"Nach dem Saalekanal ist mit dem Elbe-Ausbau zu rechnen"

Freitag, 18. April 2008, 09:49 Uhr

"Nach dem Saalekanal ist mit dem Elbe-Ausbau zu rechnen"

Flussschützer Ernst-Paul Dörfler bei Info-Veranstaltung in Barby

volksstimme.digital, 18.04.2008, von Wolf - Dietrich Hein

Bis auf den letzten Platz ausgebucht war der Saal des Barbyer " Rautenkranzes " bei einer Informationsveranstaltung zum Raumordnungsverfahren Elbe-Saale-Kanal.

Barby. Es mussten zusätzliche Stühle bereitgestellt werden, so viele Besucher fanden sich am Mittwochabend im " Rautenkranz " ein. Über 200 Einwohner aus Barby und den Orten der Umgebung waren erschienen. Sie wünschten Auskünfte zum Planfeststellungsverfahren für den Elbe-Saale-Kanal. Diese erhielten sie von engagierten Umweltschützern sowie Vertretern von Bündnis 90 / Die Grünen.
Begrüßt wurden die Anwesenden durch Christina Weigel, Landesvorstandsmitglied der Grünen. Sie brachte ihre Sorge darüber zum Ausdruck, dass der Kanalbau unabsehbare, negative Folgen für die Saalelandschaft und deren Bewohner haben könne. " Mit der heutigen Veranstaltung möchten wir sie ermutigen, Einsprüche zu wagen gegen das Raumordnungsverfahren , brachte es die Rednerin auf den Punkt.

Schon seit 1992 geht es um den Saaleausbau

Dann ergriff Dr. Ernst-Paul Dörfler, Leiter des BUNDElbe-Projektes, das Wort. Er verwies in seinem Diavortrag darauf, dass auf den Ausbau der Saale schon seit 1992 hingesteuert werde. Nach dem Jahrhunderthochwasser 2002 wurden die Behörden vorsichtiger, doch jetzt werde offenbar der Bau des Saale-Elbe-Kanals beschleunigt vorangetrieben. Der Kanalbau werde etwa 80 Millionen Euro verschlingen. Das sei zum Fenster hinausgeworfenes Geld, denn dieser Kanal wäre nicht nötig, zumal der Gütertransport per Binnenschiff auf der Saale stark rückläufig sei. Hinzu komme, dass ein solcher Kanal nur Sinn mache, wenn auch anschließend die Elbe ausgebaut werden würde. Dies befürchtet Dörfler. Auch würden durch den Kanalbau mindesten rund 100 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche verloren gehen. Des Weiteren könnten Grundwasserströme durch den Kanal negativ beeinfl usst werden. " Wenn wir diesen Geister-Kanal zulassen, macht sich Sachsen-Anhalt zum Gespött der Nation ", meinte der namhafte Flussschützer. Er rief die betroffenen Bürger dazu auf, sich mit den Unterlagen des Raumordnungsverfahrens vertraut zu machen und ihre Bedenken sowie Einwände geltend zu machen. Von der Stärke des Protestes hänge es nicht unwesentlich ab, ob der Kanal gebaut wird oder nicht.
Jeder Betroffene kann sich äußern
Die komplizierten Planungszusammenhänge, bis der Bagger für so ein riesiges Projekt wie den Saale-Elbe-Kanal anrollen kann, schilderte Professor Dr. Alexander Schmidt von der Hochschule Anhalt. Demnach solle das gegenwärtige Planfeststellungsverfahren für den Investor Planungssicherheit und in der Öffentlichkeit Akzeptanz für das Vorhaben schaffen. Jeder, der sich durch den Bau des Kanals betroffen fühlt, könne sich gegenüber der Gemeinde oder dem Landesverwaltungsamt äußern.

In der regen, teilweise emotionsgeladenen Diskussion wurde der Bau des Kanals überwiegendabgelegt. Sobefürchtet Joachim Blume, " dass da noch Dinge auf uns zukommen, die wir heute noch nicht abschätzen können ". Und die Auswahl zwischen den Trassen I und II bezeichnete er als " Wahl zwischen Cholera und Pest. "

Dann müssen wir eben gegen das Land Sachsen-Anhalt klagen, wenn wir mit dem Kanalbau nicht einverstanden sind, so Michael Kobitsch-Meyer.

Dagegen meinte Henrik Täger, Leiter des Wasserstraßenbauamtes Magdeburg, dass die rechtliche Basis stimme für den Kanalbau. Zugleich verwies er darauf, dass die Bundesregierung eindeutig erklärt habe, dass es zu keinem Ausbau der Elbe kommen werde.

Fazit : Mit diesem Informationsabend dürfte die Debatte um Nutzen oder Geldverschwendung des Kanalbaus neuen, brisanten Zündstoff erhalten haben.



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