Kanal: IHK sieht große Chancen durch Ausbau light

Donnerstag, 05. März 2009, 15:37 Uhr

Kanal: IHK sieht große Chancen durch Ausbau light

HL-live.de, 5. März 2009

Der Elbe-Lübeck-Kanal verbindet den größten deutschen Ostseehafen Lübeck mit dem zentraleuropäischen Binnenwasserstraßennetz. Sein Ausbau stärkt die Leistungsfähigkeit der Häfen Lübeck, Geesthacht und Lauenburg und entlastet die staugeplagten Straßen- und Schienenanbindungen der Häfen, so die Meinung beim Parlamentarischen Abend in Berlin.

"Wir müssen jetzt die Chance ergreifen und den Kanal zwischen Lübeck und Hamburg ausbauen", sagte Professor Dr. Bernd Rohwer, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Lübeck, beim Parlamentarischen Abend in Berlin. Rund 100 Teilnehmer, darunter Bundestags- und Landtagsabgeordnete, Verwaltungsspitzen und Vertreter von Logistik-Unternehmen, waren der Einladung der IHK zu Lübeck, des Landes Schleswig-Holstein, der Hansestadt Lübeck, des Kreises Herzogtum Lauenburg, der Lübecker Hafen-Gesellschaft mbH (LHG) und des Nautischen Vereins Lübeck gefolgt, um sich über die Ergebnisse von zwei neuen Gutachten zum Ausbau der Wasserstraße zu informieren.

Für die Landesregierung wäre der Kanalausbau ein weiterer Beitrag zur Vervollständigung der langfristigen schleswig-holsteinischen Verkehrspolitik, sagte Ministerialdirigent Günther Meienberg vom Landesverkehrsministerium.

Auch die Logistik-Wirtschaft im Wirtschaftsraum Lübeck sieht in dem Ausbau eine große Chance: Erklärtes Geschäftsziel der LHG ist es, statt aktuell 0,6 Millionen Tonnen bis 2025 rund 6,4 Millionen Tonnen Ladung auf das Binnenschiff zu bringen. Insgesamt ist sogar eine Steigerung des Ladungsaufkommens auf bis zu neun Millionen Tonnen möglich. "Dafür müssen wir den Kanal aber so gestalten, dass die Binnenschifffahrt ihn rentabel nutzen kann", sagte LHG-Geschäftsführer Hans-Gerd Gieleßen. Sein Fazit: "Der Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals ist ein notwendiges Projekt."

Zwar sei der Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals sofort und in voller Länge aufgrund der fehlenden Mittel in den Verkehrsetats zurzeit unwahrscheinlich. Die beiden vom Arbeitskreis Elbe-Lübeck-Kanal in Auftrag gegebenen Expertisen bestätigen aber kostengünstige bautechnische Alternativen zur Ertüchtigung der Binnenwasserstraße. Statt 30 Jahre auf den Neubau der Schleusen mit einer Länge von 115 Metern für die Binnenschiffe zu warten, reiche es zunächst, nur die Schleuse bei Witzeeze neu zu bauen und die anderen zu modernisieren, erläuterte Rolf Lack, zweiter Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Elbstromgebietes. "So kommen wir durch einen vergleichsweise geringen Mitteleinsatz schneller voran. Statt bei rund 240 Millionen Euro liegen die Kosten für den von uns favorisierten ‚Ausbau light’ zunächst bei nur 85 Millionen Euro", betonte Lack. Von diesem Ausbau würde außer den Häfen Lübeck und Hamburg vor allem die Region Lübeck profitieren."

Angesichts des für den Lübecker Hafen prognostizierten Umschlagswachstums erwarten wir entlang des Kanals neue logistische Lösungen und Dienstleistungen, Container-Transporte oder Flusskreuzfahrten von Lübeck nach Dresden", sagte Hauptgeschäftsführer Rohwer. Insgesamt rechneten die Mitglieder des Arbeitskreises mit einem deutlichen und rapiden Anstieg der transportierten Gütermengen auf dem Kanal.

Ein wasserbauliches Gutachten hatte aufgezeigt, dass die baulichen Änderungen zu den errechneten Kosten möglich sind. Unter der Berücksichtigung des potenziellen Ladungsaufkommens in den kommenden Jahren ist das Nutzen-Kosten-Verhältnis günstig. Rohwer: "Langfristig gibt es allerdings keine Alternative zum Vollausbau des Kanals." Der Appell der Organisatoren an die Politik lautet: Der Bund muss die Dringlichkeit des Ausbaubedarfs des Kanals vor dem Hintergrund des aufgezeigten Ladungspotenzials im kommenden Bundesverkehrswegeplan erhöhen.

Der Ausbauzustand des bereits im Jahr 1900 eingeweihten Kanals entspricht in keiner Weise den Anforderungen der modernen Binnenschifffahrt. Rund eine Million Tonnen Ladung in einem Jahr – wie in 2008 – entspricht nicht der Bedeutung und damit dem Potenzial dieser Verbindung. Viele logistische Lösungen und Dienstleistungen sind wegen der veralteten Infrastruktur nicht realisierbar. Der Kanal ist zurzeit gar nicht in der Lage, zusätzliche Ladung aus den Häfen und von der Straße aufzunehmen. "Nur 30 Prozent der deutschen Binnenschiffflotte sind aufgrund ihrer Länge in der Lage, den Kanal zu befahren. Nach einem Ausbau der Schleusen auf eine Länge von 115 Metern sind es 90 Prozent der Schiffe", sagte Dr. Jens-Albert Oppel von der ISL-Baltic Consult GmbH, der das wirtschaftliche Gutachten geschrieben hatte. Außerdem ließe sich durch die Verlagerung der Güter von der Straße auf das Schiff der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid deutlich reduzieren. Zudem wäre der Transport auf dem Wasser nicht durch das Sonn- und Feiertagsfahrverbot behindert, die zurzeit den Lkw-Verkehr einschränken. Oppel: "Nach einem Ausbau wäre der wirtschaftliche Nutzen des Kanals groß."

Rohwer forderte eine gemeinsame Anstrengung aller Akteure, den zügigen Ausbau des Kanals bei Bund und Land einzufordern. "Das ist jetzt erforderlich, weil auch in Lauenburg und in Geesthacht in nächster Zeit Container-Terminals entstehen sollen. Im geltenden Bundesverkehrswegeplan sind aber lediglich laufende Ersatzinvestitionen einschließlich Schleusenverlängerungen bei Ersatz enthalten", sagte Rohwer. Erste Erfolge gebe es bereits: den Neubau der Schleuse Lauenburg und das anlaufende Planfeststellungsverfahren für den Neubau der Straßenbrücke in Büssau. Rohwer: "Aber der große und vor allem durchgängige Wurf, also der Kanalausbau aus einem Guss, ist bisher ausgeblieben."

Die Handelskammer Hamburg sowie die IHKs Lüneburg-Wolfsburg und Magdeburg unterstützen das Projekt und wollen helfen, den Elbe-Lübeck-Kanal für den Binnenschiffsverkehr der Elbe und des Elbe-Seitenkanals nutzbar zu machen. Ein Vertreter des Bundesverkehrsministeriums wies darauf hin, dass ein Antrag auf Priorisierung des Ausbaus im Bundesverkehrswegeplan einen Schwerpunkt bei dem Nutzen und der Wirtschaftlichkeit des Kanals enthalten müsse. 

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