Leben auf dem schwimmenden Internat

Montag, 14. Mai 2007, 21:06 Uhr

Leben auf dem schwimmenden Internat

FOCUS Online 12.05.07 Teil 2
Mittlerweile gehen die Ausbildungszahlen in der Binnenschifffahrt wieder nach oben. Über 350 Lehrlinge gibt es laut Arbeitgeberverband der Deutschen Binnenschifffahrt derzeit. „Nur haben die meisten noch nicht begriffen, dass wir das alte Problem irgendwann wieder haben werden“, sagt der Duisburger Schulleiter.

Nicht weil den Betrieben das Geld für die Ausbildung fehle, sondern weil sich keine jungen Menschen für den Beruf fänden. Die meiste Zeit sind die Nachwuchsmatrosen mit ihren Ausbildungsschiffen unterwegs. Nur für die Theorieblöcke kommen sie nach Duisburg. Ständige Ortswechsel, lange Zeiten auf dem Wasser, weg von Freunden und Familie – „welcher junge Mensch ist denn bereit dazu?“, fragt Portmann.

Straffes Bordleben

Juri ist bereit dazu. Der 19-Jährige ist einer von 112 Schülern, die für den laufenden Theorieblock in Duisburg sind. „Ganz einfach ist es nicht, dass man so viel weg ist“, meint der Hamburger. Vor allem die Frauen seien davon nicht begeistert – und das schmerzt ihn am meisten. „Andererseits hat man schon mal zwei Wochen frei zwischendurch.“ Mit den anderen über 100 Schiffsjungen und Schiffsmädchen lebt Juri während des Theorieblocks in einem schwimmenden Internat: auf dem Schulschiff Rhein, das an das Berufskolleg angegliedert ist. Dort herrscht straffes Bordleben: Um sechs Uhr Wecken, um 6.30 Uhr Frühstück, dann Kabinen aufräumen, Kontrolle überstehen und ab in die Schule.

„So viele Leute auf einen Raum“

Nach dem Unterricht kommen die angehenden Schiffer zurück an Bord, essen Mittag und kümmern sich um das Schiff: Deck schrubben, Geländer streichen, Rudern trainieren oder Taue spleißen. Das Schulschiff sei ein besonders harter Teil der Ausbildung, meint Juri. „So viele Leute auf engem Raum, da muss man sich durchsetzen können“, bestätigt sein Kollege Martin aus Wismar.

Jeder Schüler findet sofort eine Stelle

Um ihre Zukunft machen sich die Nachwuchsschiffer keine Sorgen. In den vergangenen Jahren habe jeder Schüler nach der Ausbildung sofort eine Stelle gefunden, sagt Manfred Wieck, stellvertretender Leiter des Berufskollegs. Und auch Juri weiß schon, dass seine Reederei ihn nach der Ausbildung übernimmt.

 

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Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

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