Roßlauer Hafen-Crew holt die Güter zurück auf die Elbe

Mittwoch, 17. Februar 2010, 15:31 Uhr

Roßlauer Hafen-Crew holt die Güter zurück auf die Elbe

Gutes Wasser und gute Angebote beflügeln im vergangenen Jahr 2009 die Geschäfte auf der Bundeswasserstraße

mz-web.de,  16.02.10, VON SILVIA BÜRKMANN

ROSSLAU/MZ. Im Vorjahr, fast zur gleichen Zeit, da saßen an gleicher Stelle die gleichen Leute mit ungleich bitteren Gesichtern. "Verhalten" - das war noch das freundlichste Attribut, was die Gesellschaft der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe (SBO) für das Geschäftsjahr 2008 fand. Der von Niedrigwasser geprägten Umschlags-Ebbe folgten düstere Prognosen: Am Horizont zogen voll Unheil dräuende Wolken im Gefolge der Weltwirtschaftskrise auf. Massengutverkehre aus der Baustoffindustrie, aus Land- und Forstwirtschaft brachen weg. Doch der Industriehafen Roßlau - dem nördlichsten "Stützpunkt" im Verbund der sechs Binnenhäfen von Luvosice, Decin, Dresden, Riesa, Torgau und Dessau-Roßlau - hat die Trümpfe eines trimodalen Umschlagsplatzes ausgespielt, um über die Runden zu kommen, bot Lagerfläche für tausende Tonnen Profistahl an und setzte auf Transporte über die Schiene.

2009 nun blicken Kapitän Detlef Bütow, Geschäftsführer der SBO-Gruppe, und Gunto Mörer, Geschäftsführer im Industriehafen Roßlau, auf ein Jahr zurück, das das Prädikat "gut" einheimst. Zuallererst: Das Wasser war gut. Die Elbe blieb über das gesamte Navigationsjahr schiffbar, bestätigte Klaus Kautz, der Amtsleiter im Wasser- und Schifffahrtsamt Dresden, damit verantwortlich für die Bundeswasserstraße von der Staatsgrenze bis hin zur Saalemündung. So ergaben jüngste Untersuchungen der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), dass die Niedrigwasserereignisse auf der Elbe in den zurückliegenden Jahrzehnten weit weniger ausgeprägt waren als in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Nicht nur das zurückliegende "Abflussjahr" zeige, dass der Trend eindeutig auf weniger Extrem-Niedrigwassern weise.

Zum zweiten aber habe der Industriehafen Roßlau wie die SBO insgesamt dank qualitätsvoller Leistungsangebote "die Güter zurück auf die Elbe holen können", wie Mörer stolz sagt. So wird seit 2007 auch der Hafen Roßlau regelmäßig von der Binnenschifffahrtslinie ETS Elbe angefahren. So konnten 2009 beispielsweise die Verladung von Schrott um 17 000 Tonnen per Binnenschiff gesteigert werden. Die Elbe-Containerlinie dagegen, in der zwei Schiffe unter SBO-"Flagge" fahren, sei so ausgelastet, dass der Hafen Roßlau am Stromkilometer 254 gar nicht mehr angelaufen werden könne.

Für reichlich Gesprächsstoff - nicht nur stromauf und -ab, sondern auch unter den "Landratten" - hat im Vorjahr der Hafenkran "Fritz" gesorgt. Das letzt Wort aber steht aus. Der Hafen drängt darauf, die Kranbahn auf 100 Meter zu verlängern, um den derzeit immobilen, unbeweglichen "Fritz" über eine gesamte Schiffslänge an der Hafenkante entlang rollen zu lassen. Derzeit hat der Hafenkran lediglich einen Aktionsradius von zweimal 26, also insgesamt 52 Metern. Ladungen müssen also mehrfach am Kai abgesetzt und umtransportiert werden.

Die Kostenplanung des Industriehafens liegt bei insgesamt 1,2 Millionen Euro. Fördermittel aus dem "Konjunkturpaket II" stellen 900 000 Euro in Aussicht. Unter Maßgabe der strikten Fördermittelrichtlinie, dass die Stadt Dessau-Roßlau Eigenanteile von 300 000 Euro aufbringen muss. Denn die Stadt Dessau-Roßlau hält mit 51 Prozent die Mehrheitsanteile am Industriehafen. Die Entscheidung im Rat steht aus.

Nicht indes die grundsätzliche Meinung der Hafen-Crew. "'Fritz' ist an der Leistungsgrenze, die Kranbahn ohne Alternative", so Gunto Mörer. Alternativ zu entwickeln sei dann lediglich ein Finanzierungsmodell, sollte die Stadt aus der Investition aussteigen. Denn kein anderer ist fördermittelberechtigt.

Was die Technik zur Bahnverlängerung betrifft, satteln SBO und Industriehafen inzwischen um. War man ursprünglich davon ausgegangen, die bestehende Kaimauer mit zusätzlichen Bohrpfählen zu stabilisieren, nachdem das August-Hochwasser 2002 Spuren hinterlassen hatte, setzen die Hafenbauer nunmehr auf eine zweite Kaimauer. Die soll neun Meter in das alte Hafenbecken (jetzt 64 Meter breit) ragen und die Kranbahn für "Fritz" (acht Meter breit unter dem Portal) komplett auf neuem Baugrund aufnehmen. Der Kostenaufwand ist der gleiche wie für die Bohrpfähle. Das hat auch Gunto Mörer überrascht. "Aber mit einer neuen Kaimauer gewinnen wir ja noch zusätzliche Aufstellfläche. Und außerdem darf man ja auch Visionen haben." Visionen? "Ja, irgendwann vielleicht mal ein zweites Gleis", feixt Mörer. Dann könnte auch die Lok, die die Halb- oder Ganzzüge an den Kai zieht, umgehend wieder "abdampfen" und müsste nicht einen halben oder ganzen Tag ohne Warteschleife verharren.

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