Leserbrief zum Tornitzer Kanal

Mittwoch, 02. Juli 2008, 21:49 Uhr

Leserbrief zum Tornitzer Kanal

von Karl Jüngel

Aus verschiedenen Gründen musste ich mich mit der Schifffahrt auf der Saale und dem Bau der Anbindung des Flusses an den Strom Elbe befassen. Mir ist bekannt, dass Freiheit immer die der anders denkenden ist, aber was in einigen Leserbriefen zu diesem Thema von sich gegeben wird, kann ich absolut nicht nachvollziehen.

Ein Beispiel (MZ vom 24. Juni 2008): Die Saale mündet in die Strecke 5 der Elbe, die von der Saalemündung bis zum Rothenseer Verbindungskanal reicht. Dieser Abschnitt ist, bezogen auf die Tauchtiefe der beste der Elbe. Im Jahr 2007 betrug die Fahrrinnentiefe an 340 Tagen mehr als 160 cm. Nur an 22 Tagen lag der Wert darunter. Warum also die Aussage: Und mehr als 1,60 m hat die Elbe nun mal so gut wie nie, abgesehen davon, dass Tauchtiefe nicht gleich Wassertiefe ist.

Der Tiefgang eines Schiffes hängt allein von der Ladungsart ab. Tiefgänge von größer als 200 cm treten eher selten auf. Bei Stückgütern oder Projektladungen so gut wie nie und ein Schiff mit Getreide z.B. erreicht wegen der relativ geringen Dichte der Ladung bei voller Ausladung nicht mehr als 150 cm. Auch in der Containerschifffahrt sind die durchschnittlichen Tiefgänge der Schubleichter nicht anders, weil in diesen Transportbehältern die unterschiedlichsten Gutarten und Konsumgüter befördert werden. Das Schubschiff selbst hat einen Tiefgang von 80 cm. Ein großer Teil der Container kommt auch als Leergut aus Übersee zum Exportbetrieb zurück, die Transportlogistik verlangt das so.

Noch ein Wort generell zu Wasserstraßen. Wir verfügen in Deutschland über ein relativ gutes Wasserstraßennetz, besonders in den alten Bundesländern. Der Nord-Ostsee-Kanal stand vor mehr als 100 Jahren auch in heftiger Diskussion. Heute ist er mit 98,5 km der am meisten befahrene Kanal der Welt mit mehr als 40.000 Schiffspassagen/Jahr, ohne Sportschifffahrt mit nochmals ca. 14.000/Jahr . Um den Bau des Mittellandkanals beginnen zu können, musste die Eder in Hessen aufgestaut und 6 Gemeinden umgesiedelt werden. Der dadurch entstandene Edersee speist noch heute in abflussschwachen Zeiten die Fulda, die Oberweser und durch ein Pumpwerk bei Minden den Mittellandkanal. Dadurch schwank der Wasserstand des Edersees innerhalb eines Jahres um ca. 20 m, was durch die Tourismusunternehmen und Anlieger ohne Einspruch hingenommen wird. Zur Erinnerung: die Bleilochtalsperre (1932) und die Hohenwarthetalsperre (1941) wurden gebaut, um an Saale und Elbe die Tauchtiefen analog der Funktion des Edersees aufzubessern. Was ist daraus geworden, neben der Aufwertung der Landschaft nur ein Naherholungszentrum in der DDR und daraus ein Gewohnheitsrecht der heutigen Anlieger der konstanten Füllung der Speicherbecken zum persönlichen Vorteil. Neben anderen Beispielen sei auch der Elbe-Seiten-Kanal (1972) aufgeführt. Er stand nach seiner Inbetriebnahme heftig unter Kritik. Heute, nach ca. 40 Jahren, laufen Planungen für dessen Erweiterung. Das einst größte Schiffshebewerk Europas in Scharnebeck (bei Lüneburg) hat seine Leistungsgrenzen erreicht und soll (muss) ersetzt werden. Ähnlich ist die Entwicklung am Main-Donau-Kanal und an der Mosel.

Zurück zum Tornitzer Kanal - er wird nicht nur dringend benötigt, sondern wird die Entwicklung in unserem Lande in der Perspektive wesentlich beeinflussen. Nach dem PLANCO-Gutachten steht bei einer Investition von 1 € ein Gewinn von 2,3 € gegenüber. Ladungspotential ist im Mitteldeutschen Wirtschaftsraum um Bernburg mit drei Großbetrieben und der weitläufigen Region um Halle ausreichend vorhanden, wovon ich mich persönlich überzeugen konnte. Zudem ist der trimodale Hafen in Halle vorzüglich auf kommende Aufgaben vorbereitet

Ich hoffe, unsere Politiker werden diese Projekt, zum Gemeinwohl aller Bewohner Sachsen-Anhalts durchziehen. Ich bin überzeugt, dass nach dessen Realisierung auch die Frage der Fertigstellung des Südflügels des Mittellandkanals mit dem Anschluss Leipzigs an die Saale gestellt wird.

Karl Jüngel An der Elbe 11 06886 Wittenberg

4.Juli 2008

ich verbleibe mit freundlichen Grüßen

 

Karl Jüngel  karl.juengel@arcor.de

Galerien

Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

Aktuelles

Neuigkeiten per RSS Button

Saaleinfo Newsletter

Redaktion © VHdS e.V.
Grafik, Layout © 2005-2018 atnexxt – Agentur für Design und E-Business, Webdesign in Halle (Saale)