Interview mit der Bürgermeisterin Regina Grube

Dienstag, 24. Mai 2005, 15:45 Uhr

Interview mit der Bürgermeisterin Regina Grube

"Volksstimme" vom 24.05.05 - Kanalbau macht Gemeinde zur Insel

Vor wenigen Tagen fand in der Gemeinde Tornitz/ Werkleitz eine Bürgerversammlung zum geplanten Bau des Saale-Seitenkanals statt. Die Orte liegen unmittelbar am geplanten Kanalverlauf. Die Bürgermeisterin der 650-Seelen-Gemeinde, Regina Grube, nimmt in einem Interview zum Vorhaben Stellung. Mit ihr sprach Gundula Lasch.

Volksstimme: Frau Grube, was erwarten Sie vom Raumordnungsverfahren?

Regina Grube: Wir erwarten, dass das Verfahren sachlich abwägt, den Naturschutz, politische und wirtschaftliche Interessen und die berechtigten Belange von Bürgern in Relationen bringt. Wenn die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens unstrittig erwiesen ist, sollten im Raumordnungsverfahren die Varianten des Saaleausbaus nebeneinander in allen Punkten untersucht werden. Danach ist abzuwägen, welche der Möglichkeiten die erwiesenermaßen günstigste Variante ist. Dabei sind alle Gefahren, die für die Bürger und deren Hab und Gut entstehen könnten, abzuwehren. Für mich persönlich stehen in erster Linie die Interessen der Menschen im Mittelpunkt, die mich gewählt haben und mir vertrauen.

Volksstimme: Welche Bedenken gibt es gegen den Kanal?

Grube: Seit der Eiszeit, in der sich unsere topografische Lage entwickelte, fließen die Drängwasser aus Richtung Saale über das Urstromtal in die tiefer liegende Elbe ab. Deshalb wurde bereits vor langer Zeit ein weit verzweigtes Grabensystem gebaut, das zur Ableitung des Drängwassers dient. Um dieses System funktionstüchtig zu halten, müssen Maßnahmen zur Grundwasserabsenkung, wie zum Beispiel der Bau eines Schöpfwerkes für die Gemeinde, in die Kanalplanungen einbezogen werden. Viele Bürger befürchten, dass anderen Falls das uralte Siedlungsgebiet von regelmäßigen Überflutungen betroffen sein könnte. Durch den Kanalbau würde Tornitz/ Werkleitz zu einer Insel werden.

Volksstimme: Unter welchen Bedingungen wird die Gemeinde der Schiffbarmachung der Saale zustimmen?

Grube: Ich habe als Vertreterin öffentlicher Belange die Bedingungen unserer Gemeinde in der Antragskonferenz zum Raumordnungsverfahren eingebracht. Darin wird unter anderem gefordert, dass ein überzeugender Nachweis der Wirtschaftlichkeit des Vorhabens erbracht werden soll. Die Stellungnahme enthält weiterhin die Bedingung, dass die negativen Auswirkungen auf Natur, Landschaft und besonders die Entwicklung der Gemeinde und der betroffenen Region gründlich untersucht und absolut minimiert werden.

Volksstimme: Was fordern Sie konkret?

Grube: So ist es zum Beispiel nötig, Maßnahmen für den Schutz der Gebäudesubstanz vor dem Drängwasser sowie eine Brücke zur Anbindung des Ortes an die Infrastruktur in die Planungen einzubeziehen. Auch eine Anbindung des Saale- an den Elbradwanderweg ist denkbar.

Volksstimme: Sind ihre Erwartungen von der Informationsveranstaltung erfüllt worden?

Grube: Die Veranstaltung hat das geleistet, was wir beabsichtigten: eine sachliche und faktenbezogene Information der betroffenen Bürgerinnen und Bürger über den aktuellen Stand der Planungen. Viele Ängste rührten ja auch daher, dass es an Informationen gefehlt hat.

Volksstimme: Wie beurteilen Sie die Ausführungen der Experten?

Grube: Herr Aster vom Wasser- und Schifffahrtsamt Ost hat gute Aufklärungsarbeit zum Ablauf von Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren geleistet. Nun wissen die Bürger, zu welchem Zeitpunkt sie ihre persönlichen Belange einbringen können. Und auch die Erläuterungen der Firmenvertreter der Schwenk Zement AG aus Bernburg und der Getreide- und Agrarhandel Halle haben verdeutlicht, dass hunderte von Arbeitsplätzen von der Schiffbarkeit der Saale abhängen.Diese Informationen haben die Einheimischen mit viel Interesse zur Kenntnis genommen. Trotz aller persönlichen Betroffenheit herrschte eine offene, unvoreingenommene Atmosphäre. Darüber bin ich sehr zufrieden und möchte den Tornitzern und Werkleitzern meinen Dank dafür aussprechen.

Volksstimme: Wie geht es nun weiter?

Grube: Ich werde die weiteren Entwicklungen aufmerksam beobachten und mich weiterhin für die Interessen der Menschen, die hier leben, mit ganzer Kraft einsetzen. Das Ziel ist noch lange nicht erreicht, und ich halte uns deshalb alle Optionen offen. (VS)

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