Projekt Saalekanal gewinnt an Fahrt

Montag, 29. Oktober 2007, 10:30 Uhr

Projekt Saalekanal gewinnt an Fahrt

Antrag auf Raumordnungsverfahren für Schleusenbau in Tornitz gestellt www.halleforum.de

halleforum.de   25.10.2007

(sts/ens) Der Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt (VHdS) veranstaltete am Donnerstag im Hallorenmuseum eine Tagung unter dem Motto "Elbe und Saale ? wichtige Bausteine der Logistikstrategie des Landes Sachsen-Anhalt". Während einer Pressekonferenz verkündete Henrik Täger vom Wasserstraßen-Neubauamt Magdeburg, dass am Donnerstag Morgen beim Landesverwaltungsamt in Halle der Antrag zur Eröffnung des Raumordnungsverfahrens für den Bau des Schleusenkanal Tornitz eingereicht wurde. Damit ist ein jahreslanges Ringen um eine Schiffbarmachung der Saale im letzten Abschnitt zwischen Calbe und der Mündung in die Elbe in die nächste Runde gegangen. Manfred Sprinzek vom gastgebenden Verein zeigte sich sichtlich erfreut über diesen Schritt. Täger versicherte, dass der Bau des Kanals das Naturschutzgebiet Hasselbusch nicht beeinträchtige und damit ein großer Kritikpunkt beseitigt wurde.

Dr. Hans-Joachim Gottschalk, Staatssekretär im Landesverkehrsministerium sah die Notwendigkeit für den Ausbau gegeben. "Aufgrund der rasanten Entwicklung auf dem Transportsektor müssen wirtschaftliche Schiffahrtsbedingungen gewährleistet werden. Für das Land Sachsen-Anhalt wird der Bereich der Logistik immer wichtiger. Wir sind der Brückenkopf in den Osten." erklärte er und fuhr mit der Erläuterung fort, dass nur noch die Binnenschifffahrt, die das umweltverträglichste Transportmittel sei, der einzige Bereich sei in dem man noch epandieren könne. Sprinzek setzte hinzu, dass mit den derzeitigen politischen Gegebenheiten im Bund und im Land, endlich die politischen Rahmenbedingungen geschaffen wurden, um dieses Projekt durchzusetzen. Das Projekt sei im Bundesverkehrswegeplan aufgenommen und eine Summe von 80. Millionen Euro ist vorgesehen.

Alle Beteiligten gehen bei einem Bau des Kanals von einer rapiden Steigerung des Transportaufkommens auf der Saale aus. Während im Jahr 2006 und in diesem Jahr noch kein einziges Güterschiff die Saale befahren habe, erhofft man sich im Jahr 2015 eine Menge von 2,3 Millionen Tonnen transportierter Waren. Neben dem Hafen Halle als Umschlagplatz erhoffen sich vor allem die Unternehmen Solvay (Soda-Produktion), Esco (Salz-Produktion) und die die Schwenk-Zement KG, alle in Bernburg, einen Bau des Saalekanals. Immerhin habe man, laut Dieter Werder, Vizevorsitzender des VHdS, bei Solvay eine Transportersparnis von rund 10 Euro pro Tonne Transportgut zu erwarten. Bei einem erwarteten Transportvolumen von 250.000 Tonnen bei Solvay sind das 2,5 Millionen Euro im Jahr die man so einspare.

Der Schleusenkanal soll links der Saale kurz hinter Calbe beginnen und kurz vor der Elbmündung bei Kilometer 2,0 enden. Die Länge soll 7,5 Kilometer betragen und keinerlei Beeinträchtigungen für den Grundwasserspiegel zur Folge haben. Im Rahmen des Raumordnungsverfahrens werden zwei Kanalvarianten untersucht. Nebenstehende Skizze zeigt den präferierten Kanallauf. Das Verfahren wird voraussichtlich im November eröffnet. Nach ungefähr 6 Monaten und einer positiven Prüfung des Antrages, wovon alle Beteiligten ausgehen, wird das Planfestellungsverfahren eröffnet. Dieses wird nach Schätzung von Henrik Täger bis Ende Ende 2011 andauern. Danach kann dann mit dem Bau begonnen werden. Der Bau einer 7 Kilometer langen Trasse lässt sich laut Täger mit cirka 3 Jahren einschätzen.

Kritik kommt unter anderem von Bündnis 90/Grüne. "Im starren Festhalten an der vorhersehbaren Investruine
Saalekanal im Logistikkonzept des Landes erweist Verkehrsminister Daehre der Region einen Bärendienst und wird so mit Sicherheit nicht zur Bewältigung der Probleme im Hinterlandverkehr beitragen", so Landesvorsitzende Undine Kurth. "Mit der Aussage, die Saale sei der Engpass, der durch den 80 Mio. Euro teuren Kanalbau beseitigt werde, wird uns Bürgern die Tasche vollgelogen", so Ernst Paul Dörfler vom BUND-Elbprojekt. "Die angedachten Frachtschiffe aus dem Saaleraum müssten auch zwangsläufig durch die Elbe. Die Elbe aber führt durch den Klimawandel immer weniger Wasser, so dass Massengüter schon jetzt kaum noch verschifft werden. Europaschiffe mit 1300 Tonnen Ladung konnten auch in diesem Jahr mangels Wasser kaum fahren. Auch die bis 2010 an der Elbe für 30 Mio Euro geplanten Baumaßnahmen werden das fehlende Wasser nicht herbeizaubern können und die Tiefe von 1,60 m nur theoretisch erreichen."

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