Keine Handbreit Wasser unterm Kiel

Mittwoch, 28. November 2007, 22:43 Uhr

Keine Handbreit Wasser unterm Kiel

Prager Zeitung online 28.11.2007

 

Es ist in diesem Jahr wenig los auf der Elbe, zumindest was die Binnenschifffahrt anbelangt. Von Januar bis September war der Fluss an 130 Tagen nicht beschiffbar, das ist fast die Hälfte des Zeitraums und ein trauriger Rekord. Im Vorjahr blieben die Schiffe wegen zu geringem Wasserstands an insgesamt 130 Tagen liegen, 2005 an 111 Tagen.

Die Reeder Tschechiens reagieren durch Abwanderung in andere Länder. Von den 110 tschechischen Binnenschiffen sind langfristig schon 60 Prozent auf anderen Flüssen unterwegs. Auf der Elbe halten nur noch zwei Reeder aus: die Tschechoslowakische Elbschifffahrt (Československá plavba labská) und die Europäische Binnenschifffahrt (Evropská vodní doprava). Mit dem Ausweichen auf andere europäische Flüsse konnten die tschechischen Schiffsbetreiber sogar ihr Transportvolumen um etwa 100 000 Tonnen steigern und insgesamt 1,6 Millionen Tonnen transportieren. Im Ausland beförderten die Reeder 850 000 Tonnen. Der über die Elbe abgewickelte Schiffstransport ging dagegen von Januar bis September 2007 um 200 000 Tonnen auf 750 000 Tonnen zurück. Und dieser Trend hält wohl an. „Der Anteil von Transporten im Ausland wird in diesem Jahr weiter ansteigen“, konstatiert Jiří Aster, Vorsitzender der Sektion Binnenschiffahrt im Verkehrsverband.

Über die Abwanderung der tschechischen Reeder ins Ausland ärgert sich auch das Verkehrsministerium. „Von den positiven Seiten der Binnenschifffahrt profitieren jetzt andere Staaten und nicht Tschechien“, sagt Vít Šimonovský, Sektionschef für Wasserstraßen am Verkehrsministerium. Die Vorteile sind laut Šimonovský geringe Emmissionswerte, niedrige Betriebskosten und günstige Preise für Exporteure und Importeure.

Das Verkehrsministerium hält deshalb immer noch an den Plänen für eine neue Staustufe bei Děčín fest. Dadurch könnte der Wasserstand am kritischsten Abschnitt stabilisiert werden. Die Elbe muss wenigstens 140 Zentimeter Tiefe erreichen, ansonsten bleiben die Schiffe stecken. Gegen die Staustufe haben sich jedoch wiederholt das Umweltministerium und ökologische Initiativen ausgesprochen. Sie befürchten, dass die sensiblen Ökosysteme an der Elbe dadurch Schaden nehmen können. „Eine weitere Schiffbarmachung der Elbe darf nicht im Widerspruch zum Umweltschutz stehen“, stellte schon vor Monaten Umweltminister Martin Bursík (Grüne Partei) fest. Nicht der Fluss müsse sich den Schiffen, sondern umgekehrt die Schiffe dem Fluss anpassen, heißt es aus dem Umweltministerium dazu.

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Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

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