offener Brief an Frau Iris Brunar

Donnerstag, 05. Februar 2009, 18:49 Uhr

offener Brief an Frau Iris Brunar

Sprecherin der Bürgerinitiative Pro Elbe im BUND-Elbeprojekt

Sehr geehrte Frau Brunar,

mit Interesse habe ich Ihren Leserbrief in der Mitteldeutschen Zeitung zur Vollendung des Saaleausbaus durch den Saale- Kanal gelesen.
Mit Interesse insofern, da sich in diesem Schriftstück deutlich zeigt, dass sich Ihr und das Handeln anderer führender Umweltaktivisten an Elbe und Saale mittlerweile immer mehr auf Verteufelungen und die Konstruktion von Horrorszenarien beschränkt.

Aus diesem Grund, und dabei nicht nur für Sie, sondern für objektiv Interessierte, möchte ich auf Ihre Ausführungen in einer kurzen Antwort eingehen, die auch auf der Website des Vereins zur Hebung der Saaleschifffahrt veröffentlicht wird.

Gleich zu Beginn Ihres Briefes verurteilen Sie pauschal einen „…Verkehrsträger, dessen Uralt- Motoren keine Katalysatoren haben, (und) der seinen Dieselruß ungefiltert in die Luft pustet“.
Ich möchte Ihnen auf diese plumpe Unwahrheit mit zwei rhetorischen Fragen antworten. Waren Sie je auf einem modernen Schubschiff ?
Kennen Sie die aktuelle Studie „Verkehrswirtschaftlicher und ökologischer Vergleich der Verkehrsträger Straße, Bahn, Wasserstraße“ aus dem Bundesverkehrsministerium aus dem Jahre 2008 ?
Wenn Sie diese Fragen mit Ja beantworten könnten, wäre ihnen klar, dass sowohl in den Punkten Schadstoffemissionen, Energieverbrauch, Verkehrssicherheit und Lärm das Binnenschiff durchweg besser abschneidet als Güterbahn und LKW !

Weiterführend behaupten Sie, dass für Fahrten mit dem Binnenschiff auf Elbe und Saale „…die Flusslandschaft Elbe zerstört werden müsste…“. Im nächsten Satz erklären Sie, dass auch „…die Elbe mit Staustufen verbaut wird“ und „…die Flusslandschaft der Elbe im wahrsten Sinne des Wortes ertränkt wird“.

Es ist es schlicht und ergreifend unwahr, wenn Sie Bürgerinnen und Bürgern erschrecken und verunsichern wollen, indem Sie demagogische Horrorszenarien an die Wand malen und wahrheitswidrig behaupten, dass an der Elbe Staustufen gebaut werden.   Sie polemisieren mit absurden argumentativen Kapriolen gegen die Wirtschaft, die den Saalekanal aus Wettbewerbsgründen, aber auch aus der Verantwortung gegenüber der Umwelt fordert.

Der Bedarf eines jeden einzelnen Unternehmens liegt nachweisbar als konkrete Gütermenge vor. Der Saalekanal ist auf Grund dieses unstrittigen Bedarfs in die Bundesverkehrswegeplanung 2003 aufgenommen worden!   Die Unternehmen an Saale und Elbe wollen Ihre Güter nicht nur wegen der niedrigeren Kosten, sondern auch aus Gründen des Umwelt- und Klimaschutzes mit dem umweltfreundlichsten Verkehrsmittel, dem Binnenschiff transportieren! Für diese Unternehmen, für die Menschen in dieser Region bedeutet der Kanal auch die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen, um Konkurrenz fähig zu bleiben. Erst recht in unsicheren Zeiten wie diesen.

Das dieses Verkehrsinfrastrukturprojekt aus Steuermitteln finanziert wird ist eine Selbstverständlichkeit und der Vorwurf durch Sie, das das so ist, plumpe Polemik. Mir ist nicht bekannt, dass Umweltaktivisten sich je dafür stark gemacht hätten, dass der Bau von Autobahnabschnitten durch die zukünftigen Nutzer zu finanzieren seien. Wahrscheinlich, weil sicher auch Sie Autos, Straßen und Autobahnen benutzen.

Sehr geehrte Frau Brunar, 
bitte hören Sie mit Ihren unwahren Behauptungen und populistischen Vorwürfen zur Verhinderung dieses Verkehrsprojektes auf. Kommen Sie zurück auf den Weg der sachlichen Diskussion.
Der Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt ist jederzeit gern bereit, auf einer solchen Basis gemeinsam mit Ihnen zu streiten.
Wir werden aber unser Anliegen auch entschieden gegen Katastrophenbotschaften, Unwahrheiten und Demagogie verteidigen.   Wir werden nicht zulassen, dass an der Elbe und Saale eine wichtige Infrastrukturentscheidung hauptsächlich durch das wirtschaftsfeindliche Sendungsbewusstsein einer kleinen Minderheit, das zu einem nicht unerheblichen Teil auf der Abwesenheit von Sachverstand beruht, bestimmt und nun schon über 15 Jahre verzögert wird.

Verkehrspolitische Projekte müssen auf der Grundlage von sachlichem und fachlich fundiertem Wissen durch die Politik entschieden werden. Danach sind diese Maßnahmen in objektiven und unabhängigen Verwaltungsverfahren zu prüfen. Jeder Betroffene kann sich in diese Verfahren einbringen, auch auf dem Weg der Klage vor Gericht. Juristisch abgesichertes Baurecht ist dann umzusetzen.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger demokratisches Handeln und Akzeptanz fordern wir als Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt und erwarten es auch von Ihnen und anderen Vertretern der Umweltverbände.

Mit freundlichen Grüßen

Manfred Sprinzek     

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