Schleusenkanal Tornitz in der Diskussion

Sonntag, 19. Oktober 2008, 18:24 Uhr

Schleusenkanal Tornitz in der Diskussion

Verkehrsexperten diskutierten am Freitag bei einer Tagung über das 100 Mio-Euro-Projekt

Halleforum.de 18.10.2008

(ens) Im VW-Saal der Industrie- und Handelskammer in Halle (Saale) trafen sich am Freitag Experten zum Thema „Transportlogistik - Herausforderung für Mitteldeutschland“. Diskutiert und informiert wurde dabei über die verschiedensten Verkehrsträger. Und für Verkehrsminister Karl Heinz Daehre steht fest: Sachsen-Anhalt ist nicht auf dem Weg zum Logistik-Standort, sondern ist bereits einer.

Nach der Entscheidung des Landesverwaltungsamtes zum Raumordnungsverfahren zum Saalekanal bei Tornitz war natürlich der Saale-Ausbau eines der bestimmenden Themen. Für Daehre ein Verkehrsträger mit Potenzial, deren Chancen man nutzen müsse. Doch gekümmert habe man sich darum bislang eher nicht. Während seit der Wende in den Ausbau von Straße und Schiene Milliarden geflossen seien, habe man in die Wasserstraßen bis auf die Unterhaltungsmaßnahmen an der Elbe gar nichts investiert.

Immer wieder kommen aber auch kritische Stimmen auf. Sie befürchten, dass mit einem Ausbau der Saale auch ein Elbausbau ins Blickfeld rücke. Daehre dazu: „Niemand will die Elbe betonieren, sondern wir wollen die Schiffbarkeit der Saale herstellen.“ Entscheiden werde man sich für die ortsferne Variante 2 des Kanals. Darüber habe er bereits mit der Tornitzer Bürgermeisterin gesprochen, die sich darüber erleichtert gezeigt habe und vom Kanal auch Chancen für ihren Ort erhofft. Die höhere Wassertiefe im Kanal begründete er mit der Enge des Kanals gegenüber der Elbe. In letztere sind oft nur Wassertiefen von 160cm zu verzeichnen. Das aber sei laut Sprinzek vom Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt (VHdS) ausreichend für einen wirtschaftlichen Betrieb. Die Schiffe würden den Bedingungen entsprechend angepasst.

Eines der Argumente für den Kanal: die Wirtschaft braucht ihn. Zwei potentielle Interessenten konnte Sprinzek auch präsentieren: das Schwenk Zementwerk und die Solvay-Sodawerke aus Bernburg. Die Saale biete ein Transportpotenzial von 2,2 Mio Tonnen im Jahr, was einer Lademenge von 73.000 LKW entspricht. Von einst 40 sei der Zementverbrauch in Deutschland auf 28 Mio. Tonnen gesunken, erklärte Schwenk-Chef Johann Trenkwalder. Dem stehe ein Mehrbedarf in den europäischen Nachbarländern gegenüber. Um am europäischen Wettbewerb teilzunehmen brauche man diesen Kanal. Trenkwalder erläuterte die Pläne anhand des Partnerwerks in Karlstadt. Dort habe die Auslastung nur bei 60 Prozent gelegen. Durch die Schiffsanbindung sei das Werk nun wieder zu 100 Prozent ausgelastet, die Jobs gesichert. Ähnliches habe man nun auch in Bernburg vor. Kurzfristig könnten 500 bis 600 000 Tonnen von der Straße auf das Schiff verlagert werden, mittelfristig sei durch die größere Nachfrage ein Anstieg zu erwarten.
Wilfried Rosinski von Solvay rechnet mit 250.000 Tonnen in seinem Unternehmen, die mit dem Schiff abtransportiert werden könnten. Auf den wirtschaftlichen Faktor legte auch Dirk Lindemann vom Hafen Halle seinen Fokus. Mehrere Firmen hätten sich unter der Maßgabe angesiedelt, dass der Kanal zur Elbe einmal gebaut wird.

Unterstützung bekamen die Kanal-Befürworter auch von Peter Rieken von Planco Consult. Sein Unternehmen hatte untersucht, ob der Kanal realisierbar ist. Laut seinen Zahlen liege die Wassertiefe an 200 Tagen im Jahr bei über 2m, an 120 Tagen sogar über 2,50 Meter.

Wie geht’s jetzt weiter? Sachsen-Anhalts Verkehrsministerium wird nun den 300 Seiten starken Bericht nach Berlin schicken. „Ich hoffe das gebaut wird“, Daehre. Henrik Täger vom Wasserstraßenneubauamt äußerte sich anschließend zum Zeitplan. Bei der Vorbereitung der Planung rechnet er mit einem Zeitraum von ein bis zwei Jahren. Hinzu kommt die Planfeststellung von bis zu zwei Jahren. Sofern es keine Klagen gibt, könnte der Kanal in 5 Jahren stehen. Nun ist man gespannt, wie die Bundesregierung reagiert.

 

 

 

 

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