Pakt gegen das Hochwasser: Elb-Anlieger schließen sich zusammen

Montag, 01. Juni 2009, 23:05 Uhr

Pakt gegen das Hochwasser: Elb-Anlieger schließen sich zusammen

13 Städte und Gemeinden gründen" Hochwasserpartnerschaft Elbe "

Volksstimme.de,  26.05.2009, von Birgit Ahlert

Mit mehreren Elbanrainern wurde gestern im Rathaus eine Partnerschaft gegen Hochwasser geschlossen. 13 Städte und Gemeinden wollen ab sofort gemeinsam Schutzmaßnahmen entwickeln und ergreifen.

Magdeburg. Die Elbe schlängelt sich bekanntermaßen durch mehrere Bundesländer. Und " das Hochwasser kennt keine politischen Grenzen ", begründet Peter Schwindack vom Verwaltungsamt Genthin die Motivation, nicht nur über Stadt-, sondern auch über Landesgrenzen hinaus aktiv zu werden. Zunächst 13 Städte und Gemeinden entlang des Flusses haben sich in der " Hochwasserpartnerschaft Elbe " zusammengetan, um sich im Hochwasserschutz vereint zu engagieren. Den weitesten Weg zur Vertragsunterzeichnung hatten gestern Reinhard Nieberg aus Lauenburg und Jürgen Meyer von der Samtgemeinde Elbtalaue ( dazu gehören u. a. Dannenberg und Hitzacker / Niedersachsen ). Zu dritt ( Geesthacht war gestern verhindert ) vertreten die Herren den Nordfluss der Elbe bei Hamburg. Zum Vertragsabschluss reisten sie mehr als 200 Kilometer an. Für den Hochwasserschutz ist ihnen kein Weg zu weit.

Beim Treffen gestern wirkten die kommunalen Vertreter vertraut miteinander. Gespräche über den Hochwasserschutz und eine mögliche Zusammenarbeit gibt es seit langem, erzählt dann auch Magdeburgs OB Lutz Trümper. Die Erfahrungen mit dem Hochwasser 2002 und – wenn auch nicht ganz so drastisch – nachfolgend 2003 und 2006 haben den Gedanken an ein gemeinsames Handeln der Elb-Anlieger wiederaufleben lassen. Und doch hat es bis gestern gedauert, bis alles " in Sack und Tüten " kam, was bundesländerübergreifend Form annehmen soll.

Eigentlich ist der Hochwasserschutz Ländersache, und da wolle man sich auch gar nicht einmischen, so Trümper. Doch " letztlich stehen die Kommunen in vorderster Front, wenn etwas passiert ". Deshalb ergreifen die Kommunen selbst die Initiative und schließen sich zusammen – zu gemeinsamer Vorsorge, zur Entwicklung von Schutzstrategien, zu Absprachen, Koordination.
Ein Beispiel für unabgesprochenen Hochwasserschutz nennt Jürgen Meyer : " Brandenburg baut derzeit höhere Deiche als alle anderen ", so der Samtgemeindebürgermeister. " Welche Konsequenzen das für andere haben kann, wird dabei außer Acht gelassen. " Genau da wollen die Partner ansetzen : Gemeinsam besprechen, entwickeln, aufeinander abstimmen. Und " dabei immer im Blick behalten, welche Auswirkungen ein Hochwasser auf die anderen Elbanrainer hat ".

Nur auf die eigene Gegend zu schauen, ist zu kurzsichtig, sind sich die kommunalen Vertreter einig.
Wichtiger Aspekt ist zudem der Erfahrungsaustausch. Jeder der Teilnehmer kann von anderen Erfahrungen berichten. Bürgermeister Peter Müller ( Bereich Elster / Elbe um Wittenberg ) erzählt vom Hochuferbereich der Region mit großen Flachflächen – eine Strecke von 800 Metern musste mit Sandsäcken gegen das Hochwasser gesichert werden, das über 1, 74 m stieg. Aus anderen Ortschaften wird berichtet, wie das Wasser die Häuser und Straßen bedrohte. Nächste wissen wiederum, dass die neu gebauten Deiche 50 Zentimeter zu tief sind – zumindest im Vergleich zu den anderen.

Es gab bisher zu wenig Absprachen untereinander, sind sich alle einig. Was sicher auch daher rührt, dass in den Ländern die Verantwortlichkeit unterschiedlich organisiert ist, so Bürgermeister Jens Böther aus Bleckede.

Zu den Gründungsmitgliedern der " Hochwasserpartnerschaft Elbe " gehören Städte und Gemeinden aus den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein, u. a. die Städte Neuhaus, Bleckede, Boizenburg, Geesthacht, Lauenburg und Dessau-Roßlau sowie die Gemeinden bzw. Verwaltungsgemeinschaften Elbe-Havelland, Elbe / Stremme / Fiener, die Samtgemeinde Elbtalaue, Elster / Elbe und die Euroregion Elbe / Labe.

Die Arbeitsgruppe hat gestern zu ihrem Vorsitzenden Holger Platz gewählt, Magdeburgs Beigeordneten für Kommunales und Umwelt. Stellvertreter ist Peter Schwindack, Leiter des gemeinsamen Verwaltungsamtes Elbe / Stremme / Fiener ( Jerichower Land ).

Die Gemeinschaft ist offen für weitere Mitglieder, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.

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