Kanalpläne heizen Debatte erneut an

Sonntag, 30. März 2008, 08:16 Uhr

Kanalpläne heizen Debatte erneut an

Kontroverse Ansichten zum weiteren Ausbau der Saale

mz-web.de, BERNBURGER KURIER; von Carsten Steinborn, 28.03.08,

Trabitz/Bernburg/MZ. Seit Jahren dauert die Debatte um den Ausbau der Saale zwischen der Industrie, den Schifffahrtsverbänden und der Politik auf der einen, und den Umweltschützern auf der anderen Seite an. Dabei geht es um den Flussabschnitt zwischen Calbe und der Saalemündung mit seinen vielen Bögen. Wer von der etwas höher und am Saaleradwanderweg gelegenen Ortschaft Trabitz hinter Calbe ins Saaletal blickt, hat einen guten Ausblick auf die Flussbögen in Richtung Calbe und Groß Rosenburg, die für Schiffe seit jeher ein Nadelöhr darstellen.

Begonnen hat nun das Raumordnungsverfahren für den so genannten Schleusenkanal Tornitz. Der Kanal soll hinter der Calbenser Eisenbahnbrücke an Tornitz vorbei gehen und kurz vor der Mündung wieder in die Saale führen. Zwei Trassenführungen kommen im Raumordnungsverfahren auf den Prüfstand. Eine kürzere führt südlich, die andere und längere Trasse nördlich hinter Trabitz entlang. Der Wasserstand im Kanal soll bei beiden Varianten über eine Schleuse und ein Sperrtor reguliert werden.

Jetzt sind die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange gefragt. Aber auch die Bürger haben die Möglichkeit, Einsicht in die Unterlagen zu nehmen. Das ist in den betroffenen Städten und Gemeinden des Salzlandkreises Calbe, Barby, Tornitz, Wespen, Pömmelte, Glinde, Groß Rosenburg und Breitenhagen möglich. Aber auch im Amt für Regionalplanung der Kreisverwaltung in Aschersleben können Interessenten bis Ende Mai vorsprechen, um Einsicht in die Unterlagen für den Schleusenkanal zu erhalten.

Widerstand kommt schon jetzt von den Umweltverbänden. Von einer Investitionsruine, spricht Prof. Ernst Dörfler vom Elbe-Projekt des Bundes für Umwelt und Naturschutz. Für den Bau des Kanals würden 80 Millionen Euro Steuergelder buchstäblich "in den Sand gesetzt". Die Behörden würden durch Täuschungen und Manipulationen den Eindruck eines "wirtschaftlich rentablen und ökologisch verträglichen" Bauvorhabens erwecken wollen.

Auch der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder (AHA) kritisiert die Planungen. So werden vor allem die Prognosen der Wirtschaft für den Güterverkehr auf der Saale bezweifelt. Woher die Hoffnung herrührt, im Jahr 2013 rund 2,3 Millionen Tonnen Güter auf der Saale zu transportieren, sei ihm schleierhaft, so der AHA-Vorsitzende Andreas Liste.

Aber beim AHA zweifelt man nicht nur an den ökonomischen Zahlen. Durch den Kanal entstünden hydrologische Probleme und wertvoller Ackerboden gehe verloren. Außerdem befürchtet Liste, dass der Ausbau der Saale um Unterlauf den weiteren Ausbau der Elbe zur Folge haben wird.

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