Schippern wie auf dem Panamakanal

Freitag, 02. Juni 2006, 08:10 Uhr

Schippern wie auf dem Panamakanal

Vor 100 Jahren wurde der Teltow-Kanal eingeweiht Jens Blankennagel, Berliner Zeitung, 02.06.2006

KLEINMACHNOW. Als das Bauwerk vor 100 Jahren eröffnet wurde, war es ein Großereignis, das fast mit der Inbetriebnahme des neuen Berliner Hauptbahnhofs vor wenigen Tagen verglichen werden kann. Der Teltowkanal ist zwar nur 37,83 Kilometer lang, aber er verbindet die wichtigsten Städte der Region: Potsdam und Berlin. Heute ist die künstliche Schifffahrtsstraße - die an der Havel kurz hinter Babelsberg beginnt und in Adlershof in die Dahme fließt - nicht mehr so wichtig. Aber als er am 2. Juni offiziell eröffnet wurde, fuhr Kaiser Wilhelm I. samt Familie auf der kaiserlichen Jacht "Alexandria" vor und bedankte sich artig für den Kanal. Denn er hatte nichts dazubezahlt für dieses Großprojekt.

Einmaliger Fall

"Es war damals einmalig, dass nicht der Staat, sondern ein Kreis einen Kanal gebaut und finanziert hat", sagt Klaus-Dieter Franzke vom Verein Industriemuseum Teltow in Kleinmachnow - jenem Ort, in dem heute mit einem großen Volksfest der 100. Geburtstag des Kanals gefeiert wird.

"Der gesamte Kanal befand sich damals auf dem Gebiet des Kreises Teltow und wurden so nah wie möglich vor die Tore der explosionsartig wachsenden Stadt Berlin gelegt", sagt Franzke. Der Kanal diente der Entwässerung der sumpfigen Region und war Teil der Verbindung von Elbe und Oder. Seine enorme Bedeutung für die Entwicklung der Region wird an den Tonnagen deutlich, die transportiert wurden: Im Jahr 1907 waren es zehn Millionen Tonnen, die Bahn schaffte nur doppelt so viel nach Berlin.

Die Blütezeit erlebte der Kanal in den 1920er- und 1930er-Jahren. "Ohne den Kanal hätten sich viele Industriebetriebe, die die Region prägten und wachsen ließen, nicht angesiedelt", sagt Gerhard Enser (CDU), Bürgermeister von Stahnsdorf, das das Fest organisiert.

Mit dem Mauerbau 1961 versank der Abschnitt des Kanals außerhalb von Westberlin in der Bedeutungslosigkeit, denn entlang der Wasserstraße verlief die Grenze zur DDR. Erst 1981 wurden grenzüberschreitende Transporte wieder erlaubt. Nach der Wende sollte der Kanal für damals fünf Milliarden Mark ausgebaut werden, doch die Binnenschifffahrt verlor immer mehr an Bedeutung und Berlin schloss den Osthafen, der über den Teltowkanal versorgt wurde. "Doch der Ausbau des Kanals ist vorerst nur zurückgestellt", sagt Katrin Urbitsch vom zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin. Im Berliner Abschnitt würden derzeit etwa 50 Millionen Euro verbaut. Ob aber der geplante Ausbau der Schleuse in Kleinmachnow für 180 Meter lange Schubverbände erfolgt, ist noch nicht klar. "Im Vorjahr wurden auf dem Kanal 853 000 Tonnen Güter transportiert", sagt sie. "Tendenz steigend." Der Kanal ist besonders wichtig für den Hafen Königs Wusterhausen, den größten in Brandenburg.

Einst sorgte der Kanal auch für eine technische Sensation. "Weltweit erstmals fuhren Schiffe nicht mit eigenem Antrieb, sondern wurden getreidelt, also mit Elektroloks vom Ufer aus angetrieben", sagt Franzke. Das Prinzip wurde auch am Panamakanal übernommen.

In der heutigen Zeit wird auf dem Kanal zwar nicht mehr getreidelt, aber zum Fest fährt am Freitag ein Corso mit historischen Schiffen.

 

Galerien

Historie und Gegenwart - Bildimpressionen von Matthias Pusch

Aktuelles

Neuigkeiten per RSS Button

Saaleinfo Newsletter

Redaktion © VHdS e.V.
Grafik, Layout © 2005-2018 atnexxt – Agentur für Design und E-Business, Webdesign in Halle (Saale)