Magdeburg/MZ.: Ausbau der Elbe steht auf der Kippe

Sonntag, 11. Juni 2006, 18:56 Uhr

Magdeburg/MZ.: Ausbau der Elbe steht auf der Kippe

Stoppt Bundesregierung Projekt? - Land kündigt Widerstand an - Freude bei Naturschützern von Kai Gauselmann, 11.06.06,

Magdeburg/MZ. Der Ausbau heder Elbe in Sachsen-Anhalt steht offenbar auf der Kippe. Wie das Magazin "Der Spiegel" berichtet, soll Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) in seinem Ministerium den Verzicht auf den Ausbau des Elbe-Abschnitts zwischen Geesthacht (Schleswig-Holstein) und der tschechischen Grenze verkündet haben.

Daehre erzürnt

Die Nachricht sorgt bei Umweltschützern für Freude, Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) reagierte dagegen mit Kritik. Im Gegenzug für das Aus beim Elbe-Ausbau soll Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) nun bereit sein, einem Ausbau der Unterelbe zwischen Hamburg und der Nordsee zuzustimmen, berichtet das Magazin weiter. In Sachsen-Anhalt fließt die Elbe auf 330 Kilometern, das ist ein Drittel der Flusslänge.

Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre zürnte, dass ohne den Ausbau "Mitteldeutschland vom Wasserwegenetz abgeschnitten" werde. Er kündigte Widerstand an. "Das werden wir nicht hinnehmen." Daehre befürchtet negative Auswirkungen auf den "Logistikstandort Sachsen-Anhalt". Ohne Elbe-Ausbau würden bei dem zunehmenden Lkw-Verkehr bald "die Straßen verstopft sein". Ungehalten reagierte Daehre darauf, dass im Gegenzug der Elbe-Abschnitt von der Nordsee bis Hamburg vertieft werden soll. "Da wird mit verschiedenem Maß gemessen. Bis Hamburg können dann die ganz großen Schiffe fahren - und uns bleiben nur noch Paddler. Das kann doch nicht wahr sein."

"Es ist sehr zu begrüßen, dass endlich Vernunft einzieht", reagierte hingegen Ernst-Paul Dörfler vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) auf die Neuigkeit. Dörfler, der seit 1992 gegen den Ausbau kämpft, blieb allerdings auch misstrauisch. "Ich glaube das erst richtig, wenn auch das Aus für den Saale-Ausbau verkündet wird", sagte er. Wenn sich die Bundesregierung wirklich vom Ausbau der Elbe verabschiede, sei der Saale-Ausbau auch überflüssig. Es mache keinen Sinn, wenn die großen Transportschiffe die Saale befahren könnten, aber dann anschließend die Elbe nicht.

Saale-Projekt fraglich

Daehre bestätigte, dass nun auch der Saale-Ausbau in Gefahr geraten könne. "Das könnte jetzt auch kippen." Er wolle jetzt schnellstmöglich Klarheit und am Montag Kontakt mit Tiefensee aufnehmen. Damit große Transportschiffe die Saale befahren können, müsste bei Calbe ein 7,5 Kilometer langer Schleusenkanal gebaut werden, womit eine Engstelle im Flusslauf umfahren werden könnte. Den Angaben Dörflers zufolge würde das Projekt 90 Millionen Euro kosten.

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