Protestlehrstück

Mittwoch, 18. Juli 2007, 13:23 Uhr

Protestlehrstück

 KOMMENTAR  von Katja Tessow
Magdeburger Generalanzeiger/Lokalanzeiger,
7. Juli 2007

Vor zwei Jahren sah es ausgesprochen schlecht aus für die Zukunft des Schiffshebewerkes Rothensee. Auf Forderung des Bundesrechnungshofes kündigte das Bundesverkehrsministerium die Schließung bis hin zur Einbetonierung an, weil die benachbarte funkelnagelneue Doppelsparschleuse den Erhalt überflüssig und überflüssig teuer mache.
Aus rein fiskalischer Betrachtung machte das durchaus Sinn. Inzwischen zweifeln Experten zwar die prognostizierten Einspareffekte an und geben in den Energiebilanzganz klar dem historischen Hebewerk den Vorzug. 

Diese Berechnungen sind allerdings relativ neu und keineswegs hauptursächlich für den offenbar nahen Sieg im Kampf um den Weiterbetrieb des technischen Denkmals, selbst um den Preis eines satten Zuschusses aus der doch ach so klammen Stadtkasse.
56 000 Protestunterschriften und wahre Lesebrieffluten haben die außergewöhnlich feste, kommunalpolitische Allianz zum Hebewerk geschmiedet und rein fiskalische Argumente schlicht plattgemacht. 

Es wird in Magdeburg schon auch ein paar geben, die den Kopf schütteln, weil ihnen das Hebewerk weniger wichtig erscheint, als manch anders, wofür kein Geld da ist. Die Vorgänge ums Hebewerk können allerdings selbst jene, denen das Werk selbst schnuppe sein mag, darüber belehren, dass bürgerbewegter Protest – zur richtigen Zeit der richtigen Instanz als Dauerfeuer vorgetragen – eben doch aussichtsreich sein kann. Wenn, ja wenn, er die (Wähler) Massen ergreift.

Galerien

Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

Aktuelles

Neuigkeiten per RSS Button

Saaleinfo Newsletter

Redaktion © VHdS e.V.
Grafik, Layout © 2005-2018 atnexxt – Agentur für Design und E-Business, Webdesign in Halle (Saale)