Reederei steht das Wasser bis zum Hals

Mittwoch, 19. August 2009, 08:58 Uhr

Reederei steht das Wasser bis zum Hals

Weil er viel zu wenig Fahrgäste hat, muss Riedel-Chef ein Schiff verkaufen

mz-web.de, 18.08.09, VON PETER GODAZGAR

HALLE/MZ. Bernhard Freise schlägt Alarm. "Die Lage ist katastrophal", sagt der Chef der Reederei Riedel. Über die Jahren seien die Fahrgastzahlen ständig gesunken. "Schon letztes Jahr haben wir uns gerade so über die Runden retten können". Nun zieht Freise die Reißleine: Er will, besser: er muss eines seiner Schiffe verkaufen.

Fünf Boote gehören derzeit noch zur Riedel-Flotte - für das Salonschiff "Saaletal" sucht der 50-Jährige nun einen Käufer. Dies ist umso bitterer, als Freise "in den vergangenen sechs Jahren rund 150 000 Euro" in das Schiff gesteckt hat. Ob er die "Saaletal", die seit 1964 in Halle ist und damals "Kosmos" hieß, zu einem angemessenen Preis loswird, steht in den Sternen. Aber: Auch wenn das Schiff nur still am Ufer ankert, verursacht es natürlich Kosten.

Bernhard Freise hält mit seinem Ärger nicht hinter dem Berg. Besonders frustrierend für ihn: "Seit 2002 haben wir versucht, die Fahrpreise für Rundfahrten soweit wie möglich unten zu halten." Freise ist sicher: Es gibt in Deutschland keinen Betreiber mehr, der eine 45-minütige Rundfahrt für fünf Euro anbietet. "Aber die Rechnung ,Niedrige Preise - viele Gäste' ist nicht aufgegangen."

Im Gegenteil, in diesem Jahr rutschten die Fahrgastzahlen noch tiefer in den Keller. Rund 33 000 Gäste brauche er, um wirtschaftlich fahren zu können, sagt Freise. In diesem Jahr kamen gerade mal 18 000. Man sei in dieser Saison schon nur noch mit drei statt vier Schiffen gefahren (das fünfte Schiff liegt nur als schwimmendes Restaurant unter der Burgruine). Freises Problem: Er muss zwischen Mai und Oktober das Geld für das gesamte Jahr verdienen.

Müsste er den Gästen mehr bieten? Freise winkt ab. Alles versucht. In diesem Jahr bot er wieder Sonderfahrten nach Alsleben und Bernburg an - erstmals seit zwei Jahrzehnten. Und nachdem solche Touren immer wieder von Gästen gewünscht wurden. Ergebnis: Für die Alsleben-Tour gab es zwei Anmeldungen. Und nach Bernburg wollten gerade mal 41 Leute schippern. Für September sind beide Touren noch einmal geplant. Die regelmäßigen Touren in Merseburg mussten 2007 wieder eingestellt werden.

Pech kam auch dazu: Im April gab es einen Maschinenschaden auf der "Stadt Halle". Vergangenen Sonntag verfingen sich ein paar Quadratmeter alter Teppichboden in der Schiffsschraube; Taucher waren stundenlang damit beschäftigt, den Müll zu entfernen.

Beim Stadtmarketing kennt man Freises Probleme. Die Saale ohne Ausflugsschiffe? Das würde man natürlich "sehr bedauern", sagte Pressesprecherin Isabel Hermann. Für gewisse Events reiche aber auch der Standard der Boote nicht aus, gibt sie zu bedenken. Das wisse er auch, sagt Freise, aber wie soll er investieren, wenn er nicht mal die laufenden Kosten tragen kann?

Indes sieht Wolfgang Aldag vor allem für junge Leute noch Potential. Der Garten- und Landschaftsarchitekt, der sich seit Jahr und Tag immer auch für ein Leben mit dem und am Fluss stark macht, meint, mit Abend-, Grill- oder Musiktouren könne man gewiss noch mehr Gäste anlocken.

Für Freise steht zumindest dies fest: "Die Dumpingpreise gibt es nächstes Jahr nicht mehr." Und fügt hinzu: "Wenn wir den Winter überstehen."

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