Schiffstransport ökologisch und wirtschaftlich sinnvoller

Dienstag, 20. März 2007, 18:20 Uhr

Schiffstransport ökologisch und wirtschaftlich sinnvoller

Die Schwenk Zement KG Bernburg nahm in Nienburg eine Probeentladung vor von Chritian Knoll, Binnenschifffahrt 4/2007

Eine Probeverladung von granulierter Hochofenschlacke hat das Bernburger Werk der Schwenk Zement AG 14. März in Nienburg an der Saale vorgenommen. Das von der Märkischen Transportgesellschaft eingecharterte CSPL-Motorgüterschiff „Poseidon“ unter Kapitän Jn Kotouè hatte am 12. März in Salzigitter 800 t Granulierschlacke eingeladen und gegen 10 Uhr die Fahrt nach Nienburg aufgenommen. In Nienburg sollte es am 14. März Vormittag am Kornhaus anlegen und dann entladen werden.

Die „Poseidon“, bei der es sich um einen tschechisches Elbemaßschiff von 72 x 9,30 m mit 620 PS handelt, das 893 t laden kann, war mit 2,10 m treffend Wasser abgeladen. Am Felsen Trabitz, Saale-km 15, musste Kotouc einen Vorspann anfordern, weil sich das Schiff durch mangelndes Wasser am felsen festsaugte. Am Nachmittag traf dann das Schiff unversehrt am Kornhaus ein. Das Schüttgut wurde von einem Radlader auf Lkw verladen und ins Bernburger Zementwerk gebracht.

 Vertreter der regionalen Politik wie u.a. die Landrätin für den Landkreis Aschersleben/Stassfurt Heike Brehmer sowie der Landtagsabgeordnete Jürgen Weigelt (beide CDU) waren bei der Probeverladung zugegen und äußerten sich sehr zufrieden über die gelungene Aktion, mit der wieder einmal unter Beweis gestellt werden konnte, dass größere Mengen an Gütern durchaus per Schiff zu den in der Saale-Region liegenden großen Produktionsstätten gebracht werden können, wenn die Saale ausreichende Schifffahrtsbedingungenbiete.

 „Granulierte Hochofenschlacke als Zumahlstoff für die Zementherstellung wird derzeit ausschließlich von Salzgitte per Lkw ins Werk Bernburg gebracht“, gab der Schwenk Zement Werkleiter Uwe Müller zur Auskunft. Das Jahresvolumen des auch Hüttensand genannten Granulats werde bei Schwenk für 2007 mit rund 300.000 Tonnen geplant -  das entspricht rund 1.400 Lkw, die in diesem Jahr über die A14 bis nach Bernburg rumpeln würden. „Angesichts  der aktuellen Klimadebatte und den Diskussionen über die Belastungen der Autobahnen ein Unding, denn Hüttensand ist ideal für den Transport per Schiff. Wir könnten die geplanten 300.000 Tonnen also sofort auf’s Schiff verlagern, wenn wir die Saale als Verkehrsweg verlässlich nutzen könnten. Das  wäre ökonomisch wie ökologisch sinnvoll“, unterstrich Schwenk-Werkleiter Uwe Müller.

 „Dies soll bald keine Zukunftsmusik mehr sein“, sagte auch der Präsident des VHdS, Manfred Sprinzek, welcher der Probeverladung beiwohnte. „Derzeit laufen die Vorbereitungen des Raumordnungsverfahrens für den 7,5 Kilometer langen Kanal, der die Saale bei Calbe mit der Elbe verbinden und damit über die Elbe die Anbindung ans Europäische Wasserstraßennetz gewährleisten soll. Bei optimalem Verlauf aller Verfahren und der Bauphase könnten noch vor 2015 insgesamt rund vier Millionen Tonnen Güter jährlich über die Saale transportiert werden.“ Sprinzek betonte gleichzeitig, dass diese Probeverladung in Nienburg für Schwenk Zement Bernburg nur das Beispiel dafür liefert, wie ökologisch vernünftig der Binnenschiffstransport gegenüber den Straßentransporten sei. Derzeit würden fast alle Güter, die in der Saaleregion hergestellt würden, per Lkw von den Kunden bezogen oder an sie geliefert.

Auch der Vorsitzende des Alslebener Schiffervereins „Undine“, Ernst-Wilhelm Wehlmann, fügte hinzu, dass jährlich hunderttausende Tonnen Getreide aus den Silos in Halle, Alsleben und Nienburg nach Westeuropa per Lkw auf die Reise gingen, weil die Saale nur ungenügend schiffbar sei. Werktäglich gingen 36 Lkw mit Getreide von der Saale auf die Reise, was einer Parteigröße des gerade in Nienburg entladenden Motorgüterschiffes „Poseidon“ entspreche, hob Wehlmann hervor. „Das ist nicht nur volkswirtschaftlicher sondern auch ökologische Unsinn in Größenordnung.“

Auch Kapitän Jan Kotouè freute sich, nach etlichen Jahren wieder mal die Saale befahren zu haben. Früher sei er öfter in Trotha gewesen und habe somit als einziger tschechischer Schiffsführer ein Saalepatent erwerben können. Abgesehen von der Trabitzer Stromschnelle sei für ihn die Fahrt von Sazlgitter nach Nienburg eine vorteilhafte Sache. Man könnte pro Wochen einen Umlauf fahren, was in jeder Richtung jährlich fast 50 000 Tonnen ausmachen würde, vorausgesetzt die Saale wäre vollschiffig zu befahren. Schwenk-Werkleiter Uwe Müller fügte auch noch hinzu: „Wir könnten mindestens eine halbe Million Tonnen unserer Produkte jährlich auf den Wasserweg bringen. Weil aber die Saale nicht ausreichend schiffbar ist, fahren wir nach Haldensleben mit Lkw’s vor und laden dort in Schiffe um. Unsere Probeverladung liefert das Beispiel, dass der Transport per Schiff wirtschaftlicher und ökologischer zugleich erfolgen kann.“ Er baue darauf, dass der Saalekanal komme und die Wirtschaft an der Saale kostengünstiger produzieren und neue Arbeitsplätze schaffen könne. ck

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