Ingo Klinder klärt Unwahrheiten auf

Freitag, 05. August 2005, 11:51 Uhr

Ingo Klinder klärt Unwahrheiten auf

Lesebrief an "Volksstimme"

Mittel für den Naturschutz und für Tourismusprojekte einsetzen

Herr Reinhardt Schneider aus Dessau hat in seiner Zuschrift, welche am 29. Juli 2005 als Leserbrief abgedruckt war, die von den selbsternannten Umweltschützern immer wieder benutzten Unwahrheiten verwendet:

  • Die Saale soll den gültigen Ausbaunormen für das Europaschiff genügen. Das ist aber nicht 110 m, sondern 80 – 86 m lang. Von den nötigen 6 Schleusen bis Halle sind bereits 5 in den 30iger Jahren begonnen und heute fertiggestellt. Diese 5 Schleusen wurden mit erheblichem Aufwand überholt und den neuen technischen Bedingungen angepasst. Kriegsbedingt ist der 6. Schleuse bei Kleinrosenburg nicht in Angriff genommen worden. Damit entspricht der Mündungsbereich der Saale zwischen Calbe und der Elbe nicht den damals angestrebten Bedingungen, welche heute noch für das Europaschiff im teilweise eingeschränktem Begegnungsverkehr ausreichen würden. Der BUND und andere Umweltschützer hatten verlangt, diese Staustufe nicht in die Saale zu bauen, sondern forderten eine Kanallösung. Nachdem nun ein Seitenkanal ohne Stauwehr in der Saale untersucht wird, ist das auch wieder nicht richtig.
  • Die geplante Gewässerbreite ist offensichtlich aus dem Mittellandkanal abgeleitet, der für das 110 m lange und 11,40 m breite Großmotorschiff bei 2,80 m Tiefgang auf 4,00 m Wassertiefe ausgebaut wird. Der Saaleseitenkanal bei Tornitz wird nicht für eine Begegnung der kleineren Europaschiffe konzipiert. Diese werden sich nur an der Schleuse begegnen können. Da die Kanalstrecken kurz sind, wird nur wenig Wartezeit in Kauf genommen, um so wie nötig wenig Fläche zu beanspruchen.
  • Die Behauptung, die Elbe hätte nur eine durchschnittliche Tauchtiefe von 1,60 m wird bereits im zweiten Halbsatz von Autor widerlegt. Wenn an angeblich 105 Tagen im Jahr diese Tiefe unterschritten wurde, ist sie folglich an 260 Tagen gleich und höher gewesen. Bei den angeführten 1,60 m handelt es sich um eine Fahrrinnentiefe (nicht Tauchtiefe), welche an 20 eisfreien Tagen im Jahr unterschritten wird. Das ist ein statistischer Wert, der eine lange Beobachtung der Wasserstände und Fahrrinnentiefen voraussetzt. Vor dem Hochwasser 2002 war zwischen Dresden und Geesthacht diese Fahrrinnentiefe an durchschnittlich 20 Tagen unterschritten, aber an den übrigen Tagen nicht nur gewährleistet, sondern je nach Wasserführung der Elbe erheblich höher. Bei Mittelwasser, dem Mittel aller gemessenen Pegelstände einer 10-Jahresreihe, lag die Fahrrinnentiefe bereits nahe bei 2,50 m. Wenn die Saale folgerichtig für 2,50 m Fahrrinnentiefe ausgelegt wird, dann ist sie etwa ein halbes Jahr lang von der Elbe aus damit erreichbar, im übrigen halben Jahr liegen die Fahrrinnentiefen zwischen 2,50 und 1,60 und an 20 Tagen davon unter 1,60 m.
  • Leider wurden durch die Umweltschützer über die Grünen/Bündnis 90 in der Regierung ein absoluter Stopp sämtlicher Unterhaltungsmaßnahmen an der Elbe verfügt, welche über zwei Jahre anhielt und die Beseitigung von hochwasserbedingten Fehltiefen noch heute behindert. Es wurde eine Untersuchung gefordert, welche den begünstigenden Einfluss des vorhandenen Elbausbau auf Hochwasser nachweisen sollte. Die Wasserbauer haben aber immer auf Hochwasserneutralität geachtet, bzw. den Ausbau zur Vermeidung von Hochwasser- und Eisstau vorgenommen. Nachdem viele Millionen in die Untersuchung geflossen waren, ist wie erwartet festgestellt, dass der Elbeausbau keinen Einfluss auf das Hochwasser hatte. Nun wurde nicht etwa die beschleunigte Wiederherstellung der Fahrwasserverhältnisse wie vor der Jahrhundert-flut verfügt. Vielmehr werden von den „Grünen“ immer neue Hürden aufgebaut. Aus dieser Sicht müssen die angeführten 105 Tage der Unterschreitung gesehen werden, denn nach dem Hochwasser war die Fahrrinnentiefe an einigen Stellen um 20 bis 50 cm schlechter als zuvor!!! Nun soll mit behutsamen Mitteln die Fahrrinnentiefe wie vor der Flut wiederhergestellt werden, was noch einige Zeit bedarf. Deshalb rührt die Aussage über die längere Unterschreitung der Fahrrinnentiefe aus Verhinderung der Unterhaltung der Elbe durch die „Grünen“ her, wobei die durchschnittlich 105 Tage im Jahr von uns nicht nachvollzogen werden können.
  • Nachdem die Forderung der Umweltschützer für einen Kanal als Alternative zur Vermeidung von negativen Auswirkungen auf das Ökosystem im Elbe-Saale-Winkel erhoben wurde, kann heute nicht behauptet werden, dass der einst geforderte Kanal wiederum solche Auswirkungen hätte, zumal er in einem Bogen um die Schutzgebiete herumführen soll und das Raumordnungsverfahren auch solche Belange untersucht.
  • In Deutschland haben die Wasserstrassen eine Länge von 7340 km, die für den Güterverkehr in Frage kommende Saale zwischen Halle/Trotha und der Mündung in die Elbe ist 86,5 km lang. Damit sind 0,85 % der Wasserstraßen betroffen. Wenn davon ausgegangen wird, dass zukünftig 1,5 Mio. t auf der Saale transportiert werden kann, sind das 0,62 % der Transportmenge (Basis 2002). Der Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt hat dagegen 4 Mio. t/a unter seinen Mitgliedern und Saaleanliegern ermittelt, welche bei stabilen Fahrwasserverhältnissen auf das Schiff verladen werden könnten. Da auf dem Rhein pro km weit mehr Tonnen als auf den übrigen Wasserstrassen transportiert werden, ist solche Auslastung zukunftsorientiert. Die angeführten geringeren Prozente sind einer heute oftmaligen Unbefahrbarkeit der Saale zwischen Calbe und der Mündung in die Elbe durch Fahrrinnentiefen unter 1,00 m (weniger als der Leertiefgang der Binnenfracht- und Fahrgastschiffe) geschuldet, während oberhalb Calbes ausreichende Fahrrinnentiefen vorhanden sind.
  • Wenn die Frachten kostengünstiger auf der Schiene transportiert werden könnten, stellt sich die Frage, warum sie heute auf dem LKW gefahren werden!
  • Die angegebene Menge entspricht damit nicht 2 Güterzügen pro Tag (4100 t), sondern 164 beladenen LKW, von den notwendigen Leerfahrten abgesehen.

Wenn falsche Zahlen und Angaben herangezogen werden, ist es nicht verwunderlich, dass auch das Fazit völlig falsch ist. Es wirft ein Licht auf den Kurs der „Umweltschützer“, welche jede Schifffahrt verhindern wollen, denn eine Untersuchung, welche das Bundesverkehrs-ministeriums in Auftrag gegeben hat, ist zu dem Schluss gekommen, dass flachgehende Binnenschiffe (flussangepasste lt. Umweltschützer) nicht ökonomisch zu betreiben sind.

Ingo Klinder

Magdeburger-Elbe-Schiffer-Verein

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