Irrungen und Wirrungen zur Elbe und zum Mythos Domfelsen

Dienstag, 02. Dezember 2008, 22:20 Uhr

Irrungen und Wirrungen zur Elbe und zum Mythos Domfelsen

Leserbrief von Dipl.-Ing. Helmut Faist

Irrungen und Wirrungen zur Elbe und zum Mythos Domfelsen

Im Interview der Volksstimme vom 24. November wiederholt Frau Stephan als Sprecherin der Bürgerinitiative Pro Elbe ihre seit längerer Zeit bekannte Vorstellung zur Elbe und deren Schifffahrt. Die darin enthaltenen Behauptungen und Halbwahrheiten kann ich größtenteils nicht akzeptieren, da mein über 40jähriges Berufsleben mir einen anderen, tieferen Wissensstand über die hydrologischen, morphologischen Gegebenheiten des Elbstroms sowie das langzeitliche menschliche Wirken an dessen Ufern gebracht hat. Aus der Vielfalt aller natürlichen und menschlichen Wirkungsfelder seien beispielhaft nur folgende hier kurz aufgeführt:

Die „Unversehrtheit des Domfelsens“ erhalten zu wollen widerspricht als Philosophie der Naturschützer grundsätzlich dem physikalischen Verhalten eines Flusses, der ohne Uferbaumaßnahmen bzw. Hochwasserabwehr der Anwohner mehr oder weniger zufällig und unkontrolliert die Lage und Form seines Gewässerbettes variiert. So floss die Elbe bis zum späten Mittelalter in zwei mächtigen Armen weit östlich der damaligen Stadtlage Magdeburg und in der seinerzeit kümmerlichen Kleinen Elbe (heutige Stromelbe) war der Domfelsen gar kein Thema. Erst das Bestreben der Stadtväter, den Fluss wegen des Schifffahrtshandels und der Wassernutzung (Mühlen, Wasserkunst) näher an die hochwassersichere Stadtlage zu verlegen, führte in den Jahren 1655 und 1686 zu den ersten Abdämmungen der östlichen Stromarme, denen viele weitere Korrekturen folgten (Flussbauten, Ufermauern und Brücken für Verkehrswege, Festungen u. a.).

Die „natürliche Staustufe Domfelsen“ gäbe es ohne anthropogenes Wirken gar nicht, da die östlichen Elbeläufe das Wasser auf kürzerem Weg und infolge der dort tieferen Felshorizonte schneller sowie erosionswirksamer an Magdeburg vorbei nordwärts verfrachtet hätten. Wahrscheinlich lägen beim Erhalt dieser natürlichen Situation in den jetzt schützenswerten Auenwäldern (Kreuzhorst u. a.) die daraus resultierenden Wasserspiegel um 1 bis 2 Meter tiefer als heute. Der Mensch allerdings hat durch den Bau des Cracauer Wehres bzw. seiner Vorläufer mit einer künstlichen Staustufe seit Jahrhunderten auf die Wasserspiegellagen eingangs von Magdeburg positiv gewirkt. Dementsprechend hat das Wasser- und Schifffahrtsamt Magdeburg keine Planungsabsichten, um den bei Niedrigwasser sichtbaren Teil des Domfelsens abzutragen. Ziel ist bei diesem Wasserstand ein begrenzter Ausbau im schiffbaren Flussquerschnitt.

Ob der Fluss zukünftig durch Klimawandel einfach zu wenig Wasser führen wird ist sehr streitbar. Diesbezügliche Szenarien ergeben sehr unterschiedliche meteorologische und hydrologische Daten und man sollte sich weniger an Horrorvisionen orientieren. Eine Klimaerwärmung erzeugt für die Binnenschifffahrt auch positive Wirkungen, wie geringere Beeinträchtigungen durch Eisverhältnisse. Die Sohlenerosion hingegen führt nicht zu einem Schwund der Abflüsse. Der traditionelle Wasserbau und seine Forschungsanstalten haben praktikable Rezepte gegen das übermäßige Auswaschen der Gewässersohle. Welche Lösungen können eigentlich die Elbschützer aufzeigen, wenn aufgrund der schlechtesten Klimaprognosen das Niedrigwasser nicht nur für die Schifffahrt, sondern generell für die Landeskultur (Grundwasser, Vegetation, Tierwelt) zu knapp werden sollte?

Bezüglich der weiteren wenig profunden Argumentation zum derzeitigen und künftigen Schifffahrtsaufkommen am Wasserstraßenkreuz sowie auf der Elbe und Saale sollten Nachhilfestunden bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung oder den Industrie- und Handelskammern genommen werden. Wer seit Jahren Ausbau- und selbst Unterhaltungs- maßnahmen ausbremst trägt dazu bei, dass Transportverlagerungen von jetzt schon überfüllten Straßen auf das Binnenschiff nur teilweise greifen. Oder will die Bürgerinitiative Pro Elbe mit dem Schlechtreden der Elbe- und Saaleschifffahrt analog wie der BUND und NABU gewollt oder ungewollt Schützenhilfe in Richtung „Pro Autobahn“ geben?
Dipl.-Ing. Helmut Faist    39120 Magdeburg            27.11.2008
    

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