Schiffe fahren

Montag, 03. August 2009, 20:50 Uhr

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Kapitän Lothar Barth bringt in Duisburg angehende Binnenschiffer in die richtige Spur

Niederrhein, 14.07.2009

Kapitän Lothar Barth bringt in Duisburg angehende Binnenschiffer in die richtige Spur. Er sieht sich nicht als Ausbilder, sondern als Teil im dualen System.

Wie ist das so als Binnenschiffer? Hat das noch mit alter Seefahrerromantik zu tun? Mit sonnengegerbter Haut, mit Dreißigtagebärten und mit einem Leben auf dem langen, ruhigen Fluss? „Quatsch”, sagt Lothar Barth. „Ein bisschen Abenteuer hat man vielleicht noch in der Personenschifffahrt, wenn es zu den touristischen Zielen nach Rotterdam oder ans Schwarze Meer geht. Ansonsten ist unser Beruf breit angelegt. Es gibt die Tankschiffe, die Schubschiffe und Jobs in der Verwaltung.”

Barth ist Kapitän des Duisburger Schulschiffes, das in Homberg vor Anker liegt. Er sieht sich nicht als Ausbilder, sondern als Teil im dualen System. Die Theorie lernen die angehende Binnenschiffer am einzigartigen Schifferberufskolleg am Bürgermeister-Wendel-Platz. Für den Feinschliff ist unter anderem der 53-jährige Barth zuständig. „Richtig spannend wird die Praxis ja erst beim fahrenden Schiff, wenn wir etwa Notfälle simulieren”, erzählt er.

Zurzeit werden im Berufskolleg und auf dem „Schulschiff Rhein” in Homberg 123 junge Leute zu Binnenschiffern sowie zu Bootsbauern, Schiffbauern und Hafenlogistikern ausgebildet. Einer von ihnen ist Marco Bachstetter, für Barth nur „Schiffsjunge Bachstetter”.

Besserer Matrose

Der 20-Jährige wird am 24. Juli – wenn alles gut geht – seine Lossprechung haben und dann als Bootsmann – das ist auf der Karriereleiter der bessere Matrose – auf ein Tankschiff gehen. Irgendwann will der Junge aus Duisburg-Beeck sein eigenes Schiff fahren. „Mein Oppa war aufm Schiff, meine Onkel auch, ich bin wassergebunden, für mich kommt nichts anderes in Frage”, sagt er und erzählt fast liebevoll von seinen Tätigkeiten in den vergangenen drei Jahren – vom Tauwerkpleißen, vom Havariepumpen, vom Laden und vom Löschen.

Wer denkt, der Binnenschiffer sei eine aussterbende Spezies, liegt falsch. „Was die Ausbildungszahlen betrifft, hat es in den letzten Jahren richtig angezogen” sagt Wilhelmine Böhmer von der „B.Dettmer Reederei GmbH” in Duisburg, das ist die größte Privatreederei Europas.

Auch Käpt'n Barth wirbt für die Branche. „Auf jeden Fall die Lehre machen!” sagt er. „Wer diese Ausbildung hinter sich hat, bekommt Arbeit und kann eine Familie ernähren. Das ist heutzutage viel Wert.”

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Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

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