Laudatio zur Verleihung "Goldener Anker" 2005

Donnerstag, 20. Januar 2005, 10:05 Uhr

Laudatio zur Verleihung "Goldener Anker" 2005

von Bürgermeister Klemens Koschig

 

 

Laudatio des Bürgermeisters der Stadt Roßlau (Elbe), Klemens Koschig, anlässlich der Verleihung des "Goldenen Ankers" an Herrn Baudirektor Ulrich Finke, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Dresden am Sonnabend, 15. Januar 2005, 19:00 Uhr in der Elbe-Rossel-Halle zu Roßlau

 

Sehr geehrter Herr Finke,
sehr geehrte Frau Finke,
verehrter Herr Oberbürgermeister Otto,
werte Damen und Herren Mitglieder des Landtages Sachsen-Anhalt, des Kreistages Anhalt-Zerbst und der Stadträte von Roßlau und Dessau,
sehr geehrter Herr Präsident Pohlmann,
werter Herr Vorsitzender Herrmann,
liebe Schifferkameradinnen und -kameraden,
liebe Roßlauerinnen und Roßlauer,
werte Gäste,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

auch ich darf Sie alle recht herzlich zu unserem traditionellen Großen Schifferball in der Elbe-Rossel-Halle zu Roßlau an der Elbe willkommen heißen. Und wir dürfen uns auch in diesem Jahre wieder auf einen schönen Abend der Kurzweil und des gemütlichen Miteinanders freuen. Der Große Schifferball gehört unumstritten zu den ganz großen Höhepunkten im gesellschaftlichen Leben unserer Stadt, so wie es die Bälle in allen anderen Schifferstädten und -gemeinden in diesen Tagen und Wochen auch tun. In alten Tagen ruhte um diese Zeit für gewöhnlich die Schifffahrt, da der Strom zugefroren war oder der Eisgang jede Schifffahrt unmöglich machte.

Zeit für die Familie, Zeit für die Kameradschaft, Zeit für die uralten Bräuche und Traditionen. Ich bin dankbar, dass sie in Roßlau noch so liebevoll gepflegt und bewahrt werden. Sie geben unserer Stadt ihr ganz besonderes Gepräge, macht sie ein gutes Stück unverwechselbar. Dies ist ein besonderer Reichtum, den wir stolz in die neue Doppelstadt Dessau-Roßlau einbringen dürfen, der diese Stadt reicher und bunter machen wird. Und dabei wird es immer die Schifferstadt Roßlau bleiben, wie es zum Beispiel beim niederrheinischen Grieth und vielen anderen Schiffergemeinden auch der Fall ist.

Und ich freue mich, dass Jahr für Jahr so viele Schiffervereine unsere Stadt besuchen, um Verein und Schiffertraditionen die Ehre zu erweisen. Ich heiße Sie alle herzlich willkommen und darf unter unseren Gästen den Vorsitzenden des Landesverbandes von Schiffervereinen aus Sachsen-Anhalt e.V. Herrn Ernst-Wilhelm Wehlmann aus Alsleben an der Saale besonders herzlich begrüßen.

Ich habe die Ehre, den diesjährigen Schifferball mit einem ganz besonderen Zeremoniell zu eröffnen. Es war die Idee und Initiative von Udo Bangel vom Schifferverein "Grete Minde" Tangermünde, die vom Landesverband von Schiffervereinen aus Sachsen-Anhalt (dessen Gründung übrigens bei einer Zusammenkunft der Schiffervereine in Roßlau vereinbart wurde) vor einiger Zeit übernommen wurde: die Verleihung des "Goldenen Ankers" an Persönlichkeiten, die sich um die Binnenschifffahrt im allgemeinen und die Schifffahrt auf Elbe und Saale im besonderen verdient gemacht haben. Für dieses Jahr hat der Roßlauer Schifferverein 1847 e.V. den Zuschlag erhalten, die Verleihung durchzuführen.

Seit dem 12. März 2002 trifft sich unter dem Motto "Navigare necesse est" - Schifffahrt tut not! die AG Elbe der Stadt Roßlau. In ihr kann jeder mitarbeiten, dem die Schifffahrt auf der Elbe, der Erhalt der Wasserstraße Elbe und selbstverständlich auch derer Natur am Herzen liegen. Höhepunkt unserer Arbeit war bisher der Besuch von Bundesverkehrsminister Dr. Manfred Stolpe am 29. August 2003 in unserer Stadt und seine "Roßlauer Erklärung" zur Wiederaufnahme von Reparaturarbeiten an der Elbe. Nach über einem Jahr sollte es endlich möglich sein, die Zerstörungen des gewaltigen Hochwassers vom August 2002 an den Flussbauwerken zu reparieren.

Mein Dank gilt an dieser Stelle allen, die mit dafür eintraten, sich aktiv dafür einsetzten, dass dies möglich wurde. In totaler Verkennung jeder Realität wurde unseren Buhnen und Deckwerken die Schuld am Jahrhunderthochwasser zugeschoben, und es gelang den sich Elbeschützer nennenden Initiativen einen totalen Baustop durchzusetzen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich, dass der Landesverband unserem Vorschlag zugestimmt hat, einem Mann heute Dank und Anerkennung zu sagen, der damals mit am meisten litt. Als beamteter Mitarbeiter der Bundeswasserstraßenverwaltung zur Loyalität verpflichtet musste er zu diesem hanebüchenen Blödsinn gute Miene zum bösen Spiel machen. Wie er es tat, nötigt mir, nötigt uns große Hochachtung ab.

Ich freue mich ganz besonders, Sie verehrten Herrn Baudirektor Ulrich Finke und Ihre Gattin als Gäste unter uns begrüßen zu können. Ich weiß, Sie kommen gern zu uns nach Roßlau. Als Ehrengast zu uns zu kommen, ist aber eine Novität. Herzlich willkommen.

Ich begrüße auch Ihren Chef, Herrn Präsidenten Pohlmann, der es sich nicht nehmen ließ, bei diesem schönen Anlass mit dabei zu sein. Auch Ihnen ein herzliches Willkommen.

Herr Finke, werte Gäste, ist wie sehr viele unter uns ein Kind der Elbe, an der Elbe geboren und ihrem Bann bis heute erlegen.

In den 80-er Jahren haben einmal junge Leute aus Köln meinen Freund und mich während eines Besuchs in Danzig versucht für eine Flucht in den Westen zu gewinnen und deshalb denselben in den schönsten Tönen gelobt. Auf die Frage, warum das für uns nicht in Frage käme, antworteten Herr Hofmeister und ich, dass dies alles stimmen möge, aber eines gäbe es in Köln auf keinen Fall: die herrlichen Elbauen mit ihren Eichen und dem unvergleichlichen Elbstrome.

Ulrich Finke wurde am 26. Oktober 1940 in Meißen geboren. Dieser über 1000-jährigen Stadt an der Elbe ist er bis heute treu geblieben. Es ist ja auch eine der schönsten Städte an der Elbe. Und als ich Herrn Finke das erste Mal kennen lernte, da stand vor mir einer jenes besonderen Menschenschlages voller Freundlichkeit und Fröhlichkeit, menschlicher Wärme, der mich so gern an meine Kindheitstage zurückdenken lässt, als wir zu den Großeltern in die Ferien fahren durften. Sie wohnten in der Meißener Vorbrücker Straße, und der erste Weg meiner Brüder und von mir war stets der Gang zur Aussichtskanzel am Ratsweinberg mit dem herrlichen Panorama von Stadt, Albrechtsburg und Dom über dem Elbestrom. Während mein Vater nach der Vertreibung "nur" seine Jugend- und Studienzeit in Meißen verbrachte, so haben wir noch einen waschechten Meißener unter uns. Es ist der Vorsitzende unseres Roßlauer Schifferverein 1847 e.V., Dieter Herrmann. Mal ehrlich, liebe Schifferkameraden, liebe Roßlauer, was täten wir ohne diesen Import?

Doch zurück zu unserem Ehrengast. Nach dem Besuch der Grund- und Oberschule in Meißen studierte er von 1961 - 1966 an der Verkehrshochschule Dresden. Und schon die Diplomarbeit sollte richtungsweisend für sein ganzes Leben werden: "Untersuchung der Schifffahrtsverhältnisse auf der Elbe". Anschließend begann er seine berufliche Tätigkeit als wissenschaftlich-technischer Mitarbeiter im Wasser-straßenamt Dresden. Ohne Elbe ging es einfach nicht. Als er 1970 in das Büro für Verkehrsplanung beim Rat des Bezirkes Dresden gerufen wurde, hielt er es gerade mal 14 Tage aus. Es zog ihn zurück in das Wasserstraßenamt. Ja, wer weiß? Vielleicht wären Sie jetzt Ministerialdirigent im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit. Aber ich glaube, Sie hätten wohl wenig Freude daran.

So blieben Sie lieber ein gutes Stückchen weg in der Moritzburger Straße, aber dafür viel näher am Fluss.

Zum 01. Januar 1980 wurde die Wasserstraßenverwaltung in der ehemaligen DDR umorganisiert. Sie wurden Oberinspektor im Wasserstraßenamt. Das waren jetzt Außenstellen des Wasserstraßenaufsichtsamtes Berlin. Ab 01. Februar 1983 waren Sie dann als Amtsleiter in Dresden tätig. Und ich darf an dieser Stelle auch erwähnen, dass Sie im Jahre 1988 die Verdienstmedaille der Seeverkehrswirtschaft in Bronze verliehen bekamen.

Dann kam die Wende, und Sie erhielten am 03. Oktober 1990 den Dienstposten des Sachbereichsleiters 3 im Wasser- und Schifffahrtsamt Dresden zur Probe. Daraus wurde am 18. März 1991 ein Dauerdienstposten, aber die Probezeit wollte kein Ende nehmen.

Am 01. Januar 1993 wurden Sie probeweise Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Dresden und ein halbes Jahr später der Leiter derselben, was Sie ja auch bis heute sind. Am 17. September 1993 wurden Sie unter Ernennung zum Bauoberrat in das Beamtenverhältnis übernommen. Dem folgte am 01. Juni 1996 die Ernennung zum Baudirektor.

Verehrter Herr Finke,

so weit die trockenen Zahlen, aber was könnten Sie alles aus 40 Jahren Dienst für die Wasserstraße Elbe und das Wasser- und Schifffahrtsamt, Ihr Wasser- und Schifffahrtsamt Dresden erzählen?

Die Unterhaltung der Elbe in den Zeiten von Planwirtschaft und Materialknappheit, mit Ansehen müssen, wie die Russen Buhnen und vor allem Deckwerke zerstören. Man überlege nur einmal, welche Verbesserungen der Schifffahrtsverhältnisse allein oberhalb Roßlaus eintraten, als die Regulierungsbauwerke wieder repariert waren. Ja, und dann kam die Zeit des Neubeginns mit allen ihm innewohnenden Möglichkeiten. Noch einmal richtig durchstarten, und der Elbe zu ihrem alten Ruhme, ihrer großartigen Bedeutung für Wirtschaft und Kultur zu verhelfen.

Und wir waren alle angesteckt von dieser Euphorie: Wir haben wirklich die Ärmel hochgekrempelt.

Und der Bundesverkehrswegeplan 1992 gab uns guten Grund optimistisch in die Zukunft unseres Flusses zu blicken. Jenes Flusses, der in der deutschen Geschichte eine herausragende Bedeutung hatte und natürlich wieder bekommen sollte, wie es schon 1845 von Münnich beschrieben worden war:

 

"Der Elbstrom, nach der Länge seines Laufes von 154 Meilen, wovon über 100 schiffbar sind, nach der malerischen Schönheit seiner oberen Ufer, nach der Menge und Merkwürdigkeiten seiner Uferstädte (50 bis 60) und nach seiner Wichtigkeit für Schiffahrt und Handel, der dritte Hauptstrom Deutschlands, innerhalb dieser Grenzen er entspringt und 18 Meilen unter Hamburg meilenbreit in die Nordsee mündet, hat einen kleinen Anfang, wie alles Große auf Erden, und wird erst allmählich groß und mächtig durch den Zufluss vieler kleiner Gewässer.

Die Elbe durchströmt, von ihrem Ursprunge an, Böhmen, Ober- und Niedersachsen, und bespült mit ihren Wellen die Ufer von 10 deutschen Bundesstaaten, namentlich die Königreiche Böhmen und Sachsen, die preußischen Provinzen Sachsen und Brandenburg, die Herzogthümer Anhalt=Dessau, =Köthen, =Bernburg, das Großherzogthum Meklenburg=Schwerin, das Königreich Hannover, die freie Stadt Hamburg und die dänischen Herzogthümer Lauenburg und Holstein. Ihren Lauf beginnt sie in einer großen und erhabenen Felsenwelt, auf dem Riesengebirge, und setzt ihn dann zwischen reizenden Rebenhügeln und endlich zwischen fruchtbaren Gefilden bis zur Mündung fort, indem sie bald vor blühenden und gewerbereichen Städten und gewaltigen Festungen, bald vor malerischen Landschaften mit Schlössern, Burgen, Ruinen, Dörfern und Kirchen vorüberfließt, und auf diesem Laufe den Adler, die Moldau, die Eger, die Iser, die schwarze Elster, die Mulde, die Saale, die Havel mit der Spree und viele kleine Flüsse aufnimmt."

Überall längs des Stromes "regte sich Bildung und Streben". Bei uns in Roßlau wurde der wieder zum Leben erweckte Industriehafen zu einem Motor der regionalen Wirtschaftsentwicklung.

Dann kamen leider immer mehr Einwürfe, und die Elbe machte es uns auch nicht einfacher. Der Rückgang der Verschmutzung führte zu größerem Eisgang in harten Wintern. Bis vor Magdeburg stand schon das Eis. Hochwassern folgten extreme Niedrigwasser. Mit allem sind wir gemeinsam, wenn auch oft unter schwierigsten Verhältnissen, klar gekommen. Wir sind auch mit dem Jahrhunderthochwasser zurecht gekommen.

Aber was dann mit dem Baustop folgte, das konnte einem schon zum Verzweifeln bringen. Da hat man eine motivierte Mannschaft an der Seite, die für ihre Elbe brennt und nichts lieber täte, als die Hochwasserschäden so schnell wie möglich zu beseitigen, und man muss sie ausbremsen, zum (Fast-)Nichtstun verdammen!

Man wirft uns Beamten gern vor, die Arbeit nicht erfunden zu haben. Das tut schon genug weh. Aber dass man Beamte und Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes zum Nichtstun zwingt, das war neu - und für uns schockierend.

In dieser Zeit habe ich Ulrich Finke bewundert, wie er trotz allem Irrationalen seine Leute motivierte und wie er es trotz aller gebotenen Loyalität vermochte, für seine Elbe, ihre Natur und natürlich ihre verkehrliche Nutzung einzutreten. In diesen Wochen und Monaten wurde mir Ulrich Finke zum Vorbild und Lehrer.

Möglicherweise ist so etwas nur einem Sachsen gegeben, aber ich darf an dieser Stelle den Preußen Theodor Fontane (1819-1898) zitieren:

"Du wirst es nie zu Tücht'gem bringen
bei deines Grames Träumerein,
die Tränen lassen nichts gelingen:
Wer schaffen will, muß fröhlich sein."

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren, werte Gäste,

 

  • als Lebensader
  • als Verkehrsweg mit ungeahnten Möglichkeiten ökologischen Transports
  • als einzigartigen Naturraum und großartiger Erholungslandschaft, Kraft zu schöpfen für den Alltag,
  • aber auch als Raum für Begegnungen mit den immer zahlreicher werdenden Menschen, die unsere Elbe und die Kulturstätten an ihren Ufern aufsuchen.

 

Dafür steht Ulrich Finke an besonderer Stelle, und er tut es seit 40 Jahren mit ganzer Kraft und vollem Engagement und fröhlichem Sinne. Navigare necesse est. - Schifffahrt tut not!

Im Namen der Schifferstadt Roßlau (Elbe), im Namen des Landrates des Landkreises Anhalt-Zerbst, der heute einer privaten Verpflichtung wegen leider verhindert ist, aber auch in meinem eigenen Namen gratuliere ich Ihnen ganz herzlich zur Verleihung des "Goldenen Ankers", der höchsten Auszeichnung der Schiffervereine unseres Landes, wünsche Ihnen alles erdenklich Gute und darf Sie jetzt nach vorn bitten.

Ich darf Ihnen zunächst die Verleihungsurkunde verlesen. Unser Vereinsvorsitzender übernimmt dann die eigentliche Verleihung.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
werte Festgäste,

uns allen aber wünsche ich angenehme Stunden und interessante Gespräche. Dankeschön.

 

Galerien

Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

Aktuelles

Neuigkeiten per RSS Button

Saaleinfo Newsletter

Redaktion © VHdS e.V.
Grafik, Layout © 2005-2018 atnexxt – Agentur für Design und E-Business, Webdesign in Halle (Saale)