Noch im Februar schickt Berlin Vertrag zur Rettung des Hebewerks

Sonntag, 24. Februar 2008, 11:28 Uhr

Noch im Februar schickt Berlin Vertrag zur Rettung des Hebewerks

Finanzkonzept anerkannt / Stiftung soll technisches Meisterwerk betreiben / Erleichterung bei Fahrgast- und Sportschifffahrt

Volksstimme.de, 13.02.2008, von Karl-Heinz Kaiser

Der dem Untergang geweihte Schiffsfahrstuhl Rothensee wird voraussichtlich am 1. Mai wieder in Betrieb gehen. Der seit 2005 geführte zähe Kampf um das einmalige technische Denkmal hat Erfolg gebracht. Am Montagabend kehrte eine Verhandlungsdelegation aus Berlin mit der besten Nachricht seit Jahren zurück. Allerdings sind noch eine Reihe Details zu klären.

Magdeburg / Berlin. Oberbürgermeister Lutz Trümper hatte am Montag bereits während der Rückreise aus Berlin am Mobiltelefon erklärt : Noch im Februar werde das Tiefensee-Ressort einen Vertrag über den saisonalen Weiterbetrieb des am 2. Juli 2006 geschlossenen Schiffshebewerks vorlegen. Ziel bleibt, noch am 1. Mai dieses Jahres das Hebewerk wieder in Betrieb zu nehmen. Es soll dann jährlich von Mai bis Oktober wieder den Auf- und Abstieg zwischen Mittellandkanal in den Rothenseer Verbindungskanal / Elbe ermöglichen.

Die Schlüsselfrage

Die Delegation war mit einem soliden Finanzkonzept nach Berlin gereist. Die von ihr vorgelegte Rechnung : Bei der Wiederinbetriebnahme fallen pro Jahr ca. 400 000 Euro Betriebskosten an.

Stadt, Umlandkreise und Land bringen ein Großteil der Summe auf. Das teilt sich so auf : 50 000 Euro kommen jährlich von der Landeshauptstadt ( Stadtratsbeschluss 4. Oktober 2007 ). Der Landkreis Börde wirft 30 000 Euro in den Topf, der Landkreis Jerichower Land 15 000 Euro. Vom Land Sachsen-Anhalt werden mindestens 100 000 Euro jährlich avisiert. ( Ein Landesvertreter war übrigens als Beobachter mit nach Berlin gefahren. )

Der Rest soll aus den Zinsen jener 3, 8 Millionen Euro bestritten werden, die der Bund zur Verfügung stellt. Dabei handelt es sich um die vermiedenen Stilllegungskosten. Eine Stiftung betreibt das Hebewerk.

Die parlamentarische Staatssekretärin Karin Roth, Verhandlungspartnerin in Berlin, soll sich vom Konzept beeindruckt gezeigt haben. Sie akzeptierte.

Der Hintergrund

Das Bundesverkehrsministerium hatte nach der Eröffnung der neuen Schleuse in Rothensee aus Kostengründen angekündigt, den Parallelbetrieb des Schiffshebewerks zu beenden. Dadurch will es 9 Millionen Euro einschließlich der Kosten für erforderliche Sanierungen einsparen. Für die Wirtschaftsschifffahrt verfüge die Schleuse über ausreichend Kapazität, hatte Berlin begründet.

Der Widerstand

Die schon 2005 geäußerten und von Experten als Widerspruch zum Planfeststellungsverfahren bezeichneten Stilllegungspläne sowie die schließlich am 2. Juli 2006 erfolgte Außerbetriebnahme war von heftigen Protesten aus der Magdeburger Bevölkerung begleitet.

Der Stadt drohte damit ein Stück Identität für immer verloren zu gehen. Die Tourismuswirtschaft, die Fahrgast- sowie Sportschifffahrt ging auf die Barrikaden. Ihre Bedingungen verschlechtern sich mit der Schließung. Muskelbetriebene Sportboote dürfen die Schleuse nicht passieren.

Außerdem gehört das Zwei-Schwimmer-Hebewerk zu den wenigen verbliebenen dieser Art auf der Welt. Das funktionierende technische Denkmal gilt nach wie vor als ein technisches Meisterwerk.

Sie waren im Auftrag der Regionalkonferenz zum Schiffshebewerk nach Berlin gereist und erfolgreich zurückgekehrt : Oberbürgermeister Lutz Trümper, Burgs OB Bernhard Sterz, Stadtrat Carsten Klein, Hans Garz, Förderverein Technische Denkmale ( auf den Fotos v. l.). Symbolisch im Gepäck hatten sie die 60 000 Unterschriften der Magdeburger für das Schiffshebewerk, ein schlüssiges Finanzkonzept und die Unterstützung
des Landes Sachsen-Anhalt, des Bördekreises und des Jerichower
Landes.

Die Pläne

Eine Reihe von Hürden aber muss nach Vorlage des Vertrags mit dem Bund noch genommen werden. Der Teufel steckt auch hier im Detail, sagten die Delegationsteilnehmer Carsten Klein, Stadtrat, und Hans Garz, Förderverein Technische Denkmale. Klein : " Wir bleiben auch im Interesse der Wirtschaft am Ball. " Vor allem gehe es um Haftungsfragen und die Beteiligung des Landes, sagte er. Dennoch : Wenn jetzt alle weiter an einem Strang ziehen, werde nichts mehr scheitern, meinte Burgs OB Bernhard Sterz. Sollte es bis zum 1. Mai mit der Stiftungsgründung nicht klappen, habe der Bund Hilfe bei einer Zwischenlösung angeboten, hieß es.

Die Schiffsparade

Tatsächlich, so OB Lutz Trümper, gebe es noch andere Detailfragen zu klären. Dazu gehöre auch ein Hebewerks-Obolus für Schiffsführer. Eines soll so gut wie feststehen : Die Stadt will die Schiffsparade der Weißen Flotte zum 1. Mai über das Hebewerk führen – als Triumphzug sozusagen. Alle Magdeburger sind eingeladen. Ein Gast hat bereits am Montag zugesagt – Staatssekretärin Karin Roth aus Berlin.

URL: www.volksstimme.de/vsm/nachrichten/lokalausgaben/magdeburg/

 

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