Kanal soll Saale-Hafen den Durchbruch bringen

Donnerstag, 13. Mai 2004, 11:07 Uhr

Kanal soll Saale-Hafen den Durchbruch bringen

Leipziger Volkszeitung vom 13.05.2004

Halle. Der Saale-Seiten-Kanal, der für eine schiffbare Anbindung des Flusses an die Elbe sorgen würde, ist keine Fiktion mehr. Die ökonomischen Vorteile des Vorhabens sind durch eine vom Bund beim Essener Planco-Institut in Auftrag gegebene Studie bestätigt worden.

"Wenn nun noch die ökologische Komponente positiv bewertet wird, können wir das Raumordnungsverfahren für den Kanal einleiten"

so Bernhard Hintze vom Magdeburger Verkehrsministerium.

Für Manfred Sprinzek, Präsident des Vereins zur Hebung der Saaleschifffahrt (VHdS), klingen diese Informationen wie Musik.

"Endlich kann die trimodale Schnittstelle von Wasserweg, Schiene und Straße in Trotha funktionsfähig gemacht werden"

freut sich der 59-jährige Hallenser. Viel zu lange schon dauert den Befürwortern des Frachtverkehrs auf der Saale der Dornröschenschlaf des aufwendig ausgebauten Hafens mit Schienen- und Straßenanbindung im Norden der Stadt.

"Bis Calbe ist der Fluss komplett befahrbar, nur das letzte Stück zur Mündung in die Elbe gleicht einem Nadelöhr, größere Frachtschiffe kommen da nicht durch"

so Sprinzek.

Seit Anfang der 90er Jahre streitet der VHdS, in dem Vertreter von 60 flussnahen Firmen mitwirken, beharrlich für den Zugang zur Elbe. 1996, als ein Raumordnungsverfahren für den Bau einer Staustufe vor der Saale-Mündung am Widerstand von Umweltschützern scheiterte, schien der Traum vom pulsierenden Umschlagplatz ausgeträumt.

Im zweiten Anlauf setzen VHdS und Verkehrsministerium jetzt auf den Seiten-Kanal, der von Calbe bis Barby führen soll und den ökologisch sensiblen Bereich bei Klein Rosenburg umgeht.

"Die Fakten sprechen für den den 7,5 Kilometer langen Kanal. Er ist hochwassersicher, umweltverträglich und weist einen deutlichen wirtschaftlichen Nutzen auf"

unterstreicht Sprinzek. Und gerade beim Kostenvergleich beweise sich die Effizienz der Binnenschifffahrt.

"Per Kahn transportiert kostet die Tonne Weizen von Trotha nach Hamburg elf Euro, auf der Straße sind es vier Euro mehr"

sagt Ludwig Müller, Geschäftsführer der Getreide- und Agrarhandel Halle GmbH. Das Unternehmen, das unmittelbar auf dem Hafengelände seinen Sitz hat, gehört zu den Mitbegründern des VHdS.

"Wir stehen im internationalen Wettbewerb - und ein Zugang zu den großen Exporthäfen an der Nordsee und den Wirtschaftszentren des Niederrheins ist nicht nur kostensparend, er kann uns auch neue Kunden bringen."

Auf insgesamt 336F000 Tonnen beläuft sich derzeit die jährliche Güterverkehrsleistung in Halle-Trotha, der Schiffstransport-Anteil dümpelt bei mageren 130F000 Tonnen. Erhebungen des VHdS bei Saale-Anliegern ergaben, das pro Jahr 2,6 Millionen Tonnen Fracht abrufbereit für den Schiff-Transport bereit stünden, umgerechnet 100F000 Lkw-Ladungen.

"Die Beförderung dieser Gütermenge zu Wasser würde den Ausstoß an Kohlendioxid um 50F000 Tonnen senken"

verweist Sprinzek auf die Umweltfreundlichkeit des Vorhabens.

Eine Studie des Münchner Ifo-Instituts prognostiziert 500 Jobs im Kernbereich des Hafens. Der Standort Trotha sei mit seiner guten Anbindung an Straße und Schiene interessant, nicht nur für das südliche Sachsen-Anhalt, sondern auch für den Raum Leipzig, Westsachsen und Teile von Thüringen.

Erste Erfolge lassen sich vorweisen: Mitte März wurde auf dem Hafengelände der Grundstein für eine Biodiesel-Produktionsstätte gelegt. Die in Halle gegründete JCN Neckermann-Biodiesel GmbH investiert in den neuen Standort rund 25 Millionen Euro. Inzwischen wurde in Trotha auch eine ständige Container-Bahnlinie nach Hamburg eröffnet. Betreiber ist die Hanseatic Container & Train Operators GmbH (HCTO). Die Container werden seither dreimal wöchentlich in Trotha vom Zug auf Laster gehoben oder umgekehrt. Sobald die Saale komplett befahrbar ist, will die HCTO den Wasserweg nutzen. Auch die belgische Domo-Gruppe, die im Chemiepark Leuna in den vergangenen zehn Jahren 463 Millionen Euro investierte, ist an einer Anbindung zur Elbe interessiert.

Domo-Geschäftsführer Norbert Leetsch verweist auf die finanziellen Vorteile. Benzol als Ausgangsstoff für Fußbodenbeläge und textile Teppichböden könnte statt über die Schiene auf dem Wasserweg von den Ölhäfen an der Nordsee bis nach Halle kommen. Das wäre nur halb so teuer. Es gibt bereits ergänzende Überlegungen, von Trotha aus eine Pipeline bis Leuna zu bauen. Später ist sogar eine Flussverladestelle bei Leuna denkbar.

Bernd Lähne

Galerien

Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

Aktuelles

Neuigkeiten per RSS Button

Saaleinfo Newsletter

Redaktion © VHdS e.V.
Grafik, Layout © 2005-2018 atnexxt – Agentur für Design und E-Business, Webdesign in Halle (Saale)