Kapitän legt seit 100 Tagen Kurs an

Samstag, 13. April 2013, 16:47 Uhr

Kapitän legt seit 100 Tagen Kurs an

Schifferverein Roßlau

mz-web.de,  12.04.2013, Von Silvia Bürkmann

Gunter Wolf ist rund 100 Tage im Amt als Kapitän des Schiffervereins Roßlau. Der Verein will seine Tradition auch für junge Leute interessant machen.

rosslau/MZ. 

Rund 100 Tage im Amt - das sind für ihn eine „runde Sache und angemessene Zeit“. Für eine erste Zwischenbilanz eventuell. Ganz bestimmt aber für einen Ausblick auf weitere Vorhaben. Gunter Wolf hat sich im Januar 2013 den Hut des Kapitäns aufgesetzt. Ganz falsch. Keinen Hut. Einen Elbsegler. Diese typische Kopfbedeckung aus blauem Tuch, die gerade in Roßlau auf fast jedem zweiten Männerhaupt zu sehen ist. Diese niedrige Schirmmütze mit einer Zierkordel oder einem ledernen Sturmriemen vorn am Mützensteg. Der Elbesegler ist Garderobe für Schiffer genauso wie für Menschen, die das Wasser lieben. Wolfs Mütze trägt das Abzeichen des Roßlauer Schiffervereins 1847 e.V., mit wehender blau-weißer Fahne am Steuerrad.

Der Steuermann des Vereins also lotst das Schiff mit 50 Mann an Deck durch die ruhige oder bewegte See der Binnenschiffer im angehenden 21. Jahrhundert. Kurz nach der Vorstandsneuwahl hat der heute 67-Jährige, der als Vollmatrose für die Handelsschifffahrt durch die Weltmeere kreuzte, später als Lehrbootsmann die Schiffsjungen und Leichtmatrosen formte und von 2004 bis 2010 für die Sächsische Binnenschifffahrt Oberelbe Hafenbetriebsleiter in Roßlau war, seine „Offiziere“ im Verein zusammengenommen. Und die Aufgabenverteilung im Vorstand festgelegt und namentlich fixiert: Veranstaltungsorganisation, Museumsbetreuung, Werft-Kontakt, Kassenwart, Öffentlichkeitsarbeit, Mitgliederwerbung. Gunter Wolf weiß, dass in einem so erfahrenen und kleinen Verein die Koordinaten hier und da überlappen, dass ein Schifferkamerad den anderen unterstützt. Davon lebt der Verein.“

Dessen Verjüngung ist ein Gebot der Zeit. Die Altersstruktur macht Kopfschmerzen. Bei einem Durchschnitt von 69 Lebensjahren gibt es nur wenige vom „50er Baujahr“ und viel mehr Bewerber um die „Alterspräsidentschaft“. Neues Blut brachten in den letzten Jahren Michael Kitzing aus Dessau und der Roßlauer Eckart Körting in den Verein. Ohne die „ahlen Roßloer Schiffer“ damit in einen Jungbrunnen zu verwandeln.

Die gestandene Riege der „Alten“ also nimmt sich neuer Ziele an. Gunter Wolf denkt schon recht präzise an das Jahr 2015. Am 21. Februar jährt sich dann nämlich zum 800. Mal die urkundliche Ersterwähnung von Roßlau, als „Albertus de Rozelowe“ auftaucht. Zum Schifferfest 2015 sollen sich also in den Festumzug Ende August mindestens 15 Schiffervereine einreihen. Dieses ehrgeizige, für Skeptiker gar „utopische Ziel“ nimmt der Schifferverein zeitig in die Peilung. So nutzen die Kameraden aus Verein und Vorstand die traditionellen Winterbälle bei den befreundeten Vereinen, um den Termin vorzumerken. So wissen die Kameraden in Zehdenick, Magdeburg, Lauenburg, Aken und Alsleben bereits, was am 30. August 2015 in den Kalender gehört: Roßlau! In Vorbereitung auf die 800-Jahr-Feier gemeinsam mit dem Förderverein „Schifferstadt“ hat Wolf noch andere Ideen, so zu einen Fotowettbewerb.

Der Verein will künftig auch seine Außenwirkung für die jüngeren Generationen verstärken. Gedacht wird zum Beispiel an Unterrichtsstunden im Schifffahrtsmuseum oder im Industriehafen. Hier will Gunter Wolf Kontakte zu den Schulen knüpfen und die erwärmen für einen „Praxistag am Wasser“.

In greifbare Nähe hingegen rückt der Mai 2013. Und damit die neue Präsentation im Schiffermuseum zum „Internationalen Museumstag“ am 12. Mai. Dafür wird in der Heimstatt in der Clara-Zetkin-Straße schon akribisch geputzt, geplant und aufgebaut.

Gleichsam wird im Mai wieder der Roßlauer Schiffsanleger zu Wasser gelassen. Die Koordinaten dieses Haltepunkts sind auf den Wanderkarten vom „Blauen Band“ entlang der Elbe fixiert. Und auch Schiffsreeder Jan Harnisch aus Wittenberg hat Roßlau in seinem Fahrplan. Viermal im Jahr touren Reisegruppen auf seinen Schiff zu den „Elbterrassen Brambach“.

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