„Reedereien brauchen Planungssicherheit“

Donnerstag, 26. Februar 2009, 13:58 Uhr

„Reedereien brauchen Planungssicherheit“

THB, Sonderbeilage Hinterlandverkehre, 20.2.2009

Anteil der Binnenschifffahrt im Hinterland erhöhen – Interview mit Handelskammerpräses Frank Horch

 Im THB-Interview nimmt Frank Horch, Präses der Handelskammer Hamburg, Stellung zu den Ergebnissen es Elbschifffahrtstages 2008 und der Bedeutung der Binnenschifffahrt für den Hinterlandverkehr.

THB: Herr Horch, auf dem Elbschifffahrtstag 2008 kritisierten Sie, dass die Binnenschifffahrt im Hinterlandverkehr des Hamburger Hafens nur eine Nebenrolle spielt. Was ist hierfür Ihrer Meinung nach die Hauptursache?

Frank Horch: Die Schifffahrtsverhältnisse der letzten Jahre gaben den Reedereien noch nicht genug Planungssicherheit, die Linienverkehre auszuweiten und so mehr Waren elbaufwärts zu transportieren. Auf dem Elbschifffahrtstag des Vereins zur Förderung des Elbstromgebietes ist der wichtigste Schritt deutlich geworden: es muss wieder eine Fahrrinnentiefe von 1,60m an wenigstens 345 Tagen bis nach Dresden existieren – und zwar langfristig. Und der Bund hat zugesagt, dies durch Unterhaltungsmaßnahmen wieder ab dem Jahr 2010 zu gewährleisten.

THB: Allein im ersten Halbjahr 2008 stieg das Ladungsvolumen, das per Binnenschiff im Hamburger Hinterlandverkehr transportiert wurde, um 6,5 Prozent auf 6 Millionen Tonnen, im Containerverkehr sogar um 47 Prozent. Zeichnet sich hier nicht bereits ein positiver Trend ab?

Horch: Ja und Nein. Diese Entwicklung – die beste seit 1990 – ist leider noch nicht dem Zustand der Wasserstraße, sondern Petrus zu verdanken. Damit lassen sich die freien Kapazitäten auf der Elbe nicht nachhaltig erschließen – sie bleiben weiterhin ungenutzt. Jedoch konnte die Elbe-Binnenschifffahrt zeigen, dass sie sehr wohl eine bedeutende Rolle spielen kann – vorausgesetzt die Schifffahrtsverhältnisse stimmen.

THB: In der Hamburger Erklärung fordern die Teilnehmer des Elbschifffahrtstages unter anderem eine enge Zusammenarbeit zwischen der Tschechischen Republik und Deutschland sowie eine durchgängige, ganzjährige Fahrrinnentiefe von 1,60 Meter. Was müsste sonst noch getan werden, um die Binnenschifffahrt anzukurbeln?

Horch: Der Bund muss zu aller erst auch jenseits des Jahres 2010 und somit langfristig eine stabile und verlässliche Fahrrinne garantieren. Logistiker sind wiederum dazu aufgefordert, die verbesserten Verhältnisse auf der Elbe und in den Häfen in ihren Entscheidungen zu berücksichtigen. Die Wirtschaft wurde – auch dank der Arbeit des Elbstromvereins unter dem Vorsitz von Herrn Thomas Lütje – inzwischen für die Chancen sensibilisiert. Nicht zuletzt vernehmen wir positive Signale des Hamburger Senats, die Hürden im Hamburger Hafen zu beseitigen.

THB: Im Dezember 2008 hat Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee das Investitionsprogramm „Verkehr“ vorgestellt. Es sieht bis 2010 insgesamt 430 Millionen Euro für den Erhalt und Ausbau der Bundeswasserstraßen vor. Ein erster Schritt in die richtige Richtung?

Horch: Zu den Bundeswasserstraßen gehören auch jene für Seeschiffe. So wird hier ein Großteil dieser Investitionen, u.a. für den Nord-Ostsee-Kanal, verwendet. Für die  Mittel- und Oberelbe sind derzeit keinerlei Ausbaumaßnahmen angedacht. Ob diese langfristig nicht effizienter und zielführender wären als stete Unterhaltungsmaßnahmen, darüber wird wohl erst die neue Bundesregierung entscheiden.

THB: Der Terminalbetreiber Eurogate hat Ende 2008 ein Partnernetzwerk mit Binnenhafenbetreibern aufgebaut. Die Binnenhäfen fungieren dabei als Satellitenstandorte, die die Seehafenterminals entlasten sollen. Sind solche neuen Transportstrategien eine neue Chance für die Binnenschifffahrt?

Horch: Ich finde es begrüßenswert, dass Terminalunternehmen noch stärker als in der Vergangenheit mit Binnenhäfen kooperieren. Auch wenn es hier noch Konkretisierungsbedarfs gibt, so ist es ein sehr eindeutiges Signal, dass auch die Hafenwirtschaft am Standort Hamburg das Binnenschiff zukünftig dringend braucht.

Die ElbschifffahrtstageDie Elbschifffahrtstage finden seit den 1930er Jahren alle zwei Jahre in verschiedenen Städten entlang der Elbe statt. 2008 wurde das Diskussionsforum vom Verein zur Förderung des Elbstromgebietes e.V. in Kooperation mit der Handelskammer Hamburg, dem Unternehmensverband Hafen Hamburg e.V. und der Logistik-Initiative Hamburg organisiert. Den nächsten Elbschifffahrtstag wird es im Jahr 2010 geben. Weitere Informationen finden Sie unter www.elbstromverein.de 

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Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

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