebenen Logistikzentrums Halle-Trotha beteiligten sich u. a. Vertreter der Stadt Halle, der Wirtschaft aus der Chemieregion und der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau. Der Präsident des Vereins zur Hebung der Saaleschifffahrt (VHdS) Manfred Sprinzek informierte die Gäste zu den Vereinsaktivitäten im Interesse der unverzüglichen Realisierung des in den Bundesverkehrswegeplänen 1992 und 2003 aufgenommenen Saale-Ausbauvorhabens. Übereinstimmend brachten die Anwesenden die Notwendigkeit komplexer Maßnahmen der Verkehrsinfrastruktur mit der Binnenschifffahrt zur Bewältigung künftiger Güterverkehrsanforderungen in der Region Mitteldeutschland mit den Zentren Halle und Leipzig zum Ausdruck. Die Wirtschaft benötige durch den immensen Wettbewerbsdruck auf den nationalen und internationalen Märkten mehr denn je Chancengleichheit sowie Planbarkeit und Zuverlässigkeit beim kostengünstigen Versand und Empfang der Transportgüter. Der hallesche Hafen konnte 2008 insgesamt 45.642 Standardcontainer im kombinierten Verkehr Schiene / Straße auf den Weg bringen, was einer Steigerung um 26,3 % zum Vorjahr entspricht. Die Ansiedlung weiterer schiffsaffiner Unternehmen im großflächigen Hafenareal erfolgt ab Mai dieses Jahres.

Die Besichtigung der SCHWENK Zement KG in Bernburg verdeutlichte mit der unmittelbaren Lage an der Saale die guten Voraussetzungen für den Schiffstransport, was ebenso für die am gegenüberliegenden Saaleufer befindlichen Solvay Chemicals GmbH, Werk Bernburg und esco-european salt company GmbH & Co. KG, Werk Bernburg, zutrifft.

Die Unternehmen gehören zu den modernsten Produktionsstätten Europas mit großer überregionaler Bedeutung und den größten Arbeitgebern der Stadt Bernburg (Saale). Sie verfügen an ihren Standorten in Bernburg über direkte Rohstoffvorkommen für die Zement-, Soda- und Salzproduktion für einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren.   Bis zu 600.000 Tonnen würde allein SCHWENK jährlich über den vollständig hergerichteten Saaleschifffahrtsweg transportieren. Bei Solvay wären es beim Schiffsversand 250.000 Tonnen Soda und im Empfang alternativ zur kostenintensiven Eisenbahn pro Jahr 50.000 Tonnen Koks aus Polen. Salze könnten von esco jährlich bis zu 250.000 Tonnen per Schiff abgefertigt werden.

Insgesamt umfasst das Transportaufkommen für die Saale durch vorliegende belastbare Unternehmensaussagen aktuell 2.300.000 Jahrestonnen.

Die Bereisung auf der unteren Saale führte von der Schleuse Bernburg über Calbe bis in den Mündungsbereich der Saale bei Barby in die Elbe. Die wie in Wettin, Rothenburg und Alsleben modernisierten Schleusen Bernburg und Calbe lassen den Einsatz von Schiffen mit bis zu 1000 Tonnen Ladung und den 2-lagigen Containerverkehr zu. Die Saale hatte am Bereisungstag (10.02.2009) im Bereich des geplanten Schleusenkanals eine Fahrrinnentiefe von nur 1,50 Meter, die inzwischen auf den Zustand vor dem Augusthochwasser des Jahres 2002 hergerichtete Elbestrecke 5 von Barby bis zum Wasserstraßenkreuz Magdeburg dagegen 1,81 Meter. Die vorhandenen Engpässe im Unterlauf der Saale bei Trabitz und Rosenburg waren für die Bereisungsteilnehmer augenscheinlich.

Mit dem Schleusenkanal von etwa 8 Kilometern Länge würden die Binnenschifffahrt mit stabilen Fahrrinnenverhältnissen und auch der Tourismus mit erheblichen Gestaltungspotenzialen auf dem rund 15 Kilometer langen vom Bundes- in ein Landesgewässer entwidmeten Flussabschnitt profitieren.

Der Landrat des Salzlandkreises, die Werkleiter aus Bernburg, der für alle Betriebsräte sprechende Vorsitzende von esco sowie der zuständige Referatsleiter des Ministeriums für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt sowie der Präsident des VHdS richteten mit Nachdruck die Bitte an Herrn Törkel und den Präsidenten der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost, in der Politik und Verwaltung unverzüglich für die Einleitung des Planungs- und Entscheidungsprozesses zugunsten des Schleusenkanals Tornitz zu sorgen.

 Herr Törkel bedankte sich für das Engagement insbesondere des VHdS zur Vollendung des Saaleausbaus. Gleichwohl richtete er sein Augenmerk auf das jetzt notwendige Miteinander von Bundes- und Landespolitik, die weitere Rolle der Wirtschaftsunternehmen sowie der Industrie- und Handelskammern des Landes und den gedeihlichen Abstimmungsprozess mit den Umwelt- und Naturschutzverbänden.

Das Bundesverkehrsministerium erwartet demnächst von der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost die Stellungnahme zu den Maßgaben des Landesverwaltungsamtes Halle (Saale) im Ergebnis des abgeschlossenen Raumordnungsverfahrens. In die dann folgende Beurteilung des Bundesverkehrsministeriums werden vor allem Aspekte wie die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens, die Relevanz zur Ökologie und die Bedeutung des Klimawandels für die deutschen Wasserstraßen einfließen.
Im Vorfeld der Einleitung des Planfeststellungsverfahrens mit integrierter Umweltverträglichkeitsprüfung zum Bau des Schleusenkanals Tornitz wird sich zu gegebener Zeit die Bundesregierung mit der Landesregierung von Sachsen-Anhalt in Verbindung setzen.

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