Leinen los für die Jungmatrosen

Montag, 14. Mai 2007, 20:55 Uhr

Leinen los für die Jungmatrosen

FOCUS Online 12.05.07, Teil 1

Morgens Radarlehre, mittags Deck schrubben: An der größten deutschen Binnenschiffer-Schule büffeln Nachwuchsmatrosen für das Leben an Bord.

Mit einem 80 Meter langen Transportschiff sind Mike, Christian und Daniel auf dem Rhein unterwegs. Gegenverkehr taucht auf, das Radargerät warnt, per Funk meldet sich das entgegenkommende Schiff und dann geht alles ganz schnell: Havarie. Die Schiffe sind gegeneinandergeprallt. „Das gibt Ärger“, stöhnt Christian. Der Unfall war nur virtuell – der Ärger ist dagegen leibhaftig. Die drei sind in den letzten Zügen ihrer Ausbildung und büffeln im Radarsimulator für ihre Abschlussprüfungen – am Schifferberufskolleg in Duisburg, der größten Schule für Binnenschiffer in Deutschland.

Proben für den Ernstfall

Über das Jahr verteilt kommen über 300 angehende Binnenschiffer an die Duisburger Schule. In dreimonatigen Blöcken lernen sie dort, was sie zusätzlich zur Praxis an Bord für ihren Beruf brauchen – Elektrotechnik, Motorenlehre, Nautik, juristische und kaufmännische Grundlagen, aber auch Kochen oder Rettungsschwimmen. Sogar eine große Tankschiffsektion steht auf dem Schulgelände. Damit proben die künftigen Matrosen das Beladen des Schiffes mit Gefahrgut – und den Ernstfall: Feuer an Bord.

Riesenbedarf an Nachwuchs

Die schulische Ausbildung in Duisburg ist gefragt. Die Schweiz schickt längst alle ihre Auszubildenden in die Ruhrgebietsstadt. Die Österreicher seien noch am Überlegen, erzählt Schulleiter Hans-Günter Portmann – und auch die Polen hätten angefragt: Sie wollen sich Teile des Duisburger Systems abgucken. „Da ist ein Riesenbedarf in der Binnenschifffahrt, Nachwuchs auszubilden“, meint Portmann. Die Alterspyramide stehe in dem Beruf komplett auf dem Kopf.

Schifffahrtskrise Mitte der 90er-Jahre

Mitte der 90er-Jahre wurden die Frachten in der Binnenschifffahrt liberalisiert, die Preise waren fortan frei verhandelbar und die Schiffer stürzten in eine Krise: Die Zahl der Schiffe ging zurück, an der Ausbildung wurde gespart. Im Schuljahr 1998/1999 hatte das Duisburger Schifferberufskolleg gerade mal 68 Schüler, erzählt Portmann. Anderen Schulen ging es ähnlich, die meisten mussten schließen. Übrig blieben nur Duisburg und ein kleiner Standort bei Magdeburg, an dem heute ein paar Dutzend Schüler lernen.

FOCUS Online

Galerien

Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

Aktuelles

Neuigkeiten per RSS Button

Saaleinfo Newsletter

Redaktion © VHdS e.V.
Grafik, Layout © 2005-2018 atnexxt – Agentur für Design und E-Business, Webdesign in Halle (Saale)