Mit Kanal Staustufen umfahren?

Montag, 08. September 2008, 13:53 Uhr

Mit Kanal Staustufen umfahren?

Panorama beteiligt sich an der Pressekampagne des BUND gegen den Saale-Kanal

Panorama beteiligt sich an der Pressekampagne des BUND gegen den Saale-Kanal

In dem Panoramabeitrag vom 28.08.2008 stellt die Autorin Janina Kalle die angeblich sinnlosen Subventionen für die Binnenschifffahrt im „Osten Deutschlands“ an den Pranger. Dabei wurde gezielt ein fachlich falscher Beitrag gegen den geplanten Saale-Kanal und den Hafen Halle gesendet.

Hintergrund und Anlass des Panorama-Beitrages ist, dass der Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) generell eine aggressive Pressekampagne gegen den im Bundesverkehrswegeplan festgeschriebenen Saaleausbau mit dem derzeit sich in dem Raumordnungsverfahren befindenden „Schleusenkanal Tornitz“ forciert, die sich in erster Linie gegen das rechtsstaatliche Raumordnungsverfahren richtet.

Panorama läßt sich dabei täuschen und übernimmt ungepüft Fakten, die nur vom BUND stammen können. Die Aussagen des Verkehrsminister des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Karl-Heinz Daehre, werden dazu benutzt, die angeblich sinnlosen Subventionen zu untermauern. Eine Aussage der Wirtschaft, die den Kanalbau braucht, um wettbewerbsfähig zu bleiben und Arbeitsplätze in der Region zu sichern und durch den Kanalbau neue zu schaffen, fehlen. Dadurch wird der Beitrag einseitig  - zu Gunsten des BUND.

Grob fahrlässig geht die Autorin mit ihrer Behauptung um, dass es auf der Saale massenhaft sinnlose Staustufen gebe, die mit dem Kanal umfahren werden sollen. Gebe es diese Staustufen, bräuchte man den Kanal gar nicht. Es fehlt lediglich eine Staustufe, um die Saale ganzjährig schiffbar zu machen und die wurde von den Grünen und dem BUND erfolgreich verhindert.

Gezielt wird dem Mediennutzer ein falsches Bild von der Notwendigkeit des Kanalbaus vermittelt.

In der Sendung heißt es zur Erläuterung des Problems:

„In den letzten zwei Jahren hat gar kein großes Schiff den Hafen  angelaufen. Wie auch? Die Saale, hier in der Mitte im Bild, ist aufgrund von Staustufen kaum zu befahren.“

Die Journalistin und die Redaktion von Panorama wissen ganz offensichtlich nicht, was eine Staustufe ist.

Eine dazu erforderliche Recherche würde ergeben, dass Staustufen in Flüsse gebaut werden, um sie schiffbar zu machen. Es ist bedauerlich, dass man sich hierzu gar nicht die Mühe der Recherche machte.

Die letzte größere Ausbauphase der Saale fand von 1932 bis kurz vor Kriegsbeginn statt und wurde nicht vollendet. Die Saale wurde für das 1000t-Schiff ausgebaut. Man errichtete fünf Staustufen, um eine  ganzjährige Schifffahrt zu ermöglichen. Auf Grund der fünf Staustufen hat die Schifffahrt auf der Saale im Bereich zwischen Calbe (km 20,0) und Halle (km 88,0) überwiegend gute Bedingungen. Die Bauarbeiten mußten kriegsbedingt eingestellt werden. Es fehlt bis heute die sechste Staustufe der Unteren Saale von Calbe bis zur Elbe.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde 1992 die fehlende und notwendige sechste Staustufe bei Klein Rosenburg in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes  aufgenommen. Auf dieser Grundlage wurde der Hafen Halle mit Fördermitteln der Europäischen Union ausgebaut. Wegen Protesten des BUND gegen die Staustufe und die Schifffahrt auf Saale und Elbe wurde das Projekt aus naturschutzfachlichen Gründen verworfen und eine vom BUND geforderte umweltverträglichere Kanal-Lösung entwickelt. Es entstand die Planung zum Schleusenkanal Tornitz, gegen den jetzt der BUND kämpft.

Schiffe können wegen der fehlenden sechsten Staustufe in der Saale – jetzt die umweltfreundliche Kanal-Lösung -  immer noch nicht zum Hafen Halle fahren.

In dem gesendeten Beitrag wird das Bild der geplante Schleusenkanal Tornitz zwischen Calbe und der Elbmündung gezeigt. Die Schlussfolgerung der Panorama-Journalistin:

„Ein neuer Kanal. So kann man die Staustufen umfahren.“

Warum sollen wir eine gut schiffbare Strecke zwischen Halle und Calbe mit fünf Staustufen umfahren?

Was folgt, ist eine weitere falsche Information für den Zuschauer:

Ein Wissenschaftler äußert sich gegen die Schifffahrt auf Elbe und Saale. Von einem Gutachten der MARTIN-LUTHER-UNIVERSITÄT HALLE-WITTENBERG ist da die Rede, das es gar nicht gibt.

Autor des angeblich existierenden Gutachtens ist Prof. Dr. Hans-Ulrich Zabel, Juristische und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der MARTIN-LUTHER-UNIVERSITÄT HALLE-WITTENBERG. Bei dem angeblichen Gutachten handelt es sich um eine Kurzstellungnahme der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der MARTIN-LUTHER-UNIVERSITÄT HALLE-WITTENBERG, die dem Saale-Kanal unterstellt, dass sich dieser wirtschaftlich nicht rechnen würde.

Diese Kurzstellungnahme wurde bereits in der Presse korrigiert. Mit dem Fazit, dass sich der Saale-Kanal eben doch zweifelsfrei wirtschaftlich rentiert.

Dazu Prof. Hans-Ulrich Zabel, Wirtschaftswissenschaftler: „Der Bereich, in dem die Elbe rentabel befahrbar ist im Jahr, wird sich weiter verringern. Im Moment sind es 111 Tage, an denen Transporte möglich sind mit einer Wassertiefe von 2,30 Meter bis 2,50 Meter. Diese Zahl hat sich verringert und wird sich weiter verringern.“

Die Rentabilität der Schiffstransporte auf der Elbe hängt fachlich nachweislich nicht allein von der Wassertiefe von 2,30 bis 2,50 Meter ab. Ausschlaggebend für die Rentabilität von Schiffstransporten ist das Verhältnis von Transportpreis zu Transportkosten und nicht die Tauchtiefe. Die zitierten Wassertiefen beziehen sich auf das sogenannte „Europaschiff“, das auf Elbe und Saale äußerst selten verkehrt. Betrieben wird auf Elbe und Saale eine von den Umweltverbänden geforderte „flussangepasste Binnenschifffahrt“ mit modernen Schubschiffen. Hinsichtlich von Wirtschaftlichkeit und  Energieverbrauch sind die Schubverbände auf der Elbe dem Großmotorschiff überlegen.

Damit kann nach fundierten Aussagen - unter Berücksichtung des Umweltschutzes - von Reedereien und Häfen eine wirtschaftliche Binnenschifffahrt auf Elbe und Saale mit angestrebten Fahrrinnentiefen von 1,50 m (Grenze bis Dresden) bzw. 1,60 m unterhalb von Dresden bei Mittelniedrigwasser betrieben werden. 

Es ist bedauerlich, dass die Autorin Janina Kalle und die Redaktion von Panorama bewußt grob die journalistische Sorgfaltspflicht verletzen. Nachrichten und Informationen müssen vor ihrer Veröffentlichung "mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt" auf deren Wahrheitsgehalt geprüft werden. Was wir in diesem Panorama- Beitrag erlebt haben, ist der Missbrauch journalistischer Pressefreiheit in der Berichterstattung zur Vollendung des Ausbaus der Unteren Saale mit bewußt schädigenden Fehlinformationen über den Saale-Kanal in der Bevölkerung.

Manfred Sprinzek
Präsident
Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt e.V.
Domstrasse 1
06108 Halle (Saale)
Tel.: 03452037664
Mobil: 01703389578
Fax: 03452037665
Mail: info@saaleverein.de
www.saaleverein.de
www.elbe-saale-vereine.de

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