Mehr als ein Anlegeplatz für Schiffe

Donnerstag, 27. Oktober 2005, 11:55 Uhr

Mehr als ein Anlegeplatz für Schiffe

Aus Wirtschaftsförderung Halle (Saale) - Wirtschaftsnews

Der Hafen in Halle-Trotha entwickelt sich zum Containerumschlagplatz und Gelände für wichtige Ansiedlungen – Biodieselanlage macht den Anfang  

Um den Hafen in Halle in die schwarzen Zahlen zu führen, setzt der neue Geschäftsführer Dirk Lindemann auf zwei Schwerpunkte. Bis zum Abschluss des geplanten Saaleausbaus in etwa sieben Jahren soll der Containerverkehr auf der Schiene wachsen, ein kleines Güterverkehrszentrum soll entstehen. Außerdem will er umweltorientierte Unternehmen auf dem Gelände ansiedeln. Die Firma J. C. Neckermann machte mit der Inbetriebnahme ihrer Biodieselanlage einen viel versprechenden Anfang.

Halle (Saale). Bis der Saale-Ausbau vollzogen und somit der Schiffsverkehr ganzjährig möglich ist, werden noch ungefähr sieben Jahre vergehen. Das schätzt Dirk Lindemann, der neue Geschäftsführer der Hafen Halle GmbH, ein Unternehmen des Stadtwerke-Konzerns. Unter dem Motto „Ein Hafen muss heute mehr sein als ein Anlegeplatz für Schiffe” entwirft der 44-Jährige schon mal ein Zukunftsbild.

Hafentypische, umweltorientierte Unternehmen werden sich hier, am Schnittpunkt von Wasser, Straße, Schiene und Luft, ansiedeln und ein Netzwerk bilden. Die überregionale Verkehrsanbindung und die gute Infrastruktur mit Autobahnen wie der A 14, Bundesstraßen wie der B 6, dem halleschen Bahnhof und dem Interkontinentalflughafen Leipzig/Halle sei interessant für Branchen mit hohem Transportbedarf. Die 30.000 Quadratmeter umfassenden Kaianlagen, das 9.800 Meter lange Gleisnetz vom Güterbahnhof bis zum Hafengelände und das 750 Meter lange Hafenbecken bieten sich an als Platz für Warenumschlag und Lagerung, Vermietung und Verpachtung.

Doch noch schreibt der hallesche Hafen rote Zahlen. Ihn da rauszuführen ist Dirk Lindemanns erstes erklärtes Ziel. Der bisherige Amtsleiter für Wirtschaft in Aschersleben hat gute Erfahrungen mit Firmenansiedlungen gesammelt. Die will er auch in Halle umsetzen, weil das Arbeitsplätze schaffe, der Stadt Gewerbesteuer und den Stadtwerken neue Kunden brächte, die Gas, Strom, Wasser, Dampf etc. benötigten.

 

Die erste bedeutende Neuansiedlung auf dem Gelände des halleschen Hafens, die vor wenigen Tagen in Betrieb genommene Biodieselanlage des Unternehmens J. C. Neckermann, sei ein Anfang und würde weitere Firmen nach sich ziehen. 57.000 Tonnen Biodiesel, ein aus Rapsöl gewonnener Kraftstoff sowie 10.000 Tonnen Glyzerin für die Pharma- und Kosmetikindustrie sollen jährlich die Anlage verlassen. Die von Marlene Neckermann, Jörg Lemberg und Sylvester Prinz zu Ysenburg gegründete Firma J. C. Neckermann hatte sich nach Prüfung mehrerer Standorte für Halle als Platz für die 19,5 Millionen-Euro-Investition, die mit EU-Mitteln gefördert wurde, entschieden. „Wir sind sehr gut unterstützt worden, die Genehmigungsverfahren wurden zügig abgeschlossen”, nennt das Unternehmen einige Gründe.

Geschäftsführer Dieter Heisig hob bei der Inbetriebnahme auch die gute Zusammenarbeit mit der Lurgi AG, dem Erbauer der Anlage, und dem Geldgeber, der Hypo-Alpe-Adria-Bank aus Österreich, hervor. 38 Arbeitsplätze sind durch die Firmenansiedlung entstanden, im nächsten Jahr soll es Ausbildungsplätze für Chemiekanten, Laboranten und Bürokaufleute geben. Außerdem sei die Anlage technisch so ausgelegt, dass eine Verdopplung der Produktion ohne weiteres möglich wird. „Derzeit wird geprüft, ob diese Investition im kommenden Jahr durchgeführt werden soll”, sagt Heisig.

Bei J. C. Neckermann setzt man auf die große Zukunft von Biodiesel, der steuerlich begünstigt und meist zwischen 12 und 15 Cent pro Liter billiger als herkömmlicher Diesel ist. Doch noch bleibt den Autobauern viel zu tun, ihre Einspritzanlagen für die Nutzung von reinem Biodiesel weiterzuentwickeln. „Deshalb liegt der Schwerpunkt des Geschäfts vorerst auf der Lieferung an Raffinerien, die das Produkt dem aus Erdöl gewonnenen Diesel zusetzen”, erläutert Dieter Heisig.

 

Spätestens jetzt kommt der zweite Faktor für mehr Wirtschaftlichkeit des halleschen Hafens ins Spiel: die Steigerung des Güterumschlags, die einhergehen soll mit der umweltschonenden Verlagerung der Transporte von der Straße auf die Schiene. „Wurden 2002 nur 10.200 Tonnen umgeschlagen, werden wir in diesem Jahr 126.000 Tonnen schaffen”, sagt Hafen-Chef Lindemann. Und es sei in Zukunft noch weitaus mehr drin. Rollen die Containerzüge derzeit dreimal die Woche von Halle nach Hamburg und Bremerhaven, soll es ab Januar vier- bis fünfmal die Woche sein.

Viele aktuelle Entwicklungen begünstigen diesen Trend. Da ist die Einführung der Mautgebühr, die Feinstaubproblematik, die Erhöhung der Benzin- und Dieselpreise. Eine Studie des Hamburger Welt-Wirtschafts-Instituts sieht den Ölpreis im Jahr 2030 bei 120 Dollar pro Barrel. In diesem Zusammenhang steht auch die Neuanschaffung der Diesellok vom Typ MAK 1200, bei deren Kauf sich das Land mit 90.000 Euro beteiligte. Sie soll Waggons bewegen zwischen Hafen und Güterbahnhof. „Wir können einen 600 Meter langen Zug reinziehen”, sagt Lindemann nicht ohne Stolz.

Doch wichtig bleibe nach wie vor der Saaleausbau und die Anbindung an das internationale Wasserstraßennetz, bekräftigt der Herr des 1928 in Trotha gebauten Hafens. Im Moment sei er wegen des niedrigen Wassers für Schiffe nur an 123 Tagen im Jahr erreichbar, diese brächten heute überwiegend Dünger und Getreide aus Tschechien. „Viele Großhändler aus Mitteldeutschland würden gern den halleschen Hafen nutzen, ihr Getreide von hier aus verschiffen.”

Auch deshalb ist der Hafen Halle Mitglied im Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt e.V., der sich für den Bau des Schleusenkanals Tornitz einsetzt. Untersuchungen haben nachgewiesen, dass er „wirtschaftlich, umweltverträglich und hochwasserneutral” sei. Nach einer Befragung von anliegenden Unternehmen zwischen Bernburg und Salzmünde birgt er ein Transportpotenzial von rund 2,5 Millionen Tonnen. Runtergerechnet auf 1.000 Tonnen Güter bedeutet das: statt 40 LKW auf den Straßen wären 20 Waggons unterwegs auf dem Wasser.

ssh/Autorin: Marlene Köhler (marlenekoehler-halle@web.de)                        

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