Kein Stopp für Deichbau an der Ländergrenze

Samstag, 18. August 2007, 19:38 Uhr

Kein Stopp für Deichbau an der Ländergrenze

Torgauer Zeitung 15.08.2007

Kein Stopp für Deichbau an der Ländergrenze

Prettin (TZ/nw). "Bitte hierherschauen, Herr Minister!", "Frau Ministerin bitte noch etwas näher heran!" Die Pressefotografen standen gestern Vormittag dicht gedrängt an der Deichbaustelle bei Prettin, kämpften mit vollem Körpereinsatz um die besten Bilder. Das Interesse der Journalisten von Funk, Fernsehen und Printmedien war schon beeindruckend. Das lag nicht nur am viel zitierten Sommerloch. Zum ersten Mal bauen die Länder Sachsen und Sachsen-Anhalt gemeinsam einen Deich. So ließen es sich Sachsens Umweltminister Stanislaw Tillich und Sachsen-Anhalts Umweltministerin Petra Wernicke gestern nicht nehmen, den ersten Spatenstich höchstpersönlich vorzunehmen. Zuerst wurden (unter fachkundiger Anleitung) Baggerschaufeln bewegt, dann ging es ans herkömmliche Arbeitsgerät - an die Spaten. Neben beiden Ministern war fast alles vor Ort, was Rang und Namen hat. Regierungspräsident Walter Christian Steinbach, CDU-Bundestagsabgeordneter Manfred Kolbe, CDU-Landtagsabgeordneter Frank Kupfer, Landrat Robert Schöpp, der Chef der Landestalsperrenverwaltung Axel Bobbe - um nur einige Vertreter auf sächsischer Seite zu nennen.

Viele Gäste werden sich gefragt haben, warum dieser Landstrich weit nördlich von Prettin auf ostelbischer Seite überhaupt zu Sachsen zählt. Aber die Landesgrenze schlägt hier einen ungewöhnlichen Bogen. Somit fällt ein Teil des zu erneuernden Deiches in Zuständigkeit des Freistaates. 1700 Meter sind es etwa, die nun auf sächsischem Terrain instand gesetzt, erhöht und verbreitert werden. Der Deich beginnt und endet jeweils an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. Auf anhaltinischer Seite sind rund 3760 Meter zwischen den Ortslagen Axien und Prettin zu erneuern. Insgesamt müssen 135 000 Kubikmeter Boden bewegt werden. Die Abschnitte erhalten zugleich sogenannte Auflastfilter und Verteidigungs-wege. "Durch die Maßnahme bekommen neun Kommunen und rund 5000 Einwohner einen sicheren Schutz, rund 9000 Hektar Ackerfläche sind inbegriffen", informierte die Prettiner Bürgermeisterin Helga Welz. Sie blickte in ihrer Rede noch einmal auf die dramatischen Ereignisse vom August 2002 zurück.

Durch den Deichbruch bei Dautzschen sei die 2100 Bewohner zählende Stadt Prettin von der Flut förmlich überrollt worden. Ganze Straßenzüge gingen unter, etwa 85 bis 90 Prozent der Häuser waren betroffen. Noch heute habe man mit Schäden durch Feuchtigkeit und Öl zu kämpfen. Ihre Forderung, den Deich bei Dautzschen endlich sanieren zu lassen, löste allerdings bei den sächsischen Vertretern Ver-wunderung aus. "Der Deich bei Dautzschen wurde damals gleich saniert. Er ist standsicher", stellte Axel Bobbe hinterher im Pressegespräch richtig. Stanislaw Tillich war in seiner Rede darauf eingegangen, wie wichtig eine länderübergreifende Zusammenarbeit ist. "Hochwasserschutz darf keine Grenzen kennen. Angesichts der leidvollen Erfahrung spielt es keine Rolle, auf welcher Seite Menschen wohnen", sagte er. Nach der Instandsetzung soll der Deich Schutz vor einem Hochwasser der Elbe bieten, wie es statistisch gesehen einmal in hundert Jahren vorkommt. Dazu wird der Deich im Durchschnitt um etwa 70 Zentimeter bis ein Meter erhöht und nach den heutigen technischen Vorschriften verbreitert. Der Deich erhält über den gemeinsam abgestimmten Bemessungswasserstand zusätzlich einen sogenannten Freibord. Das bedeutet, dass der Deich auch bei dem einhundertjährigen Hochwasser noch einen Meter höher ist als der Wasserstand der Elbe.

Zusätzlich werden auf etwa 1350 Metern Länge eine wasserseitige Dichtung eingebaut und auf 650 Metern Länge Spundwände in den Boden getrieben. Sie sollen verhindern, dass das Wasser am landseitigen Deichfuß austritt und damit dessen Standsicherheit gefährdet. Das Land Sachsen investiert rund 1,5 Millionen Euro, Sachsen-Anhalt für den ersten Bauabschnitt 1,9 Millionen Euro. Die Maßnahme soll bis zum Frühjahr 2008 abgeschlossen sein. Für das Großvorhaben bekam sowohl auf sächsischer als auch auf anhaltinischer Seite die Süptitzer Baufirma EZEL den Zuschlag.

 

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