Schiffbarkeit von Elbe und Saale verbessern

Montag, 08. März 2004, 12:07 Uhr

Schiffbarkeit von Elbe und Saale verbessern

Land fordert Saaleausbau

Nach der Wende sagte die Bundesregierung den Ausbau von Saale und Elbe zu.

Magdeburg/Bernburg (red). Die Landesregierung drängt beim Bund auf einen schnellen Start des Planungsverfahrens für bessere Schifffahrtsverhältnisse auf Saale und Elbe. Dafür liegt seit 1992 eine Zusage der Bundesregierung vor, aber der Bund blockt immer wieder die Einleitung der vorbereitenden Planungsstufen.

"Unsere Geduld ist am Ende, hier werden Millioneninvestitionen blockiert, die Sachsen-Anhalt weiter voran bringen würden. Dutzende von Firmen haben auf das Wort der Bundesregierung und am Fluss oder in Flussnähe investiert. Sie sind verbittert darüber, dass ihre ursprünglichen Pläne für einen starken, Kosten sparenden Schiffstransport immer noch nicht umsetzbar sind"

betonte Wirtschaftsminister Dr. Horst Rehberger in der vergangenen Woche in Magdeburg. Gerade im Hinblick auf die EU-Osterweiterung sei die Optimierung des Schiffsverkehrs auf Elbe und Saale ein wichtiges verkehrs- und wirtschaftspolitisches Thema für Sachsen-Anhalt.

Verkehrsminister Dr. Karl-Heinz Daehre forderte Klarheit:

"Der Bund gibt Unsummen von Euro für immer neue Gutachten aus, ohne dass sich an Elbe und Saale auch nur ein Spaten rührt. Das Planfeststellungs- und das Raumordnungsverfahren sind längst überfällig, wir brauchen endlich den Startschuss vom Bund."

Gleichzeitig unterstrich er, dass Saale und Elbe nicht "kanalisiert und betoniert" werden sollen; auch das Biosphärenreservat seit durch die avisierten behutsamen Arbeiten an den Flüssen nicht gefährdet. Daehre sieht sich in seiner Forderung nach einer Verbesserung der Schiffbarkeit von Saale und Elbe einig mit Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe - blockiert werde der Fortgang des Verfahrens vom Bundesumweltministerium, das immer neue Hürden errichtet:

"Erst waren es erhebliche ökologische Bedenken, doch die konnten längst widerlegt werden. Also werden jetzt ökonomische Bedenken vorgeschoben - angeblich gebe es gar keinen Bedarf an einer verbesserten Schiffbarkeit von Saale und Elbe."

Diese Bedenken stoßen vor allem bei Saale-Anliegerfirmen auf Unverständnis. In Bernburg hat der Solvay-Konzern seit 1991 rund 450 Millionen Euro investiert. Der Solvay-Konzern ist weltweit der größte Soda-Produzent mit zahlreichen Standorten im In- und Ausland.

"Bernburg ist das einzige Werk der Solvay-Gruppe, das an einem Fluss liegt, diesen Fluss aber nicht nutzen kann"

so Werkleiter Dr. Peter Jebe.

Für die Standortwahl eines Sodaherstellers ist das Vorhandensein der natürlichen Rohstoffe Salz und Kalkstein sowie von Wasser (als Lösungs- und Kühlmittel und als Transportweg) nötig. Alle Komponenten sind in Bernburg vorhanden aber die Saale kann bei dem heutigen Transportvolumen wegen der eingeschränkten Schiffbarkeit zwischen Calbe und Barby nicht mehr als Transportweg genutzt werden. Ein Transportversuch per Schiff scheiterte 1995 - der Wasserstand ließ nur eine Beladung von 500 Tonnen zu, erst ab 1.000 Tonnen würde der Schiffstransport rentabel. Dann allerdings wäre die Einsparung enorm, so Peter Jebe. Pro Tonne mit dem Schiff transportierter Soda könnten gegenüber der Bahn zehn Euro gespart werden. Bei einem mittleren Verkaufspreis von 150 Euro pro Tonne Soda eine gewaltige Einsparung.

Abgesehen vom finanziellen Vorteil, könnte man beim Solvay-Konzern bei einem Transport per Schiff auch wesentlich flexibler auf Nachfrageänderungen reagieren. Des öfteren konnte die Bahn schon nicht kurzfristig Waggons für einen Transport von Bernburg zum Überseehafen im belgischen Antwerpen bereitstellen. Mit dem Ergebnis, dass alles per LKW auf der Straße gefahren werden muss. Dr. Peter Jebe macht folgende Rechnung auf:

"250.000 Tonnen könnten derzeit pro Jahr auf dem Schiffsweg transportiert werden. Momentan muss dieses Volumen mit LKW auf der Straße bewegt werden. Bei einer durchschnittlichen Ladekapazität von 25 Tonnen pro LKW bedeutet das eine mögliche Einsparung von 10.000 LKW-Transporten im Jahr.

Ein Ausbau der Saale ist also nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch sinnvoll, hält Jebe den Ausbaugegnern entgegen. Vor allem auch deshalb, weil bei der derzeitigen Planung ein Schleusenkanal von Calbe nach Barby favorisiert werde, der den Ursprünglichen Verlauf der Saale gar nicht berührt.

Für die Auenlandschaft besteht also keine Gefahr, betont der Werkleiter. Dem von den Ausbaugegnern bisher in Feld geführten Argument, es bestehe gar nicht genügend Bedarf für einen solchen Kanal, hält Jebe die zahlreichen Firmen, allein in unserer Region, entgegen, die vom Ausbau der Saale profitieren würden. Er nennt, neben dem Solvay-Standort in Bernburg, das Sodawerk Staßfurt, Schwenk-Zement und das Steinsalzwerk. Dr. Peter Jebe hofft jetzt auf eine in Auftrag gegebene Wirtschaftlichkeitsstudie, die in Kürze veröffentlicht wird. Nach allem, was bisher davon zu hören war, liefert diese Studie den Beweis, dass der Ausbau von Saale und Elbe ökonomisch durchaus sinnvoll und angebracht ist. Aber auch wenn die Studie eine Wirtschaftlichkeit nachweist und das Bundesumweltministerium seine zögerliche Haltung aufgibt - durch die bürokratischen Hürden in Deutschland wäre, selbst bei optimalem Verlauf, frühestens in fünf Jahren mit einer Inbetriebnahme des Schleusenkanals zu rechnen. Dann hätte das Bernburger Solvay-Werk eventuell im Jahre 2009 wieder eine Anbindung an das europäische Binnenwassernetz. Die Wege per Schiff zur Nord- und Ostsee und über die Donau bis zum Schwarzen Meer wären wieder offen.

 

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