Informationsveranstaltung über den Bau des Saalekanals am 15. Mai 2008 in Werkleitz

Samstag, 17. Mai 2008, 23:01 Uhr

Informationsveranstaltung über den Bau des Saalekanals am 15. Mai 2008 in Werkleitz

Informationen zum ROV Saaleausbau

Informationsveranstaltung in Werkleitz am 15. Mai 2008 zum Bau des Saalekanals

Werkleitz - Für den 15. Mai 2008 hatte die Bürgermeisterin der Gemeinde Tornitz, Werkleitz und Grube Alfred, Regina Grube, zu einer fachlichen Informationsveranstaltung zum Bau des Saalekanals eingeladen.
Als Gesprächspartner standen neben dem Leiter des Wasserstraßenneubauamtes Magdeburg, Henrik Täger , Vertreter der Bundesanstalt für Wasserbau, der Bundesanstalt für Gewässerkunde, des Ing. Büros Trioops sowie aus Politik und Wirtschaft, darunter vom Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt zur Verfügung.
Das Verkehrsministerium Magdeburg hatte trotz Anfrage keinen Vertreter entsandt, was von Bürgermeisterin Grube kritisiert wurde.
Der Saal neben der Feuerwehr in Werkleitz war gut besucht. An der Sorgfältigkeit der eingereichten Unterlagen zum Raumordnungsverfahren (ROV), das am 10. März 2008 eröffnet wurde, hatten die Bürger keinen Zweifel.

Der Leiter des Wasserstraßenneubauamtes, Henrik Täger, erläuterte die wirtschaftlichen Entscheidungen zum Saaleausbau und die fachlich erstellten Gutachten seiner Bundesbehörde zum jetzt laufenden ROV.
Er erläuterte in seinem Vortrag, dass die Wirtschaftlichkeit des Kanals gegeben ist, was in einem Gutachten von PLANCO nachgewiesen wurde. Bei einer Investition von 1 Euro käme man auf einen Gewinn von 2,3 Euro.
Er ließ keinen Zweifel an der Schiffbarkeit der Elbe - im Gegensatz zum BUND. Der Ausbau der Saale betrifft die Elbstrecke 5, wo man von der Elbe in die Saale wechselt. "Auf dieser Strecke ist an 340 Tagen im Jahr die Elbe tiefer als 1,60 Meter. 2007 wurde an nur 22 Tagen die 1,60 Meter für den Schiffsverkehr unterschritten."

Bürgermeisterin Regina Grube ließ keinen Zweifel daran, dass man in der Gemeinde die einst angestrebte Variante, den Bau der Staufstufe bei Klein Rosenburg, begrüßt hätte. "Jetzt bleibt die Untere Saale naturbelassen und wird zur Spielwiese für die Grünen und wir haben Probleme mit dem Kanalbau", so Grube.

Dank der guten Leitung durch die Bürgermeisterin fand die Veranstaltung im Saal Werkleitz in einer sachlichen Atmosphäre statt.

In erster Linie wollte man einen fachlichen Rat, wie man mit den Ängsten, die sich mit dem Bau des Saalekanals einstellen würden, umgehen solle. Da waren Fragen nach der Wertminderung der Grundstücke und Häuser, nach der Sicherheit, Verstärkung oder Erneuerung der bestehenden Deiche und ob die Gemeinde von einer erhöhten Hochwassergefahr und steigendem Grundwasser ausgehen müsse.
Bürgermeisterin Grube riet den Bürgern, Fotos von ihren Häusern vor dem Bau des Kanals - sollte er tatsächlich kommen - zu machen, um eventuell auftretende Schäden geltend machen zu können.

 

Heidi Kralik aus Tornitz wurde beim Schauen einer Fernsehsendung bewußt, dass der Kanal kommen wird auf Grund der Überlastung der Straßen. Ihre Bedenken: Wird auch alles getan, das die Lebens- und Wohnqualität der Bürger der Gemeinde sich nicht verschlechtern wird, in der vollgelaufene Keller keine Seltenheit sind. "Wir liegen an einer Wetterscheide", mahnte sie.

Herr Dr. H.J. Lensing von der Bundesanstalt für Wasserbau beantwortete die Frage nach der Hochwasserfrage. Es würde weder eine Verschlechterung noch eine Verbesserung geben.
Vor drei Jahren hatte man bereits über dieses Thema diskutiert und ist der Forderung der besorgten Bürger nachgekommen, die Planung eines neuen Vorflutgrabens in das ROV aufzunehmen. Damit würde sich eine Verbesserung der Hochwassersituation ergeben. Das bestehende System stammt aus dem vorigen Jahrhundert und sei den Anforderungen nicht mehr gewachsen. Die Frage nach der Sicherheit, Verstärkung oder Erneuerung der bestehenden Deiche, so Lensing, fällt in den Zuständigkeitsbereich des Landes und nicht des Bundes.

Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit des Bauvorhabens beantworteten vom Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt Vertreter der Unternehmen Schwenk Zement und Solvay aus Bernburg.

Bärbel Koch, Betriebsrätin bei Solvay, berichtete, dass 420 Menschen bei Solvay arbeiten. Dazu kommen 500 Mitarbeiter von Partnerfirmen. "Wir produzieren 600.000 Tonnen Soda im Jahr. Wir nutzen den Straßentransport und die Schiene, aber bei der Bahn gibt es schon mal Probleme. Vor drei Jahren wurde die Rechnung aufgemacht, dass wir bei 250.000 Tonnen möglichen Transporten per Binnenschiff 10,00 Euro pro Tonne Transportkosten einsparen können.
Andere Solvay-Werke liegen am Rhein, Main, Neckar und am Schwarzen Meer in Bulgarien. Auch wir stehen in Konkurenz mit unseren Schwesterbetrieben un ddie Kosten entscheiden über die Produktionsauftragsvergabe. Die Kosteneinsparungen mit den umweltfreundlichen Schiffstransporten helfen uns, Arbeitsplätze zu sichern. Meine Aufgabe sehe ich im Erhalt unserer Arbeitsplätze und deshalb stehe ich auch als Betriebsrat hier, um die Notwendigkeit der Nutzung der Saale zu bekräftigen. Meine Kollegen erwarten das von mir. Trotz allem kann ich auch ihre Sorgen und Ängste verstehen."

Marian Haft von Schwenk Zement erklärte zur Wirtschaftlichkeit des Kanalbaus, dass die Transportkosten der in Bernburg produzierten Güter immer höher werden. "Die Bahn hat die Kosten für den Transport einer Tonne um 50 Prozent erhöht. Wir haben 2007 einen Test mit einem mit 800 Tonnen beladenen Schiff auf der Unteren Saale gemacht, aber das Schiff ist am Trabitzer Felsen hängen geblieben." 150.000 Tonnen Hüttensand im Jahr transportiere man derzeit von Salzgitter nach Bernburg für die Herstellung von Klinkersteinen per LKW. Allein das wären im Jahr 150 Schiffsladungen, die den Straßenverkehr entlasten würden. Dazu kommen noch 400.000 Tonnen Zement und Zementklinker, 15.000 Tonnen Eisenoxid und 50.000 Tonnen Klärschlamm. Das würde täglich mehr als ein Binnenschiff ergeben. Eine Stabilisierung der Zementproduktion und ein Ausbau der Exportmengen ist für das Unternehmen nur dann möglich, wenn der Transport von den Massengütern Zement und Zementklinker kostensparend durch den Einsatz von Binnenschiffen erfolge, die den Standort direkt erreichen können.

Bürgermeisterin Grube faßte am Ende der Diskussion zusammen: "Wir brauchen keinen Bürgerinitiative gegen den Kanal." Vielmehr wolle man mit den Behörden und Ämtern konstruktiv und ergänzend zusammenarbeiten, um für die Bewohner des betroffenen Gebietes das Beste aus der zukünftigen Situation zu machen. Insbesondere hinsichtlich der Lebens- und Wohnqualität und des Tourismus.

 

 

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