Magdeburg will Duisburg des Ostens werden

Mittwoch, 24. November 2004, 14:06 Uhr

Magdeburg will Duisburg des Ostens werden

in: "Schiffahrt und Technik" Nr.7 November 2004

"Das neue Containerterminal in Magdeburg ist kein solitäres Projekt auf der berühmten grünen Wiese, sondern die konsequente Weiterentwicklung einer schon bestehenden Industriezone mit zahlreichen hafenaffinen Ansiedlern", erklärte Karl-Heinz Ehrhardt, Geschäftsführer der Magdeburger Hafen GmbH, anlässlich des 1. Rammschlages zum Ausbau des Hansehafens am19. Oktober in Magdeburg.

Das Projekt hat ein Investitionsvolumen von ca. 35 Mio. € und umfasst1,7 km gespundete Kaimauer, ein KV-Terminal mit Bahn- und Straßenanschluss, eine Umschlagstelle für Schwergüter und die Erschließung von etwa 40 ha Ansiedlungsfläche zum Aufbau bzw. zur Ergänzung der Logistik- und Wirtschaftszone Magdeburg-Rothensee. Der Containerterminal erhält einen Portalkran mit 50 t Hubkraft (unter Spreader 40 t), der 20 m über die Kaikante hinausragt und einen neuen Reachstacker. Gefahrgutcontainer können in eine mobilen Edelstahlwanne gelagert werden. Das ehrgeizige Realisierungsziel heißt: 2006 Inbetriebnahme des KV-Terminals und 2007/2008 Fertigstellung des Gesamtprojektes.

In unmittelbarer Nähe des neuen Hafens hat der Marktführer zur Herstellung von Windkraftanlagen in Deutschland seinen Produktionsstandort. Gemeinsam mit dem Hafen Magdeburg hat das Unternehmen das Konzept für den Umschlag von Flügeln, Generatoren und anderer Schwerteile über die Kaikante des Hansehafens erarbeitet. Die immer größer werdenden Windkraftanlagen gehen von Magdeburg aus per Binnenschiff in alle Welt.

Wichtigstes Standbein des Hansehafens soll der wachsende Containertransport auf der Elbe und auf dem Mittellandkanal sein. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres wurden in Magdeburg bereits so viele Container umgeschlagen, wie im gesamten Jahr 2003. Das realistische Ziel für 2004 sind 10.000 TEU. Davon wird die Deutsche Binnenreederei AG als Partner für den Liniendienst im Hinterlandverkehr des Überseehafens Hamburg mit etwa 8.500 TEU den Hauptanteil transportieren. Bei 12.000 bis 14.000 TEU liegt der break-evenpoint, dessen Erreichung der Hafen Magdeburg für 2005 im Visier hat.

Die Zielmarke von 20.000 TEU in drei bis vier Jahren scheint bei anhaltender Containerkonjunktur im Welthandel durchaus realistisch zu sein.

Hansehafen Magdeburg

  • Erschließungsfläche 40 ha
  • Spundwand 1.400 m
  • Hafenbahngleis 3.500 m
  • Werks- und Ladestraße 700 m
  • Bauvolumen 34,5 Mio.Euro
  • Planung und Ausschreibung: 2003/2004
  • Baubeginn der
  • Spundwand: Oktober 2004
  • Fertigstellung
  • Containerterminal 2006
  • Fertigstellung
  • Gesamtvorhaben: 2008

"Möge von diesem 1. Rammschlag das Signal ausgehen, dass Magdeburg gut aufgestellt ist, um Investoren anzuwerben"

so Dr. Karl-Heinz Daehre, Minister für Bau und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt.

Das Wirtschaftsministerium hat den Hansehafen gefördert, um attraktive Rahmenbedingungen zur Ansiedlung neuer Unternehmen zu schaffen. Einige Erfolge sind bereits zu verzeichnen. Aufmerksamkeit verdient die Tatsache, dass sich Madeburg relativ

"lautlos zu einem Containerumschlagplatz für den Außenhandel mit China profiliert"

erklärte Andreas Schaper, Abteilungsleiter im Ministerium für Wirtschaft und Arbeit.

Gute Geschäftskontakte wurden dafür auch auf der Fachmesse, Transport Logistik China´ im Mai dieses Jahres in Shanghei geknüpft, auf der die Magdeburger Hafen GmbH zusammen mit dem Hafen Hamburg als Aussteller vertreten war.

Der Hafen Magdeburg entwickelt sich mit dem Hansehafen und dem darin integrierten KV-Terminal immer mehr zu einem zentralen Logistikstandort im mitteldeutschen Wirtschaftsraum mit perfekter Trimodalität. Innerhalb eines vergleichsweise minimalen Radius von zwei Kilometer finden sich Schienen-, Wasserstraßen- und Autobahnanschluss für eine optimale Fernverkehrsanbindung. Die führende Logistikkompetenz der Magdeburger Hafen GmbH ist damit immer mehr nicht nur ein Schlagwort, sondern gelebtes Handeln.

Allerdings ist diese Entwicklung auch an die Voraussetzung geknüpft, dass die Elbe einen Ausbauzustand erhält, der den wirtschaftlichen Containertransport möglich macht. Dabei darf z.B. auch die "sanfte" Behandlung des Domfelsens in Magdeburg kein Tabu sein.

Dr. Günter Teßmann Europahafen am Wasserstraßenkreuz

Nach dem Vorbild der Entwicklung Duisburgs in den 50er Jahren schickt sich Magdeburg an, seine wieder gewonnene zentrale Lage als Schnittpunkt zwischen den Häfen an Nord- und Ostsee und den immer stärker zunehmenden Ost-West-Verkehren zu beleben.

"Als Dienstleister der Seehäfen im Hinterland und als Bindeglied zu den stark anwachsenden Landverkehren ist Magdeburg im Herzen der mitteldeutschen Industrielandschaft gut positioniert"

meint Hafenchef Karl-Heinz Ehrhardt.

Über 80 qualifizierte und motivierte Mitarbeiter, 655 Hektar Hafenfläche, 6 km Kailänge, 54 km Gleisnetz, Kräne bis zu 42 t Kapazität, 3 eigene Lokomotiven, ausreichend Freilagerflächen und überdachte Läger sind täglich verfügbares Equipment der Magdeburger Häfen und notwendige Infrastruktur mit Wachstumsreserven für die Verladende Wirtschaft.

Ehrhardt sieht den Binnenhafen als Idealform des Güterverkehrszentrums. Damit ist die Rolle des Hafens als Allround- Dienstleister vorgezeichnet. Die Magdeburger Hafen GmbH will sich künftig auf drei Säulen stützen:

     

  • Logistische Dienstleistungen,
  • Industrieansiedlung, Infrastrukturentwicklung,
  • Traditionelles Hafengeschäft

Für Ehrhardt sind die Säulen 1 und 2 die Wachstumsbereiche der Zukunft wobei er Magdeburg als Hinterland-Hub und Kompetenzzentrum für Logistik sieht. Aufgrund der exzellenten trimodalen Anbindung sieht Ehrhard gute Chancen, die reichlich vorhandenen Ansiedlungsflächen nach und nach mit Industrie- und Dienstleistungsunternehmen zu füllen. Dazu wird auch die geänderte Förderpolitik von Bund und Land beitragen, die sich künftig auf Entwicklungskernzonen konzentrieren wird.

Das gerade an der Elbe schmerzlich erfahrene mangelnde politische Gewicht des Verkehrssystems Binnenschifffahrt/Häfen kann nach Ehrhardts Ansicht nur mit stärkerer Kooperation der Verbände und einem intensiveren Auftritt in Berlin verbessert werden.

Die gegenwärtige Zweigleisigkeit der Verbandsarbeit in BöB und BDB müsse durch einen auch finanziell starken Verband nach schweizerischem Muster abgelöst werden.

"Dem Vorbild seines schweizerischen Amtskollegen Moritz Leuenberger folgend, der kürzlich mit einem Containerschiff von Rotterdam nach Basel fuhr, sollte man Manfred Stolpe mal zu einer Elbbereisung bei Niedrigwasser auf einem Containerschiff von Hamburg nach Magdeburg einladen, damit ihm die Ausbaunotwendigkeiten in der Praxis klar werden"

meint Karl-Heinz Ehrhardt. So wie man den dynamischen Hafenchef kennt, wird Manfred Stolpe nicht lange auf diese Einladung warten müssen.

Hans-Wilhelm Dünner .

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