Segelschiffe ankern am Hallmarkt

Sonntag, 27. Januar 2008, 13:26 Uhr

Segelschiffe ankern am Hallmarkt

Ausstellung „Die Stadt am Fluss“ in Neuer Residenz erinnert an Geschichte der Saaleschifffahrt

SonntagsNachrichten-Online, 27.01.2008, von Martin Schramme

HALLE. Es ist Nacht. Im fahlen Licht eines hellen Sterns zeichnen sich Segelmasten ab und dicht dabei erhebt sich die Silhouette der fünf Türme des Marktes zu Halle. So sah es in Halle einmal aus bis vor etwas mehr als 100 Jahren, bestätigt Bruno Tauché, Geograf und Mitorganisator der Ausstellung „Die Stadt am Fluss“, die in der Neuen Residenz bis zum 7. Februar zu sehen ist.

Das beschriebene Bild des Malers Caspar David Friedrich mit dem Titel „Nacht im Hafen“ entstand um 1818, wurde seinerzeit von einem Russe gekauft und gehört heute zum Bestand der Ermitage in St. Petersburg. 2005 war es noch einmal in Halle, nun ist es Gegenstand eines Vortrages von Tauché, der am 7. Februar ab 14 Uhr im Großen Saal der Residenz (Domstraße 5) zu hören ist. Auf 45 Folien will der Professor etwas sagen zur Stadt am Fluss angefangen von den geologischen Gegebenheiten über städtebauliche Aspekte bis hin zu der Frage, ob der Romantiker Friedrich Ansichten Halles und seiner Heimatstadt Greifswald zusammengeführt hat oder nur Halle, wie es damals aussah, malte. Tauché glaubt an eine detailgetreue Abbildung der Realität. Denn Schiffe, erklärt er, kreuzten und ankerten einst tatsächlich so nah am Marktplatz. Wo heute die Gerbersaale (am Hallorenring teilweise überbaut) und der Mühlgraben sind, war bis Ende des 19. Jahrhunderts der Hauptarm der Saale. Als Halle in der Gründerzeit enorm wuchs und nach Baugrund gierte, war der Fluss im Weg.

 

Zwischen 1885 und 1900 wurde er daher völlig umgestaltet und der Hauptarm weiter nach Westen verlegt.
Zum Abschluss der Ausstellung am 7. Februar referieren auch Jörg Weise vom Wasser- und Schifffahrtsamt Magdeburg und Manfred Prinzek, Präsident des Vereins zur Hebung der Saaleschifffahrt (VHdS). Der Shanty-Chor „Die Seeteufel“ aus Halle wird die Sache abrunden.
Besucher der Schau erfahren Interessantes zu Saaleschifffahrt und Saaleausbau sowie zur besonderen städtebaulichen Situation Halles an der Saale. Einige funktionstüchtige Utensilien von Bord, darunter ein Maschinentelegraf und ein Schiffshorn, lockern die Ausstellung auf.

Dass die urkundliche bezeugte Saaleschifffahrt mit einer Leiche begann, lesen Betrachter der Chronik. So wurde 981 der tote Erzbischof Adalbert nach Magdeburg abtransportiert. Besonders bei der ebenfalls vorhandenen Erinnerung an die Einweihung des Sophien-Hafens 1854, die Eröffnung des Hafens in Trotha 1929 und den Saaleausbau seit 1931 ist Manfred Sprinzek in seinem Element. Er möchte die Saale und ihre Nutzung wieder mehr ins Bewusstsein der Leute bringen und hofft dabei auf eine Allianz aller Saalefreunde. Mit Freude verfolgt er, dass es nun beim Ausbau der Saale am Nadelöhr zwischen Calbe und Elbe endlich weitergeht. Die Pläne für einen Saale-Seitenkanal greifen offenbar.

 

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