Portfolio: Boxen-Boom auf den Weltmeeren

Freitag, 19. August 2005, 10:12 Uhr

Portfolio: Boxen-Boom auf den Weltmeeren

Aus der Financial Times Deutschland vom 31.05.2005

von Markus Gotzi

Auf den Meeren und Ozeanen wird es eng: Die Zahl der schwimmenden Containerhalden steigt stetig - und mit ihr die Nachfrage nach den praktischen Boxen. Mit dem neuen Container-Fonds von Schroeder setzen Anleger auf einen weiterhin steigenden Güterverkehr zur See.

Das Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik geht von einer Verdoppelung des weltweiten Containerumschlags bis 2014 auf dann rund 600 Millionen Einheiten aus. Ähnlich optimistisch sind die anerkannten Analysehäuser Ocean Shipping Consultants und Drewry gestimmt. Mit einer Beteiligung am ersten "Container-Fonds Österreich" des Hamburger Initiators Schroeder können Anleger von dem Boxen-Boom profitieren (der Bezug zu Österreich im Namen des Fonds hängt mit dessen rechtlicher Konstruktion zusammen - Näheres dazu unter dem Stichpunkt Steuern).

Objekte Anleger beteiligen sich über den Fonds an Transportcontainern unterschiedlicher Art und Größe. Standard ist die Box mit einer Länge von 20 Fuß, die Fachleute sprechen daher von Twenty Foot Equivalent Unit (TEU). Wie teuer die Stahlkisten sind, ist unbekannt. Schroeder geht in seiner Kalkulation von 2300 bis 2400 $ aus. In den vergangenen Jahren schwankten die Preise wie ein betrunkener Seemann hin und her: Mitte der 90er Jahre kostete ein TEU zum Beispiel 2750 $, 2002 mussten Käufer nur 1550 $ bezahlen. Vor allem der knappe Stahl sorgte dafür, dass die Preise wieder anzogen.

Auch die Containermieten sind ständig in Bewegung: Vor rund zehn Jahren brachten Verträge mit Laufzeiten von fünf Jahren eine Tagesmiete von 1,35 $ - aktuell sind 0,85 $ üblich. Im gleichen Zeitraum fielen die Einnahmen aus kurzfristigen Vermietungen von 1,70 $ auf jetzt 1,25 $.

Der Fonds will drei Viertel der Container für fünf Jahre vermieten und den Rest mit der Aussicht auf steigende Erträge kurzfristig. Das Management dafür übernimmt mit der Containerleasing-Gesellschaft Gateway ein Unternehmen aus den Top Ten der Branche.

Jährliche Ausschüttungen von acht Prozent und mehr

Konzeption Schroeder rechnet in seiner Prognose mit einer Mietrendite von 14,25 Prozent. Dabei müssten alle Container im Fonds durchschnittliche Tagesmieten von rund 0,95 $ erwirtschaften - eine durchaus konservative Einschätzung, denn Gateway kassiert seine Managementgebühr erst ab einer Rendite von mindestens 14,5 Prozent. Verdient der Fonds weniger, geht Gateway leer aus.

Aus den kalkulierten Einnahmen sollen Anleger jährliche Ausschüttungen von mindestens acht Prozent erhalten. Nach diesen Annahmen beträgt der Gesamtrückfluss inklusive Veräußerungserlös innerhalb von sieben Jahren 169 Prozent des eingezahlten Kapitals. Spannend wird es im Jahr 2012: Dann möchte Schroeder die Fondsanteile zu einem "marktgerechten" Preis zurückkaufen und die Container auf eigene Rechnung vermieten. Im Prospekt geht der Initiator von einem Restwert in Höhe von 62 Prozent des Neupreises aus. Sind dagegen nur 60 Prozent "marktgerecht", verringert sich die Ertragsrechnung der Anleger um acht Prozentpunkte auf nur noch 161 Prozent. Im Prospekt finden Anleger weitere Alternativrechnungen, zum Beispiel für den Fall, dass sich die Container-Mieteinnahmen oder der Dollar anders entwickeln als erwartet.

Steuern Zeichner beteiligen sich an einer Fondsgesellschaft nach österreichischem Recht mit Sitz in Salzburg. Der Sprung über die Grenze ermöglicht ihnen regelmäßig steuerfreie Ausschüttungen - sowohl in der Alpenrepublik als auch in Deutschland. Lediglich den Veräußerungserlös müssen die Investoren versteuern, aber auch hier winken Vorteile: Nach einer Laufzeit von mindestens sieben Jahren dürfen Anleger die Steuer auf den beim Verkauf erzielten Preis über drei Jahre verteilen, wobei sie in jedem Jahr einen Freibetrag von 2000 Euro geltend machen können. In der Beispielrechnung erzielt ein Anleger mit zu versteuerndem Einkommen von 100.000 Euro und einer Beteiligungssumme von 20.000 Euro einen durchschnittlichen Netto-Mittelrückfluss von knapp sieben Prozent pro Jahr.

Was kommt nach 2012?

Nebenkosten Der Containerkauf ist für Anleger mit erheblichen Nebenkosten verbunden. Bezogen auf die Gesamtinvestition liegen sie bei rund zwölf Prozent. Im Verhältnis zum Eigenkapital geht rund ein Drittel für Gebühren ab, unter anderem für Geschäftsbesorgung, Ankaufkosten, Marketing und Dienstleistungen - das ist happig.

Anbieter Der Initiator Schroeder hat sich auf Container spezialisiert und seit 2003 zehn Leasingangebote mit einem Investitionsvolumen von rund 120 Mio. $ aufgelegt.

Fazit Entscheidend ist die Containernachfrage am Ende der Laufzeit 2012. Liegt der "marktgerechte" Containerpreis dann bei mindestens 62 Prozent der Erwerbskosten, stehen die Chancen auf eine attraktive Nachsteuerrendite nicht schlecht. Doch auch wenn sich die günstigen Prognosen für den Containerumschlag erfüllen sollten, nehmen Investoren Risiken auf sich, die in der internationalen Wirtschaftsentwicklung im Allgemeinen und in der Konstruktion des Fonds im Besonderen liegen. Weil die Konzeption dem Initiator einen großen Investitionsspielraum lässt, zeichnen Anleger einen Blind Pool. Überdies gehen sie eine Währungsspekulation ein, weil Preise, Mieten und Fremddarlehen in Dollar abgerechnet werden.

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