KREISTAG Antrag gegen Saaleausbau kommt nicht durch.

Freitag, 19. Dezember 2008, 19:26 Uhr

KREISTAG Antrag gegen Saaleausbau kommt nicht durch.

Plötzkauer Auenwald soll in den Landesentwicklungsplan

mz-web.de VON HEIKO WIGRIM, 19.12.08

STASSFURT/MZ. Der Plötzkauer Auenwald soll wieder als Vorranggebiet für Natur und Landschaft in den Landesentwicklungsplan aufgenommen werden. Dies forderte der Kreistag auf seiner jüngsten Sitzung im Staßfurter Sparkassenschiff mehrheitlich.

Clemens Seeber (CDU) hatte auf das Versäumnis im Entwurf des Landesentwicklungsplanes aufmerksam gemacht: "Der Auenwald Plötzkau war früher im Plan enthalten, nun fehlt er." Schließlich handele es sich um ein Natur- und Landschaftsschutzgebiet von mitteleuropäischem Interesse. Unterstützung bekam Seeber von Hanni Musche (Grüne / UWG): "Eine Nichtaufnahme könnte wieder zu unkontrolliertem Holzeinschlag führen." Dann sei auch eine Nutzung als Bergbau- und Kiesabbaugebiet nicht auszuschließen.

"Beim Plötzkauer Auenwald haben wir das Problem, dass ein Teil des Auenwaldes Nutzwald ist, der auch bewirtschaftet wird." Dort gebe es Eigentümerinteressen und Eigentümerrechte. "Die können wir nicht so ohne weiteres aushebeln. Nehmen wir den Auenwald komplett hinein, dann haben wir das Dilemma, dass wir Eigentümerrechte nicht berücksichtigen."

Sabine Dirlich (Linke) forderte den Kreistag auf, sich gegen den Saaleausbau auszusprechen - aus ökonomischen und ökologischen Gründen. Der Kanal soll nun noch länger und noch teurer werden, so Dirlich.

Der Kreistag des Altkreises Bernburg habe sich für den Saaleausbau ausgesprochen, entgegnete Holger Dittrich (FDP). Mit dem Salzwerk, dem Sodawerk sowie dem Zementwerk habe Bernburg drei strukturbestimmende Betriebe der Grundstoffindustrie. Die abhängig davon sind, dass die infrastrukturellen Voraussetzungen im Landkreis so seien, dass Wirtschaft gedeihen könne. "Wenn wir die Rahmenbedingungen für die Industrie nicht nachhaltig verbessern, dann schaffen wir keine Arbeitsplätze." Und übrigens sei der Saalekanal keine Erfindung der Landesregierung. Die habe zunächst Staustufen befürwortet. Dann sei aber von den Natur- und Umweltschützern der Vorschlag gekommen, einen Saale-Seitenkanal zu bauen. Als sich CDU, SPD und FDP für den Bau ausgesprochen hatten, sei plötzlich von den Grünen Widerstand gekommen. "Lassen Sie uns von diesem Kreistag ein Signal für etwas setzen - für Arbeitsplätze und Investitionen. Lehen Sie bitte den Antrag von Frau Dirlich ab", meinte Dittrich.

Arnold Krüger (Grüne / UWG): Am Klimawandel kommen sie auch nicht vorbei. 1990 sind noch 900 000 Tonnen Richtung Halle über die Saale transportiert worden. In diesem Jahr so gut wie nichts. Dabei hatten Saale und Elbe von Mitte Dezember bis Ende Juli genügend Wasser - immer über zwei Meter. "Warum ist da niemand gefahren?" Von Juli bis Dezember war immer Niedrigwasser. Da hätte auch keiner über die Saale in die Elbe hinein fahren können."

"Wir haben in Staßfurt auch Sodawerke, die transportieren vollständig über Straße und Schiene ab", erklärte Hartmut Wiest (UWG Salzland). "Das wäre auf der Bode auch recht schwierig", raunte jemand halblaut durch den Sitzungssaal. Die Schiene sei günstiger als ein Wassertransport, sagte Wiest. Die Bahn AG habe ein Angebot gemacht, sämtlichen Transportbedarf über die Schiene abzuwickeln. Der Saalekanal sei ein Prestigeobjekt, das wirtschaftlich überhaupt nicht tragfähig sei.

Der Kreistag lehnte den Antrag von Sabine Dirlich mehrheitlich ab. Angenommen wurde hingegen ein Antrag von Manfred Püchel, in den Landesentwicklungsplan anstelle der Vorbehaltsgebiete für Landwirtschaft wieder Vorranggebiete aufzunehmen.

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