Neue Linienverkehre beleben die Elbe zwischen CZ und Hamburg

Sonntag, 22. Juni 2008, 08:17 Uhr

Neue Linienverkehre beleben die Elbe zwischen CZ und Hamburg

ZUR EUROPAWOCHE 2008 VORGESTELLT

Mitteilungen des Sächsischen Hafen- und Verkehrsvereins e.V. Nr. 41 (2/2008)

Zum sechsten Mal in Folge – nun schon von Wirtschafts-und Politikkreisen in Tschechien und Deutschland als Selbstverständlichkeit erwartet – veranstaltete der Sächsische Hafenund Verkehrsverein e.V. (SHV) wiederum im Rahmen der diesjährigen Europawoche am 7. Mai auf Schloss Decin einen praxisnahen internationalen Workshop, der dem Thema


"Neue Linienverkehre der Binnenschifffahrt zwischen Tschechien und Deutschland von der EU gefördert“
gewidmet war.
Sowohl fachlich kompetente Entscheidungsträger der Wirtschaft als auch hochrangige Vertreter der tschechischen Politik füllten bis auf den letzten Platz den Festsaal des geschichtsträchtigen Deciner Schlosses auf dem Felsen hoch über der Mündung des Polzen in die Elbe.
Europäische Verkehrspolitik ist zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit – gerade auch der weltmarktabhängigen Wirtschaft in Mitteldeutschland und Böhmen – generell darauf gerichtet, energiesparende und umweltschonende Lösungen zur Bewältigung der enorm anschwellenden Güterströme zu fördern.

Die Erhöhung des Anteiles der Binnenschifffahrt am Gesamtverkehrsvolumen ist dabei aus der Sicht von Brüssel auch für die Qualifizierung der Gesamtlogistik zwischen Tschechien und Mitteldeutschland sowie den Seehäfen im Rahmen des Marco Polo Programms außerordentlich förderwürdig.

In seinem Statement zu Beginn des Workshops unterstrich Mgr. Tomas Podivinský, Generalkonsul der Tschechischen Republik in Dresden, dass die Wasserstraße Elbe/Labe in Zukunft wesentlich stärker zur Bewältigung wachsender Güterströme genutzt und dafür auch ausgebaut werden muss. Podivinský ist überzeugt, dass ähnlich wie seinerzeit bei Planung und Bau der Autobahn A 17/D8 über das Erzgebirge auch bei Errichtung des notwendigen Stauwehres unterhalb Decins die Bedenken gegen das Projekt überwunden werden. Unisono betonten auch die Vertreter des Regierungsbezirkes Usti n.L. und der Stadt Decin, dass die Wiederherstellung einer lebendigen Elbe-Schifffahrt unverzichtbar für den weiteren wirtschaftlichen Aufschwung der Region ist und seitens der nordböhmischen Politik vollste Unterstützung für alle dazu notwendigen Flussbaumaßnahmen gewährt wird.
Zur Zeit ist die Fahrrinnentiefe der Elbe/Labe wischender deutsch-tschechischen Grenze und Usti n.L. ca. 20 cm geringer als die seit 2007 wieder in Deutschland bis Magdeburg erreichte. Das bedeutet 120 t weniger Ladung pro Schubverband bzw. 120.000 t, die pro Jahr (1000 Schiffsbewegungen) mit über 7.000 LKWs zusätzlich die Landstraßen belasten!

Dass die Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe GmbH und die Cesko-Saské pristavy s.r.o. als Organisator kompletter Transportketten mit dem Betrieb eines neuen Binnenschifffahrts- Liniendienst zwischen Tschechien, Mitteldeutschland und den Nordseehäfen umweltschonende Gesamtverkehre realisieren, verdeutlichten Stefan Kunze (SBO) und Zdenek Stol (CSP) in ihrem für die anwesende hochrangige Verladerschaft sehr praxisbezogenen Fachvortrag.
Der „Ecological Transport Service“ (ETS-Elbe) wird im Rahmen des Marco Polo
Programmes der Europäischen Kommission gefördert und gegenwärtig mit durch die Häfen der SBO-Gruppe gecharterten Schiffseinheiten realisiert.
Die zahlreich anwesende und sehr kompetente tschechische Verladerschaft äußerte mit dem Willen, das Binnenschiff wesentlich stärker in die Gesamttransportkette einzubeziehen sehr deutlich ihre Erwartungen an die trimodalen Umschlagplätze (Häfen) und die Zuverlässigkeit der Elbe-Schifffahrt.
So verdeutlichte der Generaldirektor des tschechischen Anlagenbauers FEROX a.s., Ing. Zdenek Machala, dass z.B. seine 35 m langen und 150 t schweren Flüssiggasbehälter für Norwegen das BiSchi zum Seehafen zwingend benötigen, verwies aber auch auf die Notwendigkeit, die straßenmäßige Anbindung der tschechischen Elbe-Häfen für solche anzurollenden Güter wesentlich zu verbessern (Brückenhöhen, Straßenbreite, Radien).
Der Chef von ZZN a.s., Ing. Martin Kolár, unterstrich, dass er seine kürzlich getätigte 160 Mio CZK Investition einer 70.000 t Silobatterie im CSP-Hafen Lovosice ausschließlich im Vertrauen auf das Funktionieren aller drei Module dieses Standortes getätigt hat.
Die Steigerung des Anteiles Schiffstransport an der Gesamtlogistik-Kette ist für seine Agrargüter nicht zuletzt durch steigende Treibstoffpreise unabdingbar geworden. Immerhin schlägt ZZN a.s. zwischen 250.000 und 400.000 t. p.a. zwischen CZ und D um, wobei zwischen Lovosice und Hamburg z.B. 1 t Raps per LKW transportiert rund 700 CZK, aber per BiSchi befördert nur rund 400 CZK Kosten verursacht!
Kpt. Detlef Bütow, der als Vorsitzender des SHV gewohnt locker und souverän den Workshop moderierte, forderte als Resümee der inhaltsreichen Veranstaltung die politischen Entscheidungsträger in CZ und D auf, die noch vorhandenen Schwachstellen der Wasserstraße Elbe/Labe unverzüglich zu beseitigen und entsprechend den Leitlinien der Europäischen
Union zur Entwicklung der Verkehrsträger auch in der Wirtschaftsregion Elbe/Labe vor allem die Schifffahrt und die Güterbahn deutlich in der Leistungsfähigkeit zu stärken.
[HEI/RED]

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Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

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