Petzold: Die Wasserstraße Elbe muss gewartet werden

Donnerstag, 16. August 2007, 21:51 Uhr

Petzold: Die Wasserstraße Elbe muss gewartet werden

Super Sonntag Wittenberg 12.08. 2007

Fahrrinnentiefe ist entscheidend für Binnenschifffahrt

 

Wittenberg (wg). "Wasserstraßenbau und Binnenschifffahrt dürfen nicht länger als Buhmänner eines irrationalen Umweltschutzes dastehen", fordert Petzold. Wenn entgegen den Ratschlägen der zuständigen Fachleute in den Wasser- und Schifffahrtsdirektionen fünf Jahre nach dem Elbehochwasser immer noch der Stopp aller geplanten Maßnahmen des Verkehrswasserbaus gefordert werde, dann sei dies blanker Populismus: "Jede Wasserbaumaßnahme steht unter dem gesetzlichen Vorbehalt, dass sie der Forderung nach Hochwasserneutralität entsprechen muss", erklärt Petzold.

„Ökologischer Hochwasserschutz und Binnenschifffahrt sind durchaus miteinander vereinbar. So laufen seit Jahren im Bereich des Biosphärenreservates Mittlere Elbe Naturschutzprojekte, Hochwasserschutzmaßnahmen und Strombaumaßnahmen Hand in Hand.“ Nach Auffassung Petzolds geht es um nichts anderes, als um die Wiederherstellung einst bestehender Voraussetzungen, um die Binnenschifffahrt auf der Elbe wieder wirtschaftlich möglich zu machen: „Auch deshalb sollten wir endlich mit der Mär aufhören, dass Verkehrswasserbau und Hochwasserschutz unvereinbar wären.“ Die Auswirkungen der Strombaumaßnahmen würden bei Hochwasser lediglich im Promillebereich liegen, dies hätten die Untersuchungen der Bundesanstalt für Wasserbau eindrucksvoll bestätigt. Petzold plädiert dafür, der Binnenschiffahrt endlich eine faire Chance einzuräumen, zumal das Schiff unbestritten ein ökologischer und zukunftsträchtiger Verkehrsträger sei. Und genau deshalb müssten die Stromregulierungsmaßnahmen an der Elbe durchgeführt werden: „Ziel ist es, auf der gesamten Länge der Elbe eine Fahrrinnentiefe von 1,60 Meter zu realisieren.“ Dieses Ziel will das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Dresden in seinem Zuständigkeitsbereich von der tschechischen Grenze bis zur Saalemündung bis 2010 erreichen.

Das WSA betreut 290,7 Kilometer der Elbe, dazu gehören 2.154 Buhnen sowie 256 Kilometer Deck- und Leitwerke. Mehr als 500 Buhnen wurden infolge des Hochwassers 2002 schwer beschädigt. Auf Grund politischer Festlegungen der damaligen rot-grünen Bundesregierung waren die Schifffahrtsämter entlang der Elbe zwei Jahre lang zum Nichtstun verdammt, erst 2004/05 konnte mit den ersten Maßnahmen begonnen werden. In diesem Jahr wird das WSA 116 Buhnen sanieren. „Ein intaktes System von Strombaumaßnahmen wie Buhnen, Deck- und Leitwerke hält die Elbe im Gleichgewicht, das heißt, es bilden sich weder Erosion noch Anlandungen“, erläutert Klaus Kautz, Leiter des WSA Dresden. „Voraussetzung dafür ist eine stete Instandhaltung.“ Denn bei Hochwasser und bei Eisgang (wie zuletzt 2003) entwickeln sich Fehlstellen sehr schnell zu massiven Bauwerksschäden. In der Folge geht die Regelungsfunktion besonders der Buhnen verloren, die Fahrrinnentiefe verschlechtert sich, umfangreiche Baggerungen und Baumaßnahmen werden erforderlich. Ein besonderes Problem stellt dabei die so genannte Erosionsstrecke zwischen Mühlberg und Coswig dar. Hier hat sich die Elbe in den vergangenen 100 Jahren um über einen Meter ins Flussbett eingegraben, und dieser Prozess dauert weiter an. „Unser Ziel ist es, den heutigen Zustand der Gewässersohle zu erhalten“, sagt Kautz. „Dazu laufen in Zusammenarbeit mit den Bundesanstalten für Wasserbau und für Gewässerkunde umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen.“ Als eine erste Maßnahme zur Verminderung der Erosion wird kontrolliert Geschiebe zugeführt, diese Maßnahme wird ständig messtechnisch begleitet. „Wenn wir die Erosion in den Griff bekommen, können wir auch der langfristigen Gefahr des Rückgangs der Auwälder, Feuchtgebiete und Altwasserbereiche begegnen“, so Kautz.

Es gehe doch nur, so Petzold, um die Ertüchtigung der Elbe für die Schifffahrt, ohne dabei dem Ansinnen der Naturschützer widersprechen zu wollen. Die Wasserstraße Elbe müsse repariert und gewartet werden wie jede andere Straße auch. Die Alternative sei eine sozialistische Flussruine, und die könne niemand wollen. „Es geht darum, die Funktionsfähigkeit der Buhnen-, Deck- und Leitwerke wiederherzustellen“, betont Petzold. „Der Schutz von Leben und Gütern, der Schutz der Umwelt sowie die Förderung verkehrlicher, ökonomischer und wasserwirtschaftlicher Ziele entlang der Elbe sind miteinander vereinbar.“Nach Auffassung des CDU-Bundestagsabgeordneten ist die Binnenschifffahrt eine ökologisch sinnvolle, wirtschaftliche, verlässliche und wettbewerbsfähige Alternative zu anderen Verkehrsträgern. „Gerade für den Bereich der Mittel- und Oberelbe, einschließlich der Saale sowie für die Hinterlandverkehre des Hamburger Hafens wird die Binnenschifffahrt in Zukunft eine größere Rolle spielen, als bisher“, so Petzold. Im Container-Verkehr verzeichnet der Hamburger Hafen jährliche Zuwächse von knapp 20 Prozent. Mit dem Wasserstraßenkreuz und der Schnittpunktlage zieht der Magdeburger Elbehafen aus dem Container-Linienverkehr zwischen Hamburg und Mitteldeutschland mit jährlichen Steigerungsraten von inzwischen mehr als 20 Prozent einen erheblichen Nutzen. „Wenn die Binnenschifffahrt auf der Elbe wirtschaftlich funktioniert, dann nehmen auch die Landungstonnen und die Frachtumschläge zu“, betont Petzold. „Nirgendwo sonst können Transporte umweltschonender durchgeführt werden als auf der Wasserstraße. Deshalb muss auch auf der Elbe der Einsatz moderner Binnenschiffe möglich sein, entscheidend dafür ist und bleibt die Fahrrinnentiefe.“

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