Kälte statt Krise im Hafen

Mittwoch, 10. Februar 2010, 08:15 Uhr

Kälte statt Krise im Hafen

 

Quelle: sz-online/Sächsische Zeitung, Mittwoch, 3. Februar 2010
Von Lars Radau

Auf der Elbe bewegt sich wenig – doch das liegt nicht an der Wirtschaftsschwäche. Die Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe haben ihren Umsatz gehalten und finden neue Kunden.

Wenn alles klappt wie geplant, muss die „Silja“ heute nur noch ein paar Stunden in ihrem eisigen Gefängnis ausharren. Denn für den späten Vormittag hat sich der „Seebär“ angekündigt – der Eisbrecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg.

Mit seinen 305 PS wird er den zugefrorenen Stichkanal zur Elbe wieder aufbrechen. Dann ist die mehrtägige Zwangspause im Industriehafen Roßlau vorbei – und „Silja“ kann ihre Düngemittel aus Tschechien im Zielhafen Magdeburg abliefern. Einstweilen hat das Binnenschiff Schutz vor dem Eis gesucht, im am weitesten elbabwärts gelegenen Landeplatz der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe (SBO).

„Momentan läuft auf dem Wasser nicht viel“, sagt Kapitän Detlef Bütow, Geschäftsführer der Binnenhäfen. Das allerdings sei ausschließlich der Witterung geschuldet, schiebt er schnell hinterher. Dabei klingt Sachsens oberster Kapitän erleichtert.

Bütow hatte damit gerechnet. dass der Verbund aus den deutschen Binnenhäfen Dresden, Riesa, Torgau und Roßlau und ihren tschechischen Partnern Decin und Lovosice in schweres Fahrwasser geraten würde. Denn die weltweite Wirtschaftskrise ließ die Transportmenge in Deutschland insgesamt um gut elf Prozent sinken. „Das haben wir schon ab dem letzten Quartal 2008 zu spüren bekommen“, sagt Bütow. Doch glücklicherweise habe im Sommer eine regelrechte „Aufholjagd“ begonnen. „Wenn das Jahr noch zwei Monate mehr gehabt hätte, hätten wir sogar wieder die Umschlags-Zahlen von 2008 erreicht“, sagt der BSO-Chef. So allerdings muss Bütow einen Rückgang der umgeschlagenen Tonnage um gut vier Prozent verzeichnen.

Dennoch stellt er zufrieden fest, dass die Sächsischen Binnenhäfen die Krise gemeistert haben – „nicht nur moderat, sondern aus meiner Sicht sogar gut“. Zwar habe sich am Ergebnis nicht viel geändert – statt der „schwarzen Null“ von 2008 schreiben die SBO 2009 eine „rote Null“. Der Umsatz stieg von 12,4 auf 12,5 Millionen Euro, die Zahl der Beschäftigten in den sechs Häfen blieb stabil bei 127.

Arbeiten will der SBO-Chef indes an der Mischung der Verkehrsträger. Der weitaus größte Teil der Güter wird nach wie vor mit dem Lastwagen transportiert. Doch mittelfristig soll der Anteil von Schiff und Bahn von 40 auf 50 Prozent klettern. Im vorigen Jahr legte der Güterverkehr per Binnenschiff um gut 13 Prozent zu – auf fast 550000 Tonnen von den 2,62 Millionen Tonnen insgesamt, um die sich das Unternehmen kümmerte. Der Bahn-Anteil schmolz. Im ersten Halbjahr reduzierten die BSO die Anzahl der Containerzüge von Riesa zu den Seehäfen Hamburg und Bremerhaven zeitweise von fünf auf drei pro Woche. Inzwischen allerdings, sagt Bütow, bewege sich das Containerterminal in Riesa wieder „nahe an der Auslastungsgrenze“. Auswirkungen auf den Verkehrsträgermix und den Ertrag erwartet Bütow vom derzeit größten Investitionsprojekt der SBO: In Riesa entsteht für gut 13 Millionen Euro bis Mai eine Logistikhalle für den Reifenhersteller Goodyear Dunlop, 16000 Quadratmeter groß.

Die Halle soll über ein Förderband direkt vom Reifenwerk aus bestückt werden. Bütow ist mit Goodyear im Gespräch, die Anlieferung der Rohstoffe auf Schiff und Bahn zu verlagern.

Die Häfen Dresden und Lovosice haben laut Bütow ihre Position als Standorte für den Umschlag von Schwerlast- und Projektladungen ausgebaut. Dazu gehören Rotorblätter, Trafos und Generatoren des Windkraftanlagen-Herstellers Vestas. Die bescherten der SBO eine Kooperation mit den Unterelbehäfen Brunsbüttel und Glückstadt. Sie wird sich laut Bütow 2010 auszahlen – auch wenn auf dem langen Weg elbabwärts ab und zu Eis in die Quere kommt.

Artikel-URL: www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp

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