Saale-Elbe-Kanal wird deutlich teurer

Mittwoch, 18. Juni 2008, 18:16 Uhr

Saale-Elbe-Kanal wird deutlich teurer

20 Millionen Euro mehr - Planer: Wirtschaftlichkeit bleibt

MZ-WEB.DE, 17.06.08, von Johannes Dörries

Magdeburg/MZ. Kritiker sprechen von einem "Geisterkanal". Sie glauben, dass auf dem geplanten Saale-Elbe-Kanal kaum Schiffe unterwegs wären. Die Planer halten dagegen, auch wenn die Kosten steigen.

Der geplante Saale-Elbe-Kanal bei Tornitz im Salzlandkreis wird mindestens 20 Millionen Euro teurer als bislang veranschlagt. Henrik Täger, Leiter des Wasserstraßen-Neubauamts Magdeburg, korrigierte am Dienstag die Kostenschätzung auf 100Millionen Euro. Er betonte zugleich, das Projekt sei dennoch sowohl wirtschaftlich als auch umweltverträglich. Er wies damit entgegengesetzte Aussagen von Wissenschaftlern der Universität Halle zurück. Die Kostenanstieg ist laut Täger Folge der Preissteigerung, die ursprünglichen Schätzungen stammen aus den 90er Jahren.

"Potenzial bestätigt"

Die Aufnahme des Kanals mit vordringlichem Bedarf in den Bundesverkehrswegeplan 2003 "bestätigt das wirtschaftliche Potenzial der Saaleregion", so Täger. Das biete die Chance für Neuansiedlungen und zusätzliche Arbeitsplätze. Dieses Potenzial werde in der Studie der Uni Halle nicht ausreichend berücksichtigt. Die Aussagen der Wissenschaftler werden laut Täger durch die für das im März eröffnete Raumordnungsverfahren zusammengetragenen Daten widerlegt.

Eine der Grundlagen für das Verfahren ist ein Gutachten aus dem Jahr 2004, das im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums von dem Essener Planco-Institut erstellt worden war. Die Expertise hat dem Vorhaben Wirtschaftlichkeit bescheinigt und "stellt die aktuelle Situation dar", so Täger. Die Wissenschaftler der Uni Halle hatten diese Ergebnisse angezweifelt: Die Daten seien teilweise überholt, die Methoden ungeeignet. Sie erhielten gestern Unterstützung von Forschern des Leipziger Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung. Die plädierten dafür, die Wirtschaftlichkeit des Kanal-Projekts neu zu berechnen. Sie werfen dem Planco-Gutachten fehlende Transparenz vor.

"Nicht belastbar"

Die halleschen Wissenschaftler hatten zudem auf den Klimawandel und seine Folgen wie längere Trockenheit und häufigeres Niedrigwasser in den Flüssen verwiesen, die in dem Planco-Gutachten nicht berücksichtigt seien. "Die Elbe hat künftig genug Wasser", meint hingegen Täger. Die Daten zum Klimawandel stellten keine belastbaren Prognosen dar. "Spezifische Konsequenzen für das Kanalprojekt ergeben sich daraus nicht", sagte eine Mitarbeiterin seines Amtes.

Der hallesche Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt hat unterdessen die Uni Halle aufgefordert, ihr Kanal-Gutachten zurückzuziehen. Mit "falschen Informationen" werde versucht, "auf demokratischem Weg gefallene Entscheidungen negativ zu beeinflussen". Das Raumordnungsverfahren soll im Herbst beendet sein. Mit dem Bau des Kanals wird frühestens im nächsten Jahrzehnt gerechnet.

 

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